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Der Kräuter-Schaugarten entsteht (2)

Immer noch liegen der alte Garten – er besteht ja gerade einmal zehn Jahre – und der neue Schaugarten unter Schnee, seit acht Wochen nun. Gestern Nacht hat es wieder eine dicke Lage geschneit, und auch wenn es tagsüber jetzt schon öfter taut, können wir noch längst nicht weiter bauen. Zu etwa zwei Dritteln sind wir mit der Anlage fertig – und hoffen nun auf günstige Witterung im März.

Ein ausgeklügeltes System von Wege- und Blickachsen teilt den Garten in verschiedene Zonen. Eine der Hauptachsen ist die Nord-Süd-Richtung. Sie bildet mit einem Weg sozusagen das Rückgrat, vor allem des großen Bereichs für die Mittelmeer-Kräuter. Wie die Bogenwölbung über einem langen Pfeil bildet quer zu diesem Weg eine Bruchsteinmauer aus schwarzem Diabas, einem Basalt-Gestein vom Harz, eine konkave “Sonnenfalle”: Die Mauer dient als Wärmespeicher und verstärkt so die Wirkung des Diabas-Schotters, der nach Süden hin eine Fläche für die Salbei-, Rosmarin-, Oregano– und Cistus-Arten bildet, für einige Thymiane, Artemisien, Curry-Kräuter, für Königskerzen, Spanischen Ginster und Heiligenkräuter.

Die meisten der mindestens 40 Thymian-Varianten wachsen aber auf der Krone der Bruchsteinmauer, in einer Art Pflanzrinne zwischen den großen Gesteinsbrocken. Zwischen die Thymiane werden einige niedrige Salbei-Formen, Teucrium und andere, eher kriechende, wärmeliebende Kräuter eingestreut.

Der Höhenversprung, der durch die Mauer entsteht, hebt einen fast 40 Meter langen Bogen aus Kalkschotter in einer sanften Wölbung aus dem insgesamt nahezu ebenen Gelände. Das ist der Lavendelbogen, auf dem einmal 50 und mehr Lavendel-Varietäten wachsen sollen. Zwischen den groben Schotter – die Körnung entspricht etwa Gleisschotter – wird nur ein wenig magerer Mutterboden eingestreut. Lavendel ist eine sehr kalkliebende Pflanzengruppe und wächst im Mittelmeer-Bereich oft auf fast reinem Kalkgesteinsbruch. Wir versuchen, solche Wuchsbedingungen möglichst authentisch herzustellen.

Unter dem Gestein und Schotter liegt, wie nahezu in der ganzen Gartenfläche, die Drainage-Schicht aus Quarzsand, so dass die Mittelmeer-Kräuter keine “nassen Füße” bekommen können. Das ist für Thymiane und Salvien, aber auch für Lavendel besonders wichtig.

In einem spitzen Winkel zur Nord-Süd-Richtung verläuft der Hauptweg, der Teile des alten Gartens mit dem neuen verbindet. Dieser Weg ist insgesamt fast 100 Meter lang, reicht von der Terrasse unterm Kirschbaum beim Haupthaus bis zur südlichen Grenze des Gartens. Im älteren Teil ist der vorhandene Weg am Halbschatten-Beet entlang einbezogen, über das sich die Zweige von sehr alten, stellenweise ruinösen Obstbäumen neigen. Ich lasse sie stehen, auch wenn sie kaum noch tragen – für Eulen, Kleiber, Meisen und andere Vögel, für Siebenschläfer und für die Insekten.

Auf der anderen Seite wird dieses Wegstück von dem großen Teich gesäumt, den wir neu hergerichtet haben. In den flachen Randzonen werden Kräuterpflanzen der Sumpf- und Flachwassergesellschaften wachsen: Caltha, Iris, Geum rivale, Bach-Minze, Blutweiderich, Bachbunge und andere. Um den Teich herum führt ein Kiesweg, in den “organischen Formen” des älteren Gartens. An ihm stehen die vielen Minzen – an die 60 Arten und Sorten –, dann weiter die Gruppierungen von Ampfern, Beinwell und Alant. Eine Hecke aus Wildrosen trennt den privaten Gartenteil ab, davor drängen sich Melissen, Monarden, Berg- und Gartenminzen.

Der neue Schaugarten ist sehr viel geometrischer angelegt – davon demnächst mehr.


Text und Fotos: Ludwig Fischer