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Der Kräuter-Schaugarten entsteht (1)

Südlich von meinem Kräutergarten gehört noch eine große Wiese zum Hofgrundstück. Sie blieb von der Kälberweide, die wir für die Umsetzung unseres großen, alten Bauernhauses vom Nachbarhof erwarben – das Baudenkmal von 1648/49 war an seinem Standort nicht zu halten und stand kurz vor dem Abbruch.

Mehrere Jahre habe ich mich mit Plänen getragen, meinen privaten Kräutergarten zu erweitern und einen Teil der Wiese zu einem öffentlichen Schaugarten um zuwandeln – immer wieder fragen Gruppen und Einzelbesucher nach, um den Privatgarten zu besichtigen. Er ist aber, mit seinen zum Teil sehr engen Wegen, mit den “naturnahen” Mischpflanzungen und mit seinem intimen Charakter vor allem für Gruppen wenig geeignet.

Nun habe ich nach langem Zögern doch das Projekt des Schaugartens und der dazu gehörenden Service-Einrichtungen angepackt. Die Pläne für eine eigenwillige, ästhetisch anspruchsvolle Anlage gab es schon lange. Fördermittel kamen von der Niedersächsischen Bingostiftung und aus dem LEADER-Programm der Regionalförderung. Ich habe eine gemeinnützige GmbH gegründet, Freunde um Unterstützung gebeten, und im Herbst konnte mit den Erdarbeiten begonnen werden.

In diesen Wochen müssen die Gartenbauarbeiten zwar ruhen, die neuen Beete, Wege, Steinmauern, Pflasterungen liegen unter dem Schnee. Aber sobald die weiße Pracht vergangen und der Boden ganz aufgetaut ist, packen wir wieder zu – im März soll die Anlage fertig gestellt sein, im April und Mai werden die Kräuter gepflanzt, über 300 verschiedene Würz-, Duft- und Heilkräuter.

In einigen Folgen meiner Gartennotizen will ich davon berichten, wie der Kräutergarten entsteht.

Im Herbst fuhren auf der Wiese große Maschinen und Lastwagen an: Auf der gesamten Fläche des neuen Schaugartens wurden Grasnarbe und Mutterboden 50 bis 60 Zentimeter tief abgetragen. In manchen Partien trafen wir in dieser Tiefe auf Ortstein – ein Zeichen dafür, dass der sandige, graue Oberboden nährstoffarm und eher sauer ist; mit dem Oberflächenwasser sickern vor allem Eisenverbindungen ab und verbacken mit sandigen Unterböden zu einer fast steinharten Schicht, durch die kaum eine Wurzel dringen kann. Für die meisten Kräuter spielt das keine Rolle, sie wurzeln höchstens 30 bis 40 Zentimeter tief. Aber der neue Bodenaufbau für den Schaugarten musste einen sehr wasserdurchlässigen Untergrund haben. Also brachten wir eine etwa 30 Zentimeter hohe Drainage-Schicht aus reinem Sand, ohne Lehmanteile, flächig ein. Der helle Quarzsand kam aus einer Grube ganz in der Nähe – die Gegend hier gehört zu den Ausläufern der so genannten Zevener Geest, einem sanft gewellten Endmoränenrand. So holte der Bagger denn auch große Granitsteine aus dem Boden, darunter einen riesigen Findling.

Mit dem neuen Bodenaufbau schließen wir auch Wurzelunkräuter weitgehend aus. Der angekaufte, gesiebte Mutterboden, der in vielen Teilen des Gartens auf die Sandschicht aufgebracht wird, kann freilich immer noch einige Schnipsel enthalten – niemand gibt eine Garantie.

An den Rändern der neuen Gartenfläche haben wir eine Wurzelsperre aus fester Folie eingezogen. So können Quecke, Giersch, Huflattich, Adlerfarn und die anderen, unterirdisch kriechenden “Gäste” sich nicht einschleichen. Nachdem der Bagger abgefahren war, begann auf der Sandfläche die Anlage der Wege, der Pflasterungen, Einfassungen und Standflächen, der Aufbau von Trockenmauern und Steinpfaden. Der neue Schaugarten wird auch planerisch und ästhetisch Ungewöhnliches bieten – von einigen der Besonderheiten berichte ich nächstes Mal.


Text und Fotos: Ludwig Fischer