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Der Frühling liebt Gelb

Das könnte Ärger geben. Eine Gartenschreiberin, die mit dem blühenden Vorfrühlingssymbol schlechthin wenig anzufangen weiß und das auch noch laut verkündet, macht sich vermutlich nicht sonderlich beliebt. Aber ich mag sie nun mal nicht, die laute Dame. Dem plakativen, weithin leuchtenden Gelb, mit dem sie uns zu einer Zeit überfällt, in der sich die Natur rings umher noch blass und verschlafen räkelt, bin ich so früh im Jahr einfach nicht gewachsen. Gibt man ihr dann auch noch rosablühende Zierkirschen zur Gesellschaft, was leider selten ausbleibt, suche ich endgültig das Weite – nicht immer ziehen Gegensätze sich an. Natürlich, Sie haben es längst erraten, die Rede ist von der Forsythie. Dieses robuste, aus Asien stammende Ölbaumgewächs ist zweifellos eine überaus populäre Garten-Einwanderin. Rein gar nichts allerdings hat die üppige, übrigens in allen Teilen schwach giftige Blüherin den pollensammelnden Insekten zu bieten, die schon auf Nahrungssuche sind. Frustriert meiden sie ihre Blüten, und auch den Vögeln nützt ihr Dasein zu keiner Jahreszeit.

Ganz anders sieht das bei einem oft unterschätzten aus, der mir hingegen sehr am Herzen liegt. Seit dem Mittelalter ist er bei uns zu Hause, fand über Kleinasien und Südeuropa den Weg in den Norden. Ein mit so vielen guten Eigenschaften ausgestattetes Gehölz verdient es nämlich unbedingt, einmal gelobt zu werden, auch wenn es deutlich leiser auftritt als die allgegenwärtige Forsythie. Auch seine Blüten sind gelb, aber wie anders ist hier die Anmutung! Aus der Ferne scheint es, als sei sie über und über mit unzähligen kleinen Perlen besetzt, unsere heimische Kornelkirsche. Für viele Wochen ist ihre Blüte ein zarter und dennoch spektakulärer Augenschmaus, begleitet vom leichten Honigduft der Blüten.

Ihr botanischer Name ist Cornus mas, wörtlich übersetzt also der "männliche Hartriegel". Er kann über 100 Jahre alt werden, versorgt eine Vielzahl von emsigen Pollensammlern mit Nahrung und wird von Vögeln als Nist- und Nährgehölz hoch geschätzt. Aus seinen herb-säuerlichen, leuchtend roten Kornelkirschen, den Kornellen (botanisch gehören die zweisamigen Steinfrüchte aber nicht zu den Kirschen!), stelle ich eine aparte, köstliche Marmelade her. Das Holz wird für Drechselarbeiten oder auch zur Herstellung von Spazierstöcken verwendet. Und wer weiß schon, dass Cornus mas das härteste und schwerste aller europäischen Hölzer hat? Es ist so schwer, dass es im Wasser sinkt. Der Sage nach wurde aus ihm gar das Trojanische Pferd gebaut. Man sieht, hier hat es jemand faustdick unter der Rinde.

Ja aber, werden jetzt die Besitzer kleiner Gärten stöhnen, was soll ich mit so einem Riesenkerl? Nun, Cornus mas ist langsam wachsend, dabei ausgesprochen schnittverträglich und kann deshalb auch als Hecke gepflanzt werden – aber es stimmt schon, für kleine Gärten ist er trotz aller Schnittverträglich- und Anspruchslosigkeit an Boden und Standort wohl wirklich nicht die erste Wahl. Es wäre schade, ihm nicht die Entfaltung seines malerischen Wuchses zu ermöglichen. Drei bis vier Meter hoch und breit möchte er irgendwann schon werden dürfen. Größere Gärten wie den unseren bereichert er aber sowohl ökologisch als auch ästhetisch. Er hat durchaus das Zeug zum Solitär und kann dann mit einem fröhlichen Völkchen sehr früher kleiner Narzissen wie 'February Gold' und anderen frühen Zwiebelblühern wie Schneeglanz und Traubenhyazinthen unterpflanzt werden. Bei uns im Forsthaus-Garten geben sich allerdings mehrere Exemplare zur Freude einer großen Vogelschar gutmütig mit einem Platz in der Vogelschutzhecke zufrieden. Schon früh im März leuchten uns die Blüten daraus zusammen mit den noch unbelaubten gelben und roten Ästen zweier anderer Hartriegelarten entgegen.

Im Spätsommer und Frühherbst reifen die Früchte, dann muss die Gärtnerin sich sputen, wenn sie ernten will, denn die roten "Kirschen" sind bei vielen Garten(mit)bewohnern überaus beliebt. Am eifrigsten legen sich zum Leidwesen der Vögel unsere "Neubürger", die Waschbären ins Zeug. Es geht ihnen hier prächtig, und los werden wir sie ohnehin nicht mehr, also sehen wir’s den Gaunern nach, es reicht immer noch für alle.

Ich mag ihn sehr, den Cornus mas – wo sich ein Platz für ihn findet, hat er allemal eine Chance verdient!

Für heute macht die Gärtnerin Feierabend – bis zum nächsten Mal!


Text und Fotos: Angelika Traub