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Das Spiel der Farben

Heute, am vorletzten Oktobertag, ist der Himmel bedeckt. Merkwürdig, wie intensiv die Farben im Garten trotzdem hervortreten. Während die tiefe Sonne sonst sehr blendet und manche Pflanze im Gegenlicht dunkel, ja schwarz erscheint, treten ohne das direkte Licht Freuden zu tage, die man dem auslaufenden Oktober gar nicht mehr zutrauen will.
Noch immer blühen Rudbeckia triloba, über die ersten Blüten mussten wir uns schon im Juli wundern. Jetzt beginnen einige zu „reifen“ und sehen dabei noch immer reizvoll aus. Daneben der hohe Miscanthus und, ungewöhnlich im Staudengarten, die fast goldenen Stiele von zwei Spargelhorsten, die Überreste einer alten Anlage. Spargel, ja schließlich auch eine Staude, macht sich mit seinen feinen Fiederblättern, mit seinen roten Früchten und der goldenen Herbstfärbung gut zwischen anderen Stauden. In unmittelbarer Nähe dann das Tautropfengras, Sporobolus heterolepis. Viele Horste umstehen eine Yucca filamentosa, die seit einigen Jahren dort wächst, immer umfangreicher wird, aber noch nicht geblüht hat. Ihr intensiv dunkles Grün wird vom Ocker des Tautropfengrases umrahmt. Ein anderes Gras in der Nachbarschaft hat sich besonders viel Zeit bis zur Blüte genommen. Über dem noch üppig grünen Laub stehen die Blütenrispen mit kleinen violetten Ähren. Die Rede ist vom Sandliebesgras, von Eragrostis trichodes 'Bend', das zu den nun meist gelben Gräsern einen bemerkenswerten Kontrast bildet.

Der bislang fast frostfreie Oktober (gestern Nacht war der erste leichte Bodenfrost) hat dem Jamlitzer Garten noch viele weitere Farbfreuden geschenkt. Dass ein Phlox amplifolia-Sämling jetzt noch richtig blüht, wundert fast nicht. Er keimte schließlich erst im Frühling. Zauberhaft machen sich aber vor allem die Chrysanthemen. Wobei sich herausstellt, dass ein  Löffel Guano im Frühjahr die Blühfreudigkeit deutlich erhöht. So manche Sorte ist schon am verblühen. In ganzer Pracht aber zeigen sich jetzt so späte Sorten wie 'Oury', mit weinroten, einfachen aber sehr großen Blüten und die Sorte 'L’Innocence', mit einfachen, weißen, leicht ins Rosa gehenden Blüten.

Die Herbstasterblüte ist längst vorbei. Sie hat ihren Höhepunkt 4 Wochen vor den Chrysanthemen. Eine Sonderstellung nimmt die aus Ostasien stammende Aster ageratoides var. ovatus fo.yezoensis ein. Und das nicht nur wegen ihres langen Namens, sondern wegen ihrer späten und sehr langen Blüte. Die Sorte 'Asran' bildet in Jamlitz den Übergang vom Garten in den Wald. Sie gehört zu den Wandergesellen, erobert neue Plätze und verlässt manchmal die alten Standorte. Die sehr vitale Oktober-Blüherin bringt zu guter Letzt noch einmal etwas Hellviolett in den Garten.


Text und Fotos: Christian Seiffert