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Dahlien – grenzenlos beliebt!

Mein Verhältnis zu Dahlien war lange Zeit getrübt. Zu üppig, zu gefüllt, zu künstlich, das waren meine Empfindungen. Und wohin mit ihnen, auf den Kartoffelacker, in den Gemüsegarten? Erst nachdem mich ein Freund durch sein Allgäuer Bauerndorf geführt hatte und ich Dahlien in üppiger Fülle über einen Zaun schauen sah, wandelte sich meine Einstellung zu diesen mächtigen Blickfängern. Und doch versuchte ich es in Jamlitz, im Brandenburger Sand zunächst mit kleinblütigen Dahlien. Die Bishop-Serie hatte es mir angetan, Einfache rote Blüten mit einem Durchmesser von ca. 6 – 8 cm. Der Meinung, dies seien alte englische Sorten, wollte ich die Jahre ihrer Entstehung herausfinden. Dabei stellte ich fest, dass es nur eine wirklich englische Sorte aus dem Jahr 1928 gibt, die Sorte 'Bishop of Llandaff'. Alle anderen Bishop-Sorten sind sehr jungen Datums, sie wurden vom Züchter zu der Linden in den Niederlanden 2002 bzw. 2005 herausgebracht.

Dann versuchte ich es in Jamlitz mit der 'Weißen Aster', richtig 'White Aster', denn sie ist englischem Ursprungs aus dem Jahre 1879. Diese wunderschöne weiße Pompondahlie bewährt sich und vermehrt sich, und gut steht ihr ein farblicher Kontrast. Sie stand 2017 zusammen mit Cosmos sulphureus. Dies Jahr wird sie, werden sie, denn es sind jetzt viele, zusammen mit 'Stolz von Berlin' stehen. Diese stolze Dahlie könnte sich als rosa-hellviolette Schwester der Weißen Aster ausgeben. Doch ist sie 5 Jahre später, erst 1884, von einem Herrn Schwiglewski gezüchtet worden, vermutlich einem Berliner. Im Dahlien-Verzeichnis ist sie als zweitälteste deutsche Dahlie aufgeführt, als älteste im Handel befindliche deutsche Sorte gilt 'Kaiser Wilhelm'. Das heißt aber nicht, dass vorher nicht schon viele Dahliensorten gezüchtet worden waren. Nur existieren sie nicht mehr. So schrieb um 1890 Johannes Böttner (Gartenbuch für Anfänger 1895): &raqou;Als sie Anfang dieses Jahrhunderts in Deutschland eingeführt wurde, kannte man zunächst nur die einfache Art. Aber schon um das Jahr 1825 erschienen die ersten gefüllten Blumen, welche man immer weiter zu vervollkommnen strebte«.

Im 19. Jahrhundert entstanden fast alle heute gängigen Formen und Farben. Schon 1808 gelang in Karlsruhe die Züchtung der ersten vollgefüllten Dahlie. Ab 1850 gehörten Pompondahlien zu den besonders beliebten Formen. Kataloge in Europa weisen schon Mitte des 19. Jahrhunderts Tausende von Dahliensorten aus.
Die Leidenschaft, immer wieder neue Dahliensorten zu züchten, hat nicht nachgelassen. Wie bei Rosen, werden auch die Dahlien einer Neuheitenprüfung unterzogen. 2017 waren es 41 Neuheiten, vor 15 Jahren noch 70 bis 80 Prüflinge. Die Zahl der Dahlien züchtenden Gärtnereien hat immer mehr abgenommen, weil es sich nicht mehr lohnt, heißt es. Aber unter den Amateurzüchtern ist wohl die Leidenschaft, neue Dahlien zu schaffen, ungebrochen. Dabei hat es ja schon alles an möglichen Formen, Farben und Variationen gegeben. Wer es nicht glaubt, der schaue einmal in das Dahlienverzeichnis/Sortenübersicht: von 'Aachener Karneval' bis 'Zukunftsland' (insgesamt 2810 Sorten) sind alle Dahlien in ihrer ganzen Pracht abgebildet. Doch sind nur wenige ganz alte Sorten darunter. Die meisten sind im 20. Jahrhundert entstanden. So hat man den Eindruck, Dahlien-Sorten gehen und kommen ständig neu.

Max Liebermann hat nach dem Ersten Weltkrieg in seinem Wannseegarten herrliche impressionistische Gartenbilder gemalt. Wer glaubt, die abgebildeten Dahlien, rot, großblütig und gefüllt, könne man als Sorten identifizieren, der soll es versuchen. Wahrscheinlich existieren die Sorten gar nicht mehr. Mir ist es jedenfalls nicht gelungen, und wohl auch der Gärtnermeisterin Kirsten Plathof nicht. Sie leitet die Gartenarbeiten im Liebermann-Garten und verwendet dort zwei Dahlien jüngeren Datums, die so schön sind, dass Liebermann sie sicher sehr geschätzt hätte. Die eine Sorte heißt 'Black Jack' sie wurde 2003 von Peter Haslhofer in Österreich gezüchtet, die andere, 'Excalibur' entstand 1996 in Belgien, Züchter war H. Plochaet. Aber warum lassen wir Kirsten Plathof nicht selber zu Wort kommen. Sie weiß sehr viel Interessantes über Dahlien und ihre Geschichte und natürlich über Liebermanns Wannseegarten zu berichten: Dahlien – Mexikanisches Temperament am Wannsee.


Fotos 'Stolz von Berlin' (2): Reichert/Naturwuchs
Text und weitere Fotos (3): Christian Seiffert