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Crocus tommasinianus

Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
und streut er Eis und Schnee umher,
Es muß doch Frühling werden.

– Emmanuel Geibel, Hoffnung

Den richtigen Frühling, den die Phänologen Erstfrühling nennen, warten die Elfenkrokusse gar nicht erst ab. Oft schieben sie sich durch den Schnee, auf jeden Fall nutzten sie heuer die wenigen Sonnentage in der ersten Märzdekade, um zu blühen. Crocus tommasinianus ist der früheste Krokus bei uns im Garten. Dabei sind die Blüten viel zu zart für diese Jahreszeit. Aber der Bienenflug, so ziemlich der erste, reicht für eine gute Bestäubung. Fällt dann erneut Schnee, knicken die älteren Blüten um. Aber viele weitere Knospen strecken sich und warten auf den nächsten Sonnenstrahl. Wie sensibel reagiert dieser Krokus auf Licht! Im Halbschatten blühte er sechs Tage später, als in der Sonne.

Crocus tommasinianus gehört zu den Krokusarten, die sich spielend vermehren. Die Horste werden von Jahr zu Jahr umfangreicher, aber auch die generative Vermehrung kann sich sehen lassen. Offenbar tragen Ameisen die Samen durch die Gegend. Denn oft blühen einzelne Krokusse weit ab von den ursprünglichen Pflanzplätzen, z.B. gern auf Kieswegen. Ein idealer Krokus zum Verwildern vor Gehölzrändern und im Gehölz unter sommergrünen Sträuchern und Bäumen!
Die Heimat dieser Art ist grob umrissen der Balkan. Offenbar kommt er in Dalmatien vor, denn er wird auch Dalmatiner Krokus genannt. Andere Quellen nennen Südungarn, Nordwestbulgarien. Die Pflanzenwelt der dalmatiner Küstenlandschaft  wurde von einem österreichisch/italienischen Staatsbeamten mit dem schönen Namen Mutius von Tommasini, bzw. Muzio de Tommasini im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts erforscht. Immer wenn ihm die Staatsgeschäfte Luft ließen, zog er in die Natur und botanisierte. Ob er den Elfenkrokus gefunden und beschrieben hat, das vermag ich nicht zu sagen, wohl aber, dass dieser Krokus nach ihm benannt wurde: Crocus tommasinianus.

Primula vulgaris lässt noch auf sich warten. Eine einzige Pflanze aber, die vor Jahren als winterliche Topfpflanze gekauft wurde, blüht schon seit Januar. Ihre Blüten sind größer als die der Wildart, die Farbe intensiver dunkelgelb. Bei weitem nicht so schön, wie die wilde Primula vulgaris, erwähne ich sie nur, weil sie wahrscheinlich Gene einer Unterart oder Subspezies besitzt, nämlich Gene von Primula vulgaris ssp. sibthorpii. Bei uns ist sie unter dem Namen Karnevalsprimel bekannt, wohl, weil sie sehr früh blüht, zur gleichen Zeit wie der Elfenkrokus. Eine einzige Pflanze steht im Senkgarten. Leider hat sie sich noch nicht durch Samen vermehrt, wohl aber vegetativ. Mit den gelben Primula vulgaris kann sie sich nicht kreuzen, weil die einen Monat später blühen.
Die Karnevalsprimeln decken farblich den Bereich von rosa, rot bis violett ab. Im März kann man sie im Staudensichtungsgarten in Weihenstephan bewundern. Dort stehen sie im Gehölz, im Eichenwald. Ihr natürliches Vorkommen reicht von Griechenland bis zum Kaspischen Meer, Nordiran.

Noch ein Wort zur Bezeichnung „Sibthorpii“. Der leitet sich vom Namen eines englischen Botanikers ab, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte und zwei Griechenland Expeditionen machte. Sein Name: John Sibthorp.

Wenn seit Jahren im späten Winter sehr farbige, sehr großblütige Topfprimeln in Massen angeboten werden, so stammen die Farben Blau, Rosa und Rot von der Karnevalsprimel. Und sicher auch die zeitige Blüte. Leider haben diese „Knallbonbons“ die klassischen Topfprimeln, die Becherprimel, Primula obconica und die Fliederprimel, Primula malacoides fast ganz verdrängt.


Text und Fotos: Christian Seiffert