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Clematis serratifolia …

Vor gut 30 Jahren habe ich sie zum ersten Mal gesehen, und sie gefiel mir auf Anhieb. Sie wucherte am Gartenzaun eines pensionierten Stadtgärtners am Rand einer Kleinstadt in Hessen. Es war September, und in der Sonne leuchteten unzählige kleine cremefarbene bis zitronegelbe Blütchen mit einem kleinen dunklen Auge in der Mitte.

Ich vergaß sie nie. Als ich ein paar Jahre später meinen Reihenhausgarten umgestaltete, pflanzte ich in der hintersten Ecke eine Schattenlaube aus Weidenruten, die ich in den nächsten Jahren mit zunehmendem Wachstum an ihren oberen Enden nach innen bog und zu einer lockeren Pergola verflocht. An den Rand dieser Schattenlaube pflanzte ich diese Clematis serratifolia. In den ersten Jahren schnitt ich sie noch kräftig zurück, um ihr Wachstum von der Basis aus anzuregen. Das zeigte Wirkung. Die Waldrebe entwickelte ein unbändiges Wachstum, überwucherte die Laube und kletterte dann über die Gartengrenzen hinaus bis in eine hoch gewachsene Felsenbirne hinein.

Im August bringt sie zahllose kleine gelbe Blüten hervor, die man aus der Entfernung zunächst einmal nicht wahrnimmt. Dann, nach einer relativ kurzen Blütezeit, folgen im September die unzähligen silbrig schimmernden Samenstände, und die machen diese Clematis noch viel attraktiver als die Blüten selber. Gerade jetzt im Winter, wenn sie außerdem noch mit Raureif besetzt sind, möchte ich diese Waldrebe nicht missen. Sie ist ein Blickfang in unserem Garten. Nach dem Winter, wenn die Samen heruntergefallen sind, schneide ich sie wieder kräftig zurück. Das ist bitter nötig. Nicht um der Clematis willen, sondern damit die Weidenlaube wieder genügend Licht bekommt, um neu auszutreiben. Aber keine Bange! Es dauert nicht lange, dann haben die jungen Triebe sie wieder erobert und spenden mit ihren Blättern wohltuenden Schatten.

Mehr über den Kreativgarten von Wolfram Franke unter www.gartenschreiber.de


Text und Fotos: Wolfram Franke