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Bitte – nicht noch einmal einen solchen Winter …

das höre ich von unzähligen Rosenfreunden. "Was kann ich tun, um mich vor solchen Winterschäden zu schützen?". Eine gute Frage, aber auch eine Frage, für die es keine allgemein gültige Antwort gibt – denn es war eigentlich kein extrem harter Winter, sondern insgesamt gesehen ein viel zu milder Winter! Im Dezember wurde Deutschlandweit eine mittlere Temperatur von +3,8° Celsius gemessen. Etwas nachdenklich ob der milden Temperaturen ging ich durch den Redaktionsgarten, aber noch machte ich mir keine großen Gedanken darüber, dass die Triebe noch immer voll Saft waren und das Laub ganz fest am Strauch haftete.

Ich war auf die kommende Frostperiode vorbereitet! Meine Beet-, Edel- und Kleinstrauchrosen waren mit einer dicken Schicht Kompost angehäufelt. In diesem Winter wollte ich allerdings ein Experiment wagen und keinen meiner 18 Hochstämme mit einer warmen Haube schützen. Bei meinen Nachbarn, die ihre Hochstämme wenn überhaupt, lediglich mit ein wenig Tannenreisig "schützten", habe ich festgestellt, dass deren Hochstämme besser und schneller austrieben und insgesamt viel gesünder wirkten. Ich umwickelte dieses Mal also lediglich die Veredelungsstelle wie üblich mit einem Nylonstrumpf und wollte sehen, ob dieses Verfahren ausreichend ist. Denn ich habe in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass die Kronen meiner Hochstämme nach dem Entfernen der Haube zunächst grün waren und erst allmählich trotz großer Wassergaben braun und trocken wurden. Lag es daran, dass sie plötzlich der rauen Wirklichkeit ausgesetzt waren?

Sämtliche meiner Historischen Rosen benötigen ohnehin keinerlei Winterschutz, deshalb erübrigt sich hier eine schützende Maßnahme.

Es wurde Januar und die Temperaturen waren immer noch im Plus! Die Rosen behielten ihr Laub und bekamen kein Signal für die benötigte Winterruhe. An manchen Trieben konnte ich Mitte des Monats bereits kleine verdickte Augen erkennen. Und immer noch kein Frost. Um diese Zeit konnte ich in den vergangenen Jahren bei meinen späten Rosenblüten, Fetthennen, Sonnenhüten und Gräsern wunderschöne Fotos von den mit Raureif überzogenen Samenständen machen. Diese Samenstände lasse ich grundsätzlich während der Wintermonate stehen, um dem Garten zusätzlich Struktur zu geben und den Vögeln ein vielseitigeres Futterangebot zu machen.

Aber dann …

Wetterbericht 02. Februar 2012 in Süddeutschland: " … in der Nacht Frost mit Temperaturen bis zu minus 20° Celsius …!" Hektisch rannte ich in den Keller, um nun doch Holzwolle und Vlieshauben für die Hochstämme zu holen. Also – dieses Jahr doch lieber kein Experiment! Die Rosen konnten bisher noch keinen natürlichen Winterschutz aufbauen – deshalb musste ich sie nun warm einpacken, zumal die Triebe bereits wieder Saft führten. Ich füllte also die Krone zusätzlich mit Holzwolle aus, umwickelte die Stämme mit Jutebändern und stülpte den Kronen noch die Hauben darüber. Mit einer großen Schleife band ich diese fest und war sicher, dass die größte Gefahr nun gebannt war. So behandelte ich alle meine 18 Hochstämme.

Am Morgen zeigte das Außenthermometer – 23° Celsius an. Mit ungutem Gefühl ging mein Blick durch den Garten, der sich wie erstarrt zeigte. In den folgenden zwei Wochen fielen die Temperaturen sogar für mehrere Tage auf – 28° Celsius.

Der Schock traf mich dann mit voller Wucht, als ich alle Hochstämme im April auspackte – sie waren alle bis auf zwei komplett erfroren. Die beiden, die überlebten, waren 'Tuscany superb' eine tief dunkelrote einfach und einmal blühende Schönheit und 'Comte de Chambord', eine stark gefüllte, rosafarbene Historische Rose, die sogar öfter blühend ist. Alle weiteren rund 200 Rosen, ausgenommen die Historischen waren stark bzw. bis zum Boden herunter gefroren.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!

Ein rigoroser Rückschnitt bis fast zum Boden war nun angesagt. Jeden Morgen führte mich mein Rundgang mit banger Sorge zu den Rosen im Garten – lange zeigte sich kein Lebenszeichen. In Gedanken stellte ich schon eine Liste von Rosen zusammen, die die Lücken wieder füllen sollten.

Besonders bemerkenswert war aber, dass weder meine wintergrünen Stauden wie Heucheras (Purpurglöckchen), noch Artemisia (Silberblatt) oder die unterschiedlichen Gräser einen sichtbaren Schaden davon getragen haben. Ich konnte es kaum fassen. Sie sahen völlig normal aus und zeigten auch weiterhin keinerlei Schäden.

Nach und nach zeigten sich aber auch bei sämtlichen Rosen neue kräftige Triebe aus der Veredelungsstelle, die sich mit Hilfe von Vitanal blau (steigert das Wurzelwachstum) wieder zu schönen Rosensträuchern entwickelten. Die Blüten schienen bei einigen Rosen sogar noch prächtiger zu sein, als bisher und den Trieben tat der rigorose Rückschnitt ebenfalls gut.

Fazit:
Einzige Winterschutz-Maßnahme bei Hochstämmen, die den wirksamsten Schutz bietet, ist das bereits seit mehreren Jahren verpönte Umlegen der Stämme. Junge und noch biegsame Stämme werden in Richtung des am Fuß befindlichen Zapfen umgelegt und die Krone mit einigen Schaufeln Erde zugedeckt. Bei älteren Hochstämmen werden dicht am Stamm auf der gegenüber zur Fallrichtung gelegenen Seite mit einem scharfen Spaten die Wurzeln gekappt. Somit lässt sich der Stamm gut umlegen. Keine Angst – die Wurzeln bilden sich nach den Wiederaufrichten sehr schnell nach.

Historische Rosenstämme brauchen keinerlei Schutzmaßnahmen. Alle anderen Rosen wenigstens mindestens 15-20 cm hoch anhäufeln und bei Spätfrösten und Sonne mit Vlies oder Tannenreisig beschatten.

Es ist ratsam, bei mickrig wachsenden Rosen im Frühjahr einen totalen Rückschnitt durchzuführen. Der Strauch erreicht sehr schnell wieder die alte Höhe, zumal die Wurzelmasse ja bereits gut ausgebildet ist. Durch den diesmal notwendig gewordenen extremen Rückschnitt ist hoffentlich auch bei den zaghaftesten Rosenliebhabern die Angst vor einem etwas beherzteren Rückschnitt verschwunden.

Auch meine Stauden, die während des Winters ihr grünes oder andersfarbiges Laub behalten, haben solche extremen Fröste unbeschadet und sogar ohne jeden Winterschutz ausgehalten und benötigten keinen Rückschnitt. Alle anderen Stauden überstehen solche Torturen in den Garten gepflanzt, ohnehin sehr gut. Stauden in Töpfen würde ich bei solch extremen Temperaturen lieber in einen Keller oder in die Garage stellen.

Jetzt hoffen wir auf einen schönen kalten Winter mit Eis und Schnee, der unseren geliebten Pflanzen die nötige Winterruhe ermöglicht und sie gestärkt und gesund in den Frühling gehen lässt.