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Auf den Winter zu

Hier im Norden hat uns der November eine ganze Reihe sonniger Tage beschert – Windstille, so dass sich noch die eine oder andere Blüte behauptete, aber langsam wurde es immer kälter. Und dann die ersten Raureif-Nächte: Morgens, bis die Sonne an Höhe gewann, weiß aufgehöhte Konturen an den Stängeln und Fruchtständen, die ich stehen gelassen habe.

Unter den letzten blühenden Kräutern am auffälligsten: Topinambur, die Ausdauernde Sonnenblume (Helianthus tuberosus), mit handtellergroßen, strahlend gelben Blüten an den über zwei Meter hohen Stängeln. Die Knollen der Pflanze sind essbar, ähneln Kartoffeln und haben einen leicht nussigen Geschmack. Von meinem im Frühjahr ausgepflanzten Topinambur habe ich noch nicht geerntet, der Bestand soll sich erst noch durch Tochterknollen ein wenig ausbreiten.

Im Schatten blühte bis vor einigen Tagen die Alraune (Mandragora autumnalis) mit blau-violetten Glocken. Früchte wird sie nicht mehr bilden. Die Alraune galt lange als die wirkmächtigste Zauberpflanze. In ihrer verzweigten Wurzel erkannte man oft Menschengestalten und verwahrte sie als kostbares Zaubermittel gegen alle möglichen Gefahren. Auch aphrodisierend soll Alraune wirken.

Bis zu den ersten Frostnächten blühte auch noch leuchtend violettblau der Chinesische Gewürzstrauch (Elsholtzia stauntonii), der sich im Verlauf einer Saison zu einem meterhohen Strauch entwickelt. Nach den ersten Frostnächten verwelken Blüten und Blätter.

Im Spätsommer und im frühen Herbst habe ich die Blütenstände von Kräutern zurückgeschnitten, die sich stark aussäen: Herzgespann (Leonurus cadiaca), Wiesensalbei (Salvia pratensis), Eisenkraut (Verbena officinalis), Rainfarn (Tanacetum vulgare), Färberkamille (Anthemis tinctoria) und andere.

Die vielen anderen verdorrten Stängel und Blütenköpfe dürfen bis in den März stehen bleiben – aus manchen picken sich die Vögel ihr Futter, und viele geben bei Raureif oder leichtem Schnee ein apartes Bild ab wie die Monarden oder Echinacea. Den schönsten Effekt bot jetzt eine Blüte der Artischocke (Cynara cardunculus): blaue Blütenstrahlen mit weißem Überzug. Und die noch mit einem rötlichen Hauch versehenen Blütenstände der hohen Fetthenne (Sedum Telephium-Hybride 'Herbstfreude') zeigten ihre Struktur weiß verstärkt. Schon am frühen Vormittag ist der nächtliche Schmuck vergangen.


Text und Fotos: Ludwig Fischer