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Altes Werkzeug

Mich hat die Eröffnung des Aufsehen erregenden ‘Museums der Gartenkultur‘ so fasziniert, dass ich mich nochmal eingehender mit alten Scheren und Gießkannen beschäftigt habe.

Altes Werkzeug

Zu einem lauschigen und stilvollen Gartenplatz gehören nicht nur Gartenmöbel. Auch alter bäuerlicher Hausrat bietet viele Möglichkeiten für originelle Gestaltungsideen im Hof, Garten und auf dem Balkon. Alte Zinkwannen oder Standen, in denen früher das Sauerkraut eingemacht wurde, sind heute beliebte Pflanzgefäße. Mit Einzelelementen wie Mühl- und Schleifsteinen, Steinzeugkaminen, Rankgittern etc. lassen sich schöne individuelle Akzente setzen. Ihrer ursprünglichen Nutzung enthoben und in den Garten gesetzt, erhalten viele Stücke Objektcharakter.

Die Gartenarbeit ist natürlich nichts ohne gutes Werkzeug. Vor allem altes Werkzeug ist nicht nur qualitativ gut verarbeitet, sondern zumeist auch bis ins Detail schön gestaltet.

Die Gartenschere, auch Rosenschere genannt, ist noch gar nicht so alt, wie man glaubt.

C. A. Wimmer hat 2005 in seinem Artikel (Zandera, Mitteilungen aus der Bücherei des deutschen Gartenbaues e.V. Berlin, Bd. 20 (2005) Nr. 2, 50-78) überzeugend dargelegt, dass diese „moderne” Schere erstmals 1819 gesichert nachgewiesen wurde. Im französischen Gärtnerhandbuch “Bon Jardinier”, wurde das Gerät abgebildet und beschrieben. Als Erfinder gilt der französische Adelige Francois Marquis Bertrand – Molleville (1744 – 1818), der 1792 während der französischen Revolutionswirren nach England floh und 1814 nach Frankreich zurückkehrte. Ob er die Schere nun in England oder Frankreich erfunden hat, ist nicht mehr zu klären. Tatsächlich werden auch in England diese Gartenscheren bis heute “sécateur” genannt, seltener “pruning shear”.

Anfangs war der Gebrauch dieser Baumschere im Gartenbau sehr umstritten. Etlichen Gärtnern war der Schnitt zu “unsauber”, die Triebe wurden gequetscht und Rinde ausgerissen. Sie verwendeten lieber weiterhin das gebogene Gartenmesser, die „Hippe” Spätere technische Verfeinerungen wie ein besserer Klingenschluss, der einen präziseren Schnitt ermöglichte, führte dazu, dass das Werkzeug in Frankreich um 1840 allgemein in Gebrauch war.

Ab 1850/60 fand die Schere auch in Deutschland vor allem durch die pomologische Tätigkeit von Nicolas Gaucher und Eduard Lucas eine weite Verbreitung.

Die fast unglaubliche Vielfalt an technischen Lösungen macht die Gartenscheren für Sammler so interessant. Sie betreffen alle Elemente der Schere: Klinge, Gelenk, Feder, Griff und Verschluss und führen bisweilen zu kuriosen und häufig sehr schönen ästhetischen Ergebnissen. Während zum Beispiel heute fast ausschließlich sogenannte Pufferfedern verwendet werden, gab es vor allem bei den frühen Modellen Blattfedern: einteilig, zweiteilig, mit Gelenk, aufgerollt oder pinzettförmig und Spiralfedern.

Fast ebenso vielfältig ist die Konstruktion der Verschlüsse: vom einfachen Lederband bis zum gefederten Schnappverschluss. Besonders schmerzhaft können dabei jedoch unpraktische Lösungen der unteren Griffenden sein: wenn sie zu nahe beieinander stehen besteht die Gefahr, den Handballen bei der Arbeit einzuklemmen.

Die Griffe sind zuweilen ergonomisch geformt, aufwendig verziert oder mit Holz- oder Hornauflagen versehen. Letzteres, damit bei Arbeiten in winterlicher Kälte die Schere angenehmer in der Hand liegt.

Die unterschiedlichen Klingenformen resultierten aus den verschiedenen Arbeitsanforderungen an die Schere. Einfachere Scheren hatten nur eine schneidende Klinge und eine stumpfe Gegenklinge, bei aufwändigeren Scheren war auch die Gegenklinge schneidend ausgestaltet. Für dickere Äste waren sie papageienschnabelförmig, zur Traubenlese spitz ausgezogen.

Gießkannen

Gießkannen, wie wir sie heute kennen, kamen ab etwa 1850 allgemeiner in Gebrauch. Ältere Stücke sind ausgesprochen selten und museal. Nachweise für Gießkannen gibt es bereits seit Anfang des 18. Jh… Noch weiter zuvor wurde aus Töpfen, Kübeln, Kannen oder Krügen, die im Regelfall aus Ton waren, gewässert und es gab sogar spezielle Gießtöpfe mit durchlöchertem Boden.

Unsere “heutigen” antiken Gießkannen aus Metall lassen sich generell zwei verschiedenen Grundformen zuordnen:
der sogenannten “Englischen Form” mit rundem Korpus, Querbügel und hinterer Handhabe und
der “Französischen Form” mit ovalem Korpus und durchgehendem Längsbügel.

Die eher unpraktische Form mit rundem Korpus und Querbügel ist möglicherweise auf die Entwicklung aus Eimern zurückzuführen. Die ovale Form ist dagegen eine konsequente Verbesserung der Gießkanne. Man kann die schweren Kannen leichter, weil näher am Körper tragen und man kann auch mit einer Hand gießen.

“Die gute Schneiderkanne”

Die Schneider Gießkanne oder einfach Schneiderkanne gilt als Inbegriff der nostalgischen Metall – Gießkanne. Die Firma Schneider produzierte diese vollverzinkten Gießkannen seit 1876 in Stuttgart – Feuerbach.

Da sie sich im Laufe der Jahrzehnte sowohl formal veränderten als auch in zahlreichen Größenvariationen und Spezialformen hergestellt wurden, sind sie zu einem eigenen Sammelgebiet avanciert. Die ältesten Kannen tragen geprägte Messingmarken, in der nächsten Generation ab etwa 1910 wurde die ovale Marke in das Stahlblech eingeprägt. Bis 1949 trugen sie den eingeprägten gebogenen Schriftzug “Schneiderkanne” und danach schließlich den gestreckten Schriftzug. Besonders bei Sammlern gesucht sind natürlich die ältesten Kannen, sowie ausgefallene Größen, die entweder besonders klein (1,5 oder 4 Liter) oder besonders groß (13, 14, 15, 16 Liter) sind.

Ausgesprochen beliebt aber selten, sind natürlich auch die Spezialformen wie Gewächshauskannen oder Hängebrettkannen. Mit Füllmengen von 2,5 – 4,5 Litern und dem sehr langen Gießrohr, sind sie ausgesprochen handlich und die Löffelbrausen mit haarfeinem Sieb sind ideal für die Anzucht von Keimlingen. Das lange Gießrohr erlaubt auch ein Bewässern in den hinteren Bereichen des Pflanztisches, bei Balkonpflanzen oder Topfpflanzen in zweiter Reihe.

Leider werden die Schneiderkannen, die als Krönung der Gießkannen gelten und wegen ihrer unverwüstlichen Robustheit auch auf fast jedem Friedhof zu finden waren, seit 1989 nicht mehr von Schneider hergestellt. Trotz ihrer hervorragenden technischen Eigenschaften und ihrer ästhetischen Qualität waren sie dem Konkurrenzdruck der grünen Plastikkannen für DM 2,50 nicht mehr gewachsen, zumal auch die Qualität nicht nur preislich “ins Gewicht fiel”. Erst mit dem erneuten Aufblühen der Gartenkultur seit Ende der 1990er Jahre hat ein Umdenken eingesetzt.

Wer im Keller, Gartenschuppen oder auf Flohmärkten antike Gartengeräte findet, und diese nicht zur Dekoration verwenden, sondern auch benutzen möchte, sollte einiges beachten:
Stark verrostete Gegenstände zu restaurieren, ist eine aufwändige und schmutzige Arbeit und erfordert eine ziemliche Menge einer ganz bestimmten Substanz: “Armschmalz”. Diese ist im Handel nicht zu erwerben, sondern beschreibt schlicht und ergreifend den Arbeitsaufwand und die damit verbundene Anstrengung.

Bei allen schneidenden Werkzeugen sollte man darauf achten, dass die Klingen nach der Restaurierung von alten Gartengeräten nicht zu grob verschliffen sind oder dunkle “blaue” Verfärbungen (Ausglühungen) zeigen. In diesen Fällen wären neue Schliffe oft zu aufwändig bzw. sinnlos.

Bei Gartenscheren bzw. Rosenscheren sollten die Klingen noch sauber schließen und die Verschlussschraube nicht durch Hammerschläge verformt sein, was ein Zerlegen der Schere unwiderruflich verhindern würde. Vor dem Lösen der Schraube wird sie mit Ballistol eingesprüht, dies unterkriecht den Rost und löst sie.

Generell gilt: Weniger ist oft mehr – Die Patina der Stücke sollte erhalten bleiben! Eine gleichmäßige Dunkelfärbung der Gartenscheren ist z.B. keine Verschmutzung sondern eine sogenannte “Brünierung”, die vor Korrosion schützt. Viele Holzgriffe von Gartengeräten haben durch den jahrzehntelangen Gebrauch eine natürliche Politur. Diese gehört ebenso zum Charme der antiken Gartenwerkzeuge, wie auch Baumwachsreste an alten Gartenmessern. Besonders schöne alte oder datierte Stücke sollten generell nicht zur Benutzung restauriert, sondern nur als Anschauungsobjekte konserviert werden. Für jeden, der mit alten Gartengeräten, vielleicht sogar Familienerbstücken arbeitet, wird Gartenkultur und ihre Geschichte somit im wahrsten Sinne des Wortes greifbar.

Alle Metallteile werden mit Ballistol eingesprüht. Dieses Wundermittel gibt es bereits seit 1904 und wurde für das Militär zur Waffenpflege und zur Behandlung kleiner Hautverletzungen entwickelt. Die Basis ist ein reines Weißöl, deshalb ist es auch im Gegensatz zu vielen anderen Produkten, biologisch voll abbaubar und umweltverträglich. Eine 2%ige Verdünnung mit Wasser ist sogar als Mittel gegen Blattläuse zugelassen und effektiv. Wegen der hohen Ergiebigkeit und der einfachen Anwendung mit unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten empfiehlt sich hier das Spray.

Alle Holzteile werden mit einer 50:50 Mischung von Leinöl und Terpentinersatz gepflegt. Leinöl ergibt eine schöne glatte Oberfläche und der Terpentinersatz ermöglicht ein tieferes Eindringen in das Holz. Verwendete Lappen dürfen jedoch nicht zusammengefaltet oder –geknüllt an der Luft gelagert werden (Selbstentzündungsgefahr!). Am zweckmäßigsten bewahrt man sie in einer geschlossenen Dose oder einem verschließbaren Glas auf.

Fotos der alten Werkzeuge und alter Katalogseiten wurden uns mit freundlicher Genehmigung von der Firma Blickfang: Alte Zeiten – www.blickfang-alte-zeiten.de zur Verfügung gestellt.