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14 Tage Jamlitz – eine Bilanz

Bei 32° C. kommen die Zistrosen so richtig zur Wirkung. Das heißt, eigentlich zum zweiten Mal, denn Ende Mai blühten sie üppig. Nun, in der Hitze hat ihr Laub seine große Zeit, es schwitzt seine ätherischen Öle aus. Irgendwo, irgendwann las ich, dass im mediterranen Raum Schafe durch die Zistrosenmacchia getrieben wurden. In ihrer Wolle blieb das Duft-Öl hängen und konnte nach der Schur herausdestilliert werden.

Die Zistrosen in Jamlitz (Cistus laurifolius) sind hart im Nehmen. Mehr als die winterliche Kälte scheint ihnen aber die diesjährige Trockenheit zuzusetzen. Der übliche Blattwechsel vollzieht sich etwas intensiver als in anderen Jahren, d.h. mehr Blätter werden gelb.

Apropos Trockenheit: Die Roggenernte verspricht sehr mager auszufallen. Roggen ist hier das wichtigste, eigentlich einzige Getreide. Die Felder sehen dürftig aus. Der Mais, für Silage und Biogas, wird bewässert. Das scheint sich noch zu lohnen. Gleichzeitig brennen die Kiefernwälder.

Auch der Garten sieht schrecklich aus. Erst der späte Märzwinter, dann ein übertrieben warmes und trockenes Frühjahr und nun Hitze ohne Regen. Alles in allem: sehr pflanzenunfreundlich. Und so sehen sie aus: Viele sind gar nicht mehr vorhanden oder haben sich in den Boden zurückgezogen. Andere schrumpeln vor sich hin.

Aber einigen Stauden scheint die Witterung überhaupt nichts auszumachen. Die Taglilien, gerade blüht noch Hemerocallis citrina, stehen voll im Saft. Jetzt hat die Sorte „Sammy Russel“ zu blühen begonnen, und die „Augustfreude“ macht den Eindruck, schon Mitte Juli blühen zu wollen.

Die von mir sehr geschätzten Amplifolia-Phloxe verhalten sich unterschiedlich. Liegt es an den einzelnen Individuen oder am Standort? Aus den Schimana-Sorten entstanden zwischenzeitlich zahlreiche Farbnuancen, die sich eben nicht einheitlich verhalten. Einer Staude, von der man meint, sie gehöre eigentlich in den Sumpf, die Rede ist von der „Johanniswolke“, Aconogonon spec. Johanniswolke, hat die trockene Hitze nicht das Geringste ausgemacht, wohl aber ein heftiger Sturm, der ihre Schönheit völlig zerzaust hat.  So ist es auch den Glockenblumen ergangen. Campanula persicifolia haben sich, auch mit meiner Hilfe, reichlich ausgesamt. Leider hat sie der Sturm zum großen Teil umgebogen oder abgebrochen.

Völlig unbeschadet gehen die Gräser aus dem Witterungselend  hervor. Überwiegend Steppenpflanzen, gefällt ihnen die Situation. Geradezu nach Hitze und Licht schreit das Graublau eines Strandhafers, Ammophila breviligulata. Es gibt daneben den heimischen Strandhafer, der wegen seiner Wuchereigenschaften für Gärten nicht zu empfehlen ist.  Auch der Steppenwolfsmilch, Euphorbia seguieriana ssp. niciciana, merkt man an, dass sie an heiße, trockene Sommer angepasst ist. Im Halbschatten unter den Nussbäumen erfreuen sich die verschiedenen Epimedien ihres Daseins  wie auch der Salomomsiegel, der sich im Bedarfsfall in seine dicken Knollen zurückziehen kann.  Das gilt auch für die herrlichen japanischen  Tigerlilien, Lilium lancifolium, die in Kürze aufblühen werden. Ihre Stiele, Blätter und Knospen  versprechen allen Unbilden zu widerstehen.

Nun aber zu den Stauden, die wirklich sehr leiden. Das sind vor allem die Astern.  Aster divaricatus am halbsonnigen Waldrand gepflanzt, hat sich zu einer beachtlichen Fläche ausgebreitet. Ihre Blätter hängen schlaff, versprechen aber, sich beim nächsten Regen wieder zu glätten. Ob das den Raublattastern gelingt, ist fraglich. Den Glattblattastern und Verwandten macht die Trockenheit nichts.

Nun könnte man sich ja auf solche Sommer einrichten. Wenn sie sich mit einer gewissen Garantie wiederholten. Die ist aber keinesfalls gegeben. Der Klimawandel weiß noch nicht, wo es langgehen soll. Die einzige Sicherheit der Gärtner, Bauern und Förster ist die völlige Witterungs-Ungewissheit.


Text und Fotos: Christian Seiffert