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Von Mönchspfeffer, Zitronenverbene und Verwandtschaft

Von Duft keine Spur! Die ersten Verbenen-Bekanntschaften vollzogen sich in Weihenstephan: Verbena bonariensis, zwischen Stauden, hoch hinausragend, in den 70er Jahren noch eine Neuigkeit.

Inzwischen wird diese nicht ganz winterharte Staude aus Argentinien (bonariensis = Buenos Aires = gute Luft!) auf jeder Gartenschau verwendet. Und sie hat wirklich ganz besondere Reize: ihre violetten, gedrungenen Blütenähren, die vom Sommer bis tief in den Herbst blühen, an fast blattlosen Stielen, bis zu 1 m hoch. Und zu jeder Verbenenähre gehört mindestens ein Schmetterling. Die Falter werden vom Violett und dem Nektar magisch angezogen, was widerlegt, Exoten seien „wertlos“, weil sie unserer Tierwelt nichts böten!

Die professionellen Gärtner säen Verbena bonariensis im März aus und pflanzen sie im Mai. Man kann sie aber auch – so bei mir – vor dem Dauerfrost ausgraben und wie Dahlien überwintern. Das hat den Vorteil einer sehr viel früheren Blüte. Auch lassen sich im zeitigen Frühjahr leicht Stecklinge machen, in feuchtem Sand. Sie blühen ebenfalls früher als Sämlinge. In milden Weinbaugebieten freilich ist das alles nicht notwendig, denn dort überwintern sie im Freien.

Botanisches und Verwandtschaftliches

Eine Überraschung erlebt man bei der Lektüre in Botanikbüchern: Die allernächste Verwandtschaft der Verbenen sind die Lippenblütler! Vielfach sind sie kaum zu unterscheiden, z.B. der vierkantige Stiel. Als ein verbindendes Kriterium wird hervorgehoben, dass beide Familien zahlreiche hocharomatische Familienmitglieder haben. Wie das? Bei Verbena bonariensis und den üblichen Gartenhybriden ist davon nichts zu merken. Das sieht etwas anders aus, wenn man einige Gehölze anfasst, die zur Verbenenfamilie gehören.

In unseren Gärten und Wintergärten sind es vor allem die Zitronenverbene, Aloysia triphylla; die Bartblume, Caryopteris x cladonensis; das Wandelröschen, Lantana montevidensis; und der Mönchspfeffer, bzw. das Keuschkraut Vitex agnus castus. In einem unterscheiden sich Lippenblütler und Verbenen: Die Lippenblütler sind überwiegend Kräuter, bzw. Halbsträucher der gemäßigten Zonen, während die Verbenen aus den Tropen, Subtropen und dem mediterranen Klima kommen und überwiegend Gehölze sind. Eine Ausname bildet das heimische Echte Eisenkraut, Verbena officinalis. Eisenkraut hat man es genannt, weil man mit seiner Hilfe Wunden heilte, die durch eiserne Waffen entstanden.

Lippia und Aloysia – zwei Gattungen oder eine?

In alten Katalogen steht sie noch unter Lippia citriodora. Schaut man heute im „Zander“ nach, dem Handwörterbuch der Pflanzennamen, so findet man die Gattung Lippia überhaupt nicht mehr. Die Arten gehören heute entweder zur Gattung Phyla oder zu Aloysia. Solche Umbenennungen sind für Gärtner und Apotheker ein Übel, für Botaniker aber unabwendbar.

In frostfreien oder frostarmen Regionen wächst die Zitronenverbene zu einem 3 bis 6 m hohen Baum heran. Ihr Laub duftet intensiv nach Zitrone. Und so macht man aus getrockneten Blättern, besser aber aus den frisch geernteten, einen wunderbaren Tee. Wir verwenden Zitronenverbene gern zusammen mit etwas Pfefferminze und Salbei, alles frisch aus dem Garten. Beim Aufbrühen behält die Verbene übrigens ihr zitroniges Aroma, im Unterschied zur Zitronenmelisse!

Aloysia triphylla kommt aus Argentinien und Chile. Im Mittelmeergebiet ist sie ein Zier- oder Teegehölz – bei uns leider nur eine Kübelpflanze. Da sie aber im Spätherbst, wenn man sie lange genug im Freien lässt, ihr Laub verliert und man sie praktischer Weise dann zurückschneidet, ist sie einfach zu überwintern. Zu überlegen ist, ob man sie nicht auspflanzen sollte, gut verpackt. Im Frühjahr kann man sie ja zurückschneiden, wie Perowskia, Fuchsia oder Buddleja. Man sollte es einmal versuchen.

Bei diesem so wunderbar aromatischen Gehölz duften übrigens die im Spätsommer erscheinenden Blüten köstlich. Beides zusammen ergibt eine edle Komposition, etwa so, wie wir es vom blühenden Buchs kennen.

Der Mönchspfeffer

Endlich nun ein Verbenengewächs aus der Alten Welt, aus dem Mittelmeerraum. Es trägt den schönen Namen Vitex agnus-castus. Dabei erinnert Vitex an Vitis (Wein), das hat etwas mit der Biegsamkeit der Zweige dieses Baumes zu tun. Und agnus-castus heißt keusches Lamm. Nicht von Ungefähr trägt dieser Strauch diesen Namen. Tatsächlich haben die Mönche des Mittelalters durch den Verzehr der pfeffrig schmeckenden Samen ihre sexuellen Triebe gedrosselt. Der Mönchspfeffer galt als Anaphrodisiacum, und das ist das Gegenteil eines Aphrodisiacums.
Die handartig gefiederten Blätter von Vitex haben einen nach meinem Empfinden unangenehm stumpfen Geruch. Angenehm duften dagegen die Blüten, die sich wie bei Caryopteris auch erst im September öffnen.

Die Herkunft aus dem Mittelmeerraum verrät uns, dass es nicht ganz einfach ist, dieses Gehölz schadlos durch den Winter zu bringen. Auf jeden Fall sollte man Vitex im unteren Stammbereich mit Laub oder Stroh verpacken. Friert der Mönchspfeffer dann oberirdisch ab, treibt er doch wieder durch. Ein wahres Wunder an Vitex agnus-castus steht auf dem Kalkberg in der Staudengärtnerei Gaissmayer in Illertissen. Ganz in der Nähe wächst und gedeiht eine weiteres mediterranes Gehölz: Cistus laurifolius. Es scheint, als ob das Kalkgestein die Wintertemperaturen etwas abmildert!

Die Bartblume oder Caryopteris x cladonensis

Sie gehört leider oft genug zu den Wegwerfpflanzen. Denn heutzutage wird ja nur noch verkauft, was gerade blüht. Caryopteris x cladonensis, ein Gehölz, blüht aber erst im September/Oktober. Die nicht ganz winterharte Bartblume hat aber dann keine Chance mehr, sich im Garten zu etablieren und ausreichend Wurzeln zu bilden. Im kommenden Frühjahr ist sie erfroren und muss auf den Kompost.

Bartblumen müssen darum im Frühling gepflanzt werden. Sie mögen einen durchlässigen, also nicht zu schweren Boden, schwach sauer bis leicht alkalisch. Caryopteris vertragen trockenen Boden genauso wie frischen.
Hat die Bartblume Fuß gefasst, ist sie ein zauberhafter Herbstblüher mit einem kräftigen, leicht ins Violett tendierenden Blau. Die Blätter dieses Verbenen-Gewächses sind dunkelgrün, auf der Unterseite graugrün. Reibt man die Blätter, dann duften sie angenehm herbaromatisch.

Ein „Unkraut“ aus dem tropischen Amerika

Das Wandelröschen ist bei uns seit der Renaissance beliebt. Nicht zu unrecht: Seine Fähigkeit, die Blütenfarbe je nach Alter der Blüte zu wechseln, bietet eine lustigen Anblick. Und es ist eine willige Kalthauspflanze. Je nach dem, wie es im Herbst gegossen wird, verliert es sein Laub oder behält es bis zum Frühjahr. Was das Laub anbelangt, so gehen von ihm bemerkenswerte Nasenreize aus. Herb-exotisch, oder fremdartig, so könnte man den Blattgeruch bezeichnen.

Lantana camara, eine der 150 Arten dieser Gattung verfärbt seine Blüten besonders schön und gehört darum zu den Stammeltern der inzwischen zahlreichen Hybriden. Als wahre Unkräuter verhalten sich die Lantanen, wenn sie in andere tropische Länder verschleppt werden.

In Äthiopien sind ganze Berghänge voll davon. Natürlich erst, nachdem die ursprüngliche Vegetation durch die Menschen vernichtet worden war. Auf Hawaii war es genauso, die Vögel verbreiteten die Samen über die ganze Insel. Erst als man aus Mexiko eine Fliege einführte, die sich in den Samen von Lantanen entwickelt, wurde man dieser Pflanze wieder Herr – Unkrautvernichtung durch Nützlinge!