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Silberkerzen

Der ideale Ort, um Stauden kennen zu lernen, war und ist der Staudensichtungsgarten in Weihenstephan. Ich glaube, es war auf einem der wunderbaren Gartenspaziergänge mit Richard Hansen: Silberkerzen im Eichenhain.

Die weißen Kerzen im Schummerlicht der Gehölze oder am Rande von Gehölzen, in der Nachbarschaft von Eisenhut. Etwas absolut Neues für mich, in Brandenburg war es dafür immer zu trocken. Erstaunen darüber, dass es vom Hochsommer bis weit in den Oktober hinein Silberkerzen gibt. Eine Welt galt es zu entdecken!

Namenwirrwarr und Namenhintergründe

Botaniker nannten die Gattung der Silberkerzen lange Zeit Cimicifuga. Ob dies ein neuerer (Linné) oder älterer Name (lateinischer Herkunft) ist, kann ich meiner Literatur nicht entnehmen. Auf jeden Fall leitet er sich ab vom lateinischen Cimex = Wanze und von fugare = in die Flucht schlagen.

Der Name entstand in Europa, und da gab es die osteuropäische Cimicifuga foetida, also die stinkende Cimicifuge! Sie wurde im Volksmund Wanzenkraut genannt. Im neuen „Jelitto, Schacht, Simon“ schreibt Hermann Müssel, dass die Pflanze seit alters her getrocknet und in Kissen und Polster gefüllt wurde, um die Wanzen zu vertreiben. Ob die anderen Arten aus Ostasien und Nordamerika ähnlichen Zwecken dienten? Ausprobieren wollen wir es lieber nicht.

Inzwischen existiert der Name Cimicifuga nur noch in älterer Literatur oder in gärtnerischen Büchern. Gärtner lassen sich mit Recht nicht von heut auf morgen einen neuen Namen aufdrängen! Die ganze Gattung wurde nämlich den Actaeen zugerechnet, und das botanisch sicher aus gutem Grund. Actaea sind die Christophskräuter. Schauen wir uns das heimische genauer an, es wächst vor allem in süddeutschen Laubwäldern, so ist die Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen: eine etwas verkrüppelte Miniaturausgabe der Silberkerze.

Näheres zu den Christophskräutern

Die heimische Art Actaea spicata soll früher als Mittel gegen die Pest gedient haben. Der hl. Christopherus war der Schutzpatron gegen die Pest. Andererseits war er auch der Patron der Zauberer und Schatzgräber! Diese bei uns vorkommende Art blüht weiß und hat später schwarze Beeren.

Zwei weitere Arten kommen aus Kanada, Alaska, den USA. Actaea pachypoda trägt weiße Früchte, Actaea rubra rote Früchte. Für den Garten attraktiv und in Staudengärtnereien zu bekommen sind vor allem die nordamerikanischen Arten.

Was die Düfte der Christophskräuter anbelangt, so sind wir für Ihre Duft- oder Geruchserfahrungen dankbar. Plinius soll es (natürlich das europäische) als stark riechendes Kraut bezeichnet haben.

Und wieder die Silberkerzen

Was ihre Düfte anbelangt, so sind sie ein Beweis für das sehr unterschiedliche Geruchsempfinden einzelner Menschen. Die einen fühlen sich wie die Wanzen, werden vom Geruch vertrieben, die anderen empfinden ihn als Wohlgeruch. Der Geruch ist animalisch-schwer, kann durchaus auch stinkend sein. Müssel schreibt über die Juli-Silberkerze (Cimicifuga racemosa), sie sei widerlich duftend! Der Duft-Plenzat wird von ihrem „feinen Duft etwas an die Linde erinnert“!

Die September-Silberkerze (Cimicifuga ramosa), so schreibt Müssel, hat einen kräftigen, angenehmen Duft, auch Hansen schließt sich diesem Urteil an, während sie bei Plenzat gar nicht vorkommt. Die Oktober-Silberkerzen (Cimicifuga simplex-Gruppe) duften ebenfalls.

Die Ansprüche der Silberkerzen

Die Cimicifuga-Arten und -Sorten sind Wald- und Waldrandpflanzen. Entsprechend sollten sie zwischen Gehölze gepflanzt werden oder an einen nur zeitweilig sonnigen Gehölzrand. Sie lieben einen humosen, frischen Boden. Und sie honorieren, wenn man sie viele Jahre in Ruhe wachsen lässt. Sie brauchen viel Zeit um sich richtig entwickeln zu können. Die Konkurrenz der Nachbarschaft bremst man besser, Freiraum tut der Silberkerze gut.