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Paeonien – Pfingstrosen

Mein Vater liebte die Paeonien mit den Malernamen. Schließlich war er selber Maler. Aber die Namen dieser Schönheiten werden nicht der alleinige Grund gewesen sein, warum sie im „Lustgarten“ standen. Es war vor allem ihre einfache, offene Blüte, die Leichtigkeit ihrer Erscheinung.

'Angelika Kaufmann', 'Dürer', 'Hogarth', 'Holbein', das alles sind Paeonia lactiflora-Sorten, die in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg von dem nicht mehr existierenden Betrieb Goos & Koenemannn in Niederwalluf gezüchtet worden waren. Niederwalluf liegt am Rhein zwischen Wiesbaden und Mainz. Goss & Koenemann waren, man kann ruhig sagen die einzigen in Deutschland, die sich um Pfingstrosen kümmerten. Lange Zeit waren französische und englische, später amerikanische Züchter fast allein tonangebend.

Paeonien in der freien Natur

Wenn man der Paeonia officinalis in der Natur begegnet, überrascht die Größe ihrer Blüte. Wildstauden in der Natur, so meint man, haben zierlich zu sein. Doch was da oben in 600 bis 1000 m über dem Gardasee am Gehölzrand dunkelrosa (hellkarmin) leuchtet, das ist schon gewaltig. Man braucht aber einiges Glück, um Monate später (keine Blüte leuchtet mehr als Signal) die selben Stellen wieder zu finden und ein paar Samen mitzunehmen. Ende der 70er Jahre gelang es mir.

Ein Korn keimte und wurde zur Stamm-Mutter in unserem Garten, von der es inzwischen Enkel und Urenkel gibt. Pflanzt man ein solches Naturkind in einen altgedüngten Gartenboden, dann geht es entweder an Überernährung ein, oder es entwickelt sich überdimensional. Während z.B. Lilium bulbiferum nach ein paar Anzuchtjahren endlich blühten, im Jahr nach der Blüte aber nicht mehr auffindbar waren, hat die Paeonia officinalis nun ein Alter von 25 Jahren.

Mit einer kurzen Unterbrechung: Die Pilzkrankheit Botrytis paeoniae brachte sie fast um. Inzwischen hat sie sich davon längst erholt. Ein Pflanzenschutztipp: Die Paeonie ausgraben, alles Kranke abschneiden, die Wunden mit Holzkohle und Holzasche behandelt und die etwas amputierte Staude an einem neuen Platz auspflanzen! Übrigens treiben die Wurzelreste am alten Standort meist wieder aus!

Paeonia officinalis 'Rubra Plena'

Die Paeonia officinalis ist seit der Antike als Heilpflanze verwendet worden. Sie ist also einige tausend Jahre in der Obhut des Menschen. Im Laufe dieser Zeit sind gefüllte Sorten entstanden. Sorten, bei denen sich die Staubgefäße in Blütenblätter verwandelt haben.

Für ihre Verbreitung kann nur der Mensch durch Teilen sorgen. Samen bilden sie nur, wenn einfach blühende Paeonien zur selben Zeit blühen und Pollen liefern. Die alten Paeonia officinalisKultursorten sind 'Rubra Plena', die wohl bekannteste und am häufigsten verwendete Paeonie. Genauso schön, aber weniger oft zu sehen sind 'Alba Plena' (weiß gefüllt) und 'Rosea Plena' (rosa gefüllt). Zart rosa und beim Erblühen weiß werdend ist die Sorte 'Mutabilis Plena'.

Und nun die Düfte der Paeonien

Wer nicht glaubt, dass diese gefüllten Sorten aus Paeonia officinalis entstanden sind, der muss einmal die Nase in die Blüten stecken. Der Geruch von Wildart und Sorten ist identisch. Gewiss keine Duftfreude im üblichen Sinne, aber sehr typisch für viele europäische Arten: ein stumpfer, erdiger Geruch, der mich immer an übernächtigte Zigarrenreste erinnert.

Wirklich liebliche Düfte dagegen findet man bei den schier unendlich vielen Sorten, die aus der Art Paeonia lactiflora entstanden sind. Diese aus Ostsibirien und China kommende Art gehört zum alten Kulturgut der Chinesen und Japaner, so wie Paeonia officinalis bei den Europäern.

Ende Mai 2003 waren Dieter Gaissmayer und ich in Laufen in der Staudengärtnerei Gräfin Zeppelin, um einige Gerüche und Düfte bei Iris und Paeonien zu registrieren: Die Paeonien (meist Lactiflora-Hybriden) erwiesen sich als sehr unterschiedlich im Duft, auch waren, wie üblich, unsere Meinungen nicht immer gleich. Es gibt eine ganze Menge Sorten, die nicht oder nicht nennenswert duften.

Die Hybridsorte 'Gay Cavalier' roch, so empfand es Dieter Gaissmayer, nach Räuchermakrele, auch 'Paula Fay' wurde von uns als „fischig“ empfunden. Nun soll das keine Verurteilung von Sorten sein. Vielleicht lag es daran, dass diese beiden Sorten schon etwas am Verblühen waren.

Aber wir haben auch zwei Sorten „herausgerochen“, die wegen ihres besonders intensiven Duftes namenlich genannt werden sollen: 'Dawn Pink' (rosa, gelbe Staubblätter, einfach, Duft: blumig, frisch, säuerlich) und 'Neon' (rosa, einfach, Duft: frisch, säuerlich).

Viele bemerkenswerte duftende Paeonia lactiflora – Sorten findet man bei Dieter Gaissmayer in Illertissen. Dabei fällt auf, dass vor allem die gefüllten Sorten intensiv duften. Zum Beispiel 'Festiva Maxima' (weiß gefüllt), 'Inspecteur Lavergne' (karminrot gefüllt), 'Sarah Bernhardt' (hellrosa gefüllt) und 'Edulis Superba' (reinrosa mit lila gefüllt).

Die beiden zuletzt genannten Sorten kommen aus der berühmten französischen Züchterdynastie Lemoine. Die Sorte 'Edulis Superba' war im vorigen Jahr einer unserer absoluten Duftfavoriten. Ihr Duft: Frisch, süß, säuerlich.