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Goldlack

Als ich 1981 Anfang Mai Gärten im Süden Englands besuchte, hatte ich den englischen Pflanzennamen „Wallflower“ im Kopf. Mauerblume! Aber wo fand ich die Wallflowers? In Massen auf Schaubeeten ausgepflanzt zusammen mit gelben und roten Triumph -Tulpen. Dazwischen also Goldlack in all seinen Farbtönen, von hellem Gelb bis zum Braunrot. Eine öffentliche Anlage.

Die Goldlacke werden also nach der Blüte kompostiert und die Tulpenzwiebeln, falls man es gut mit ihnen meint, herausgenommen und bis zum Herbst trocken aufbewahrt. Solche Anlagen werden ja bekanntlich anschließend mit verschiedenen Sommerblumen bepflanzt.

Auf der selben Reise entdeckte ich dann aber doch noch richtige Wallflower. Hoch oben in einer Burgruine leuchtete es gelb. An mehreren Stellen zwischen dem Kalkgemäuer wuchsen und blühten Goldlacke. So also wollen sie es haben! Im Schutz einer Mauer, mit sparsamstem, mageren Boden. Wahrscheinlich dringen sie mit den Wurzeln tief ins Mauerwerk ein.

Zu schade zum Wegwerfen!

Wenn man Wechselpflanzungen in den Frühlingsmonaten damit bepflanzt, ist der Wegwurf unumgänglich. Im Garten aber finden sich Stellen, die dem englischen Ruinenstandort entsprechen.

In magerem, trockenen Boden mit einer Mauer im Rücken halten sie auch bei kräftigeren Wintern durch und werden mehrere Jahre alt. Sie samen sich auch selber aus. Sämlinge, die dicht genug an der Wand stehen, werden groß und alt, jene, die sich zu weit weg davon ansiedeln, haben kaum eine Chance, den nächsten Winter zu überstehen. Eingefügt sei hier, dass unser Löwenmaul genau die gleichen Ansprüche stellt. Kann man sie erfüllen, bleibt Löwenmaul als Halbstrauch jahrelang erhalten.

Die Anzucht

Goldlack und verwandte Arten werden im Mai/Juni auf ein sorgfältig vorbereitetes Saatbeet ausgesät – eventuell in das dann zum ersten Mal abgeerntete Frühbeet! Sind die Pflänzchen 5 bis 8 cm groß, pflanzt man sie entweder an Ort und Stelle aus, oder, – in härteren Klimazonen – in Töpfe, die im Frühbeet überwintert werden. Im März/April kommen sie dann ins Freiland.

Unter den Saatmischungen sind manchmal besonders schöne Exemplare. Um sie zu erhalten und zu vermehren, kann man Stecklinge von halbreifen nicht blühenden Trieben machen.

Herkunft und Name

Cheiranthus cheiri L., so hieß der Goldlack offiziell und wissenschaftlich bislang. Der Name kam aus dem Arabischen, kairi oder kheyry ist eine wohlriechende Pflanze. Und Anthios ist im Griechischen die Blüte. Seit einiger Zeit ist dieser Name nicht mehr gültig.

Jetzt heißt der Goldlack Erysimum cheiri , was die nahe Verwandtschaft zum Schöterich oder Schotendotter deutlich macht.

Interessant sind auch die deutschen Namen: Wegen seines intensiven süßen, an Veilchen erinnernden Duftes hielt man auch ihn im Altertum für eine Art Veilchen. Das findet Ausdruck in vielen deutschen Namen, wie „gelbe Violen“, Feigl“, „Stammviole“ oder „Garveiel“. „Baurenveigel“ hieß er (oder heißt er noch?) in Schwaben. Aber es gibt in deutschen Landes auch den Namen Mauerblume oder Muurbloem, also auch bei uns Wallflower! Und der Name Goldlack? Er leitet sich von den goldglänzenden Blüten ab.

Da wären z.B. „Lackstock“, „Güldener Lack“ oder das „Lackveigl“.
Zur Herkunft: Es heißt der Ursprung liegt in der Türkei und in Syrien. Von dort aus haben die Menschen den Goldlack über Südeuropa bis nach Westeuropa gebracht. In Regionen mit wintermildem Klima und kalkigem Untergrund, wie England, Frankreich aber auch z. T. in Deutschland fühlt sich der Goldlack wie
zu Haus.

Zur Verwandtschaft

Der Goldlack ist ein Musterbeispiel für Duftintensität in einer ganzen Pflanzenfamilien. Der kurzlebige Schotendotter (Erysimum x allionii), das einjährige und das ausdauernde Silberblatt (Lunaria annua und Lunaria rediviva), die Nachtviole (Hesperis matronalis), das Bergsteinkraut (Alyssum montanum) und der Felsen-Steinrich (Alyssum saxatile) sind nur einige wenige Beispiele aus der großen Familie der Kreuzblütler. Auch landwirtschaftliche Nutzpflanzen gehören dazu und duften so intensiv, dass es schon fast stinkt.

Denken Sie nur an Raps und Rübsen oder an Senf. Neben dem Blütenduft machen sich viele Mitglieder dieser Familie auch durch intensiven Blatt- und Gewebegeruch bemerkbar: Kohl, Rettich, Meerrettich, und wieder auch Raps, Rübsen und Senf.

Zu guter Letzt sollten wir noch an ein paar wertvolle Polsterpflanzen denken, die auch zur Verwandtschaft gehören. In alphabetischer Reihenfolge: Arabis, die Gänsekresse, Aubretia, das Blaukissen, Iberis, die Schleifenblume.
Und wer ganz hoch hinaus will, der pflanzt eine Crambe. Riesenschleierkraut werden sie auch genannt, und damit ist schon viel gesagt. Crambe cordifolia, die herzblättrige Crambe wird bis zu 150 cm hoch, und ihre zahlreichen Blüten duften. Aber das dauert ein paar Jahre. Denn die oberirdische Substanz muss ja jedes Jahr auf’s Neue aufgebaut werden: jedes Jahr ein bisschen mehr. Crambe maritima, unser heimischer Meerkohl ist etwas bescheidener. Er wird nur bis 70 cm hoch. Der Name Crambe kommt aus dem Griechisch-Lateinischen. So wurde im mediterranen Raum eine Kohlart genannt.

Eine nicht ganz winterharte Goldlack-Hybride aus England blüht lila und bildet im Kübel einen hübschen Busch. Sie heißt ‘Bowles Mauve’, trägt apart graue Blätter und kann nur durch Stecklinge vermehrt werden.