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Lebensbereiche

von Michael Breckwoldt

Wer einen Garten einrichtet, sollte darüber nicht vergessen, dass Pflanzen sich nicht beliebig von einer in eine andere Ecke schieben lassen – anders als Möbel, Teppiche und Bilder in einem Haus. Das hat mit ihren speziellen Bedürfnissen zu tun.

Man nennt das auch „Standortansprüche“. Diese bringen die Pflanzen aus der Natur mit. Eine Seerose würde niemals mit einer Strauchrose an gleicher Stelle gedeihen. Das jeweilige Nässebedürfnis ist einfach zu unterschiedlich. Das leuchtet ein.

Schwieriger ist es, wenn es um Lichtverhältnisse, Trockenheitstoleranz und Nährstoffansprüche geht. Grob unterscheidet man Pflanzen, die gut im Schatten zurecht kommen, von anderen, die sich bei wechselnden Lichtverhältnissen am wohlsten fühlen und solchen, denen selbst die pralle Sonne nichts anhaben kann.

Dafür wurden in Anlehnung an die Verhältnisse in der Natur bestimmte Lebensbereiche formuliert. Das gilt vor allem für Stauden, also langlebige Gewächse, deren Gesundheit davon abhängt, dass sie sich an ihrem Standort wohlfühlen. Grund genug, sich mit den wichtigsten Lebensbereichen eingehender zu beschäftigen.

Waldstauden

Sie sind von Natur aus an das Schattenreich im Unterholz gewöhnt. Im Garten fühlen sie sich daher unter Bäumen wohl, die im Laufe der Jahre mächtige Kronen ausgebildet haben. Kühle Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit sind ihr Lebenselixier. Das finden sie in einer Umgebung, in der Blätter das Sonnenlicht filtern.

Aus den zersetzten Laubschichten saugen ihre Wurzeln Energie. Dazu brauchen sie ein lockeres, humoses Erdreich. Waldstauden sind an ihren häufig großen, dünnhäutigen Blättern zu erkennen. Farne, Elfenblumen, Funkien, Herbstanemonen, Haselwurz und Schaublätter (Rodgersia) gehören dazu.

Stauden für den Gehölzrand

Sie verwandeln den Übergang von Bäumen und großen Sträuchern zum angrenzenden Rasen in einen farbenreichen Blütensaum. Denn diese Pflanzen stellen sich gut auf wechselnde Lichtverhältnisse ein. Man spricht von Halbschatten oder lichtem Schatten, der für sie ideal ist.

An diesen Standorten sollen sie mindestens zwei Stunden täglich Sonne genießen können. Den Schatten eines entfernt stehenden Hauses hellt das sogenannte diffuse Licht für diese Pflanzen auch noch ausreichend auf. Storchschnabel, Frauenmantel, Günsel und Astilben sind solche Wechselwähler.

Steppenstauden

ie stammen von teils flachgründigen, karstigen Böden. Bäume und hohe Sträucher gibt es an ihren Naturstandorten nicht. Diese nennt man daher auch Freiflächen. Typisch sind blumenreiche Schotterbeete und Halbtrockenrasen. Nährstoffe sind dort eher Mangelware. Dafür gibt es reichlich Sonne.

Viele dieser Staudenarten sind mittlerweile von Züchtern zu schönen Sorten entwickelt worden, die aber noch immer gut mit trockenen Böden zurecht kommen wie Sommersalbei, Kerzenehrenpreis, Purpursonnenhut, Katzenminze, Heiligenkraut, Lavendel und Königskerzen.

Beetstauden

Der Begriff macht schon klar, das ihr Lebensbereich in der Natur kein Vorbild hat, sondern im Grunde aus der gärtnerischen Retorte stammt. Durch langjährige Züchtung entstanden, finden sich in dieser Gruppe die größten und farbigsten Blütenformen. Deshalb nennt man sie auch Prachtstauden.

Von den optimalen Bedingungen verwöhnt, die ihnen im Laufe der Zeit gewährt wurden, wären sie ohne gärtnerische Hilfe hoffnungslos verloren. Beetstauden wollen als Individuen gehegt und gepflegt werden. Sie brauchen Sonne, den besten Boden, der frei von Unkraut ist und müssen regelmäßig gedüngt und gewässert werden. Wie alle Diven sind sie einfach unverzichtbar, die Rittersporne, Pfingstrosen, Astern, Taglilien, Sonnenhüte, Indianernesseln, Sonnenbräute und Sommerphloxe.


Text und Fotos: Michael Breckwoldt
Aus: Gärten gestalten, Gärten genießen
Verlag Ellert & Richter