Vom Zauber der Pflanzendüfte

Georg Effner

Georg Effner und der Zauber der Pflanzendüfte

Georg Effner ist gelernter Staudengärtner und studierte gemeinsam mit Dieter Gaißmayer an der FH Weihenstephan Gartenbau. Eine Verbindung und Freundschaft, die bis heute besteht und im Jahr 2018 zum gemeinsamen Projekt der Illertisser Aromakultur führte. Regelmäßig ist er deshalb zu Workshops bei uns auf der Illertisser Jungviehweide zu Gast.

Nach seiner Tätigkeit als Versuchstechniker am Institut für Zierpflanzenbau an der TU München und weiteren beruflichen Stationen widmete er sich in Eggenfelden 15 Jahre als Staudengärtner dem Spezialsortiment an Heil- und Gewürzpflanzen.
Als Destillateur verwirklicht er seit dem Jahr 2000 mit dem Projekt »Rottaler Aromaöle – ätherische Öle aus Bayern« seinen Traum, den heimischen Kräuteranbau mit der handwerklichen Öldestillation zu verbinden und führt uns ein in die spannende Welt der Pflanzendüfte.

Ein herzlicher Dank geht an Petra Pelz, die uns diesen interessanten Beitrag für das Gartenmagazin zur Verfügung gestellt hat.


Aroma was ist das eigentlich?

Der Begriff Aroma stammt aus dem Griechischen άρωμα und ist gleichbedeutend mit Duft oder Geschmack.

Den Geschmack oder das Aroma unserer Gemüse versehen wir mit Attributen wie süß, bitter, erdig, fruchtig oder würzig, hervorgerufen durch Kohlenstoffverbindungen aus der Stoffgruppe der cyclischen Aromaten, der Fettsäureester und Lactone. Wohlriechende Fruchtester hingegen sind eher flüchtige Verbindungen aus der Stoffgruppe der ätherischen Öle. Auch die aromatischen und duftenden Blumen und Gehölze unserer Gärten sind vielfach ätherisch-öl-haltige Pflanzen.

Im Folgenden wollen wir nun aus dem Blickwinkel des Gärtners und Botanikers einige dieser duftenden Schätze unserer Gärten betrachten.

Zunächst ein kleiner Exkurs in die Botanik zu den „Duftbehältern“ der Pflanzen:

Äußere Öldrüsen:

  • Drüsenhaare – an Blütenstängeln, Muskatellersalbei, Rosa rubiginosa
  • Drüsenschuppen – Asteraceae und Lamiaceae

Innere Öldrüsen:

  • Ölzellen – Lorbeergewächse, Pfeffer- und Zingibergewächse
  • Ölbehälter – Zitrus-, Johanniskraut- und Myrtengewächse
  • Ölgänge – Doldengewächse wie Anis, Dill, Engelwurz, Fenchel, Kümmel

 

Diese „Ölbehälter" befinden sich je nach Pflanzenart in verschiedenen Organen der Pflanzen:

  • bei den Familien der Lamiaceae, Asteraceae und Verbenengewächse finden wir sie auf der Blattunterseite, an Stängeln und an Kelchblättern.
  • bei Doldenblütlern (Apiaceae) vorwiegend in Wurzeln und Samen
  • bei Koniferen in Nadeln und in Harzgängen des Holzes und der Borke
  • bei Citrus-Arten in den Schalen der Früchte, aber auch in Blättern und Blüten (Neroli)

Lavendel, die wohl bekannteste Duftpflanze

Die wohl größte Gruppe der aromatischen Pflanzen unserer Gärten sind mediterrane Kräuter und Stauden, die meisten gehören zur Familie der Lamiaceae.

Diese Lippenblütler bilden oberflächennahe Drüsenschuppen an ihren Blättern, Blütenstängeln und Kelchblättern aus, so dass wir ihren Duft durch Berühren förmlich „erspüren" können (Kontaktdufter).

Jeder Stängel des Lavendel ist mit zahlreichen walzenförmigen Blütenkelchen besetzt, aus deren Kopfende die lila Blütenblätter ragen.

Nur an diesen Kelchblättern sitzen, von einem dichten Haarfilz geschützt, die zahlreichen Drüsenschuppen, die das ätherische Öl enthalten.

Die elektronenmikroskopischen Aufnahmen zeigen die prallen, etwa 0,05 mm großen, ölgefüllten Drüsenschuppen auf der Oberfläche der Blütenkelche von Lavandula angustifolia L.


REM Aufnahmen Dr. Reinhard Hemmer

Dufte aromatische Kräuter

Diese Ausprägung der Drüsenschuppen an Kelchblättern finden wir bei nahezu allen unseren aromatischen Kräutern wie Basilikum, Bohnenkraut, Majoran, Origanum, Rosmarin, Salbei, Ysop, bei diversen Thymianarten und Minzen.

Auch die Blätter und Blütenstängel tragen Drüsenschuppen.
Die Aufnahme zeigt die filzige Unterseite eines Salbeiblattes (Salvia officinale).

Die sezernierenden Zellen der Pflanzen sondern das ätherische Öl durch die Zellwände in den Bereich unterhalb der Cuticula ab.

Die Cuticula (= wachserne Schutzhaut der Epidermis) wölbt sich dadurch stark empor.


REM Aufnahmen Dr. Reinhard Hemmer

Frische Minzen

Bei den Minzen sind diese »Ölzellen« schon mit einer guten Lupe auf der Blattunterseite zu erkennen.

Die Aufnahmen rechts zeigen deutlich wie dicht die Kelchblätter der Pfefferminze mit Drüsenschuppen besetzt sind. Eine Destillation im knospigen Stadium erhöht die Ausbeute an ätherischem Öl.


Bild oben links, Binokular-Aufnahme R. Rinder
REM Aufnahmen Dr. Reinhard Hemmer

Sehr viel spärlicher verteilt sind die Drüsenschuppen auf den Blättern der Zitronenmelisse. Entsprechend gering ist daher der Ölertrag der Pflanzen. Das pharmakologisch sehr wertvolle Melissenöl ist aus diesem Grunde sehr teuer.

Bild links unten: Karin Müller
REM Aufnahmen Dr. Reinhard Hemmer

Duftende Korbblütler

Eine weitere große Gruppe, die mit ihrer Vielfalt unsere Gärten bereichert sind die Körbchenblütler, aus der Familie der Compositae, nunmehr Asterceae.

Auffällige duftende Vertreter sind die heimische Schafgarbe, Achillea millefolium und die Echte Kamille, Matricaria recutita, die mit ihrem tiefblauen Öl bezaubern.

Aufnahmen oben: Karin Müller

Blumig weiche Düfte

Die als Duftkissen beliebte Römische Kamille, Chamaemelum nobile. wird auch in der Aromatherapie sehr geschätzt.
Ein hoher Esthergehalt verleiht ihrem ätherischen Öl ein besonders blumiges, weiches Aroma, sie wird deshalb auch als Wohlfühl-Kamille bezeichnet und findet in Pflegeölen und Badezusätzen Verwendung.

Aber nicht nur „Asternblütige" gehören zur Pflanzenfamilie der Asteraceae, sondern auch das silberblättrige Currykraut, Helichrysum italicum und die vielen formenreichen Artemisia-Arten mit ihren strahlenlosen Blüten.

Beifuß, Estragon und Eberraute sowie all die filigranen, silbrigen Wermutgewächse Artemisia absinthium,
A. femina, A. pontica, sowie die für rituelle Räucherungen verwendete und Prairie Sage genannte Artemisia ludoviciana, erweitern diesen Reigen.

Die aromatischen Vertreter der Asteraceae bilden köpfchenförmige Drüsenschuppen, die ebenfalls vermehrt an den Kelchblättern zu finden sind. Aus diesem Grunde werden hier ausschließlich die blühenden Kräuter destilliert, um ihr ätherisches Öl zu gewinnen.

Der aromatische Duft von Fenchel und Dill

Doldenblütler stellen eine weitere bedeutende Gruppe aromatischer Gartenpflanzen.

Dill, Fenchel, Wilde Möhre und Kümmel entfalten mit ihrer filigranen Erscheinung einen besonderen Reiz in steppenartigen, naturnahen Pflanzungen. Hingegen sind die stattlichen Erscheinungen von Engelwurz, Angelica archangelica und Meisterwurz, Peucedanum ostruthium, wegen ihrer phototoxischen Wirkung mit Bedacht auf nährstoffreichen, frischen Böden zu verwenden.

Die Doldenblütler sind oft zweijährig und speichern ihr ätherisches Öl in Samen und Wurzeln.

Durch Auseinanderweichen der angrenzenden Zellen entstehen schlauchförmige Hohlräume, sogenannte schizogene Ölgänge.

Diese sehen wir als Striemen an den Spaltfrüchten von Dill, Kümmel, Anis, Engelwurz, Fenchel, Karotte und Koriander.


REM Aufnahmen Dr. Reinhard Hemmer
Aufnahmen unten: Karin Müller

Harzige Aromen

Ätherischen Öle wie der der Apiaceaen, haben zumeist eine angenehm warme, würzige Note.

Koniferen sind hinreichend bekannt für ihren Gehalt an ätherischen Ölen und deren helle, klärend-frische Noten, die vor allem durch die Substanzen Pinen, Limonen und Camphen bestimmt werden.

Bei den Nadelhölzern Douglasie, Fichte, Kiefer, Lärche, Zirbel, Zeder bilden im Stammholz verlaufende Harzkanäle ein vernetztes System.

Harz

Die Innenwände dieser schlauchartigen Hohlräume sind mit harz-ausscheidendem Drüsengewebe ausgekleidet.

Bei Verletzungen des Kambiums quellen die Epithelzellen und das Harz wird an die verletzte Stelle gedrückt. Tannen bilden ihr Harz in der Rinde.

Das Holz von Eibe und Wacholder ist dagegen harzfrei.

Zur Gewinnung des Harzes werden diese Verletzungen gezielt herbeigeführt z.B. bei Weihrauch, Styrax, Benzoe und anderen Balsambaumgewächsen, den Burseraceaen.

Aromen aus dem Süden

Mediterrane Kübelpflanzen sind aus unseren Gärten nicht mehr wegzudenken.

Viele von ihnen enthalten ebenfalls ätherische Öle in ihren Blättern oder in der Rinde.

Eine besondere Strategie haben dabei die Lorbeergewächse, die Raute- und einige Malvengewächse wie die Zistrose entwickelt:

Die Gewürzrinde Cassia, Zimt- und Kampferbaum, der Gewürzlorbeer Laurus nobilis und die Zitrusbäumchen speichern ihr ätherisches Öl im Inneren lebender Zellen, den Ölzellen. Dies kann man insbesondere bei den Zitrusblättern als ölig durchscheinende Punkte beobachten.

Eine besondere Rolle spielen dabei die Zitruspflanzen. Sie bilden zusätzlich an ihren Fruchtschalen große Poren aus.

Zitrus-Öl

Lysigene Ölbehälter

Durch das Auflösen der Zellwände von Sekretzellen entstehen sekundäre Hohlräume in die ätherisches Öl abgesondert wird.

Dies kennen wir insbesondere von den Zitrusfrüchten Bitterorange, Bergamotte, Mandarine, Orange, Pampelmuse und Zitrone.

Auch die Myrtengewächse wie Eucalyptus, Melaleuca-Arten und die Gewürznelke Syzigium aromaticum zeigen diese Erscheinung.

Mein Fazit

Ätherische Öle begegnen uns heute in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Wir finden sie als Aromastoffe in Lebensmitteln und Getränken und als Wirkstoffe in Naturheilmitteln.

Diese fettlöslichen, flüssigen und leicht flüchtigen Stoffgemische sind mithin die wichtigsten Inhaltsstoffe unserer Heil- und Gewürzpflanzen.

Pharmakologisch werden sie wegen ihrer anregenden, krampflösenden oder keimhemmenden und entzündungswidrigen Wirkung in den verschiedensten Arzneimitteln eingesetzt. In der Aromatherapie gezielt angewendet, können sie hormonelle, nervliche und psychische Reaktionen hervorrufen.

Im Zuge der rasch wachsenden Nachfrage sind Qualität und Kontrolle stark vernachlässigt worden. Auch bei teuren Ölen mit medizinischer Indikation, wie Zitronenmelisse, Angelika oder Kamille sind Verfälschungen mit synthetischen Essenzen im Handel. Bezeichnungen wie 100% naturrein oder der Kauf in der Apotheke geben keine Garantie für ein naturbelassenes Öl.

Die gesundheitlichen Risiken einer therapeutischen Anwendung synthetischer Öle sind erwiesen, jedoch nicht hinreichend publik. Auf dem Sektor der billigen Duftöle ist die Situation noch gravierender.

Euer Gerorg Effner

Du wollest mehr über Düfte und Aromen wissen?

Falls du es selbst mal ausprobieren und wissen möchtest, wie man Aromen aus Pflanzen destilliert, dann habe ich hier einige dufte Tipps für dich:

  • Als Projektpartner der »Illertisser Aromakultur« vermittelt der langjährige Inhaber der Rottaler Aromaöle in verschiedenen Workshops und Seminaren das Wissen rund um die Destillation in der Gartenakademie der Gärtnerei Gaissmayer.
  • Pflanzliche Öle gibt es hier zu kaufen.
  • Bücher zum Thema Aromaöle findest du hier:
    • Aromapflege Handbuch
    • Das große Buch der Pflanzenwässer
    • Mein duftes Jahr – mit zwölf ätherischen Ölen durch die Jahreszeiten
    • Das Kokos Buch

und vielleicht interessiert dich auch das:

Der Herbst ist da, die Tage werden kürzer, die Sonne geht schon wieder ganz schön früh unter. Wer es abends lange hell haben will, muss in den Süden fahren. Falls gerade nicht möglich, lässt es sich auch zu Hause urgemütlich machen.

Wie wärs mit einem schönen Tee, sanfter Musik und einem schönen Bad mit duftenden Pflanzenölen?

Ich glaub ich lasse mir jetzt mal Wasser ein ???? und leg ne Platte auf.

Bis zum nächsten mal wünsche ich dir eine duftende entspannte Zeit!

Bleib natürlich

Petra Pelz


Der Beitrag wurde ursprünglich auf der Webseite von Petra Pelz veröffentlicht: https://petra-pelz.com/vom-zauber-der-pflanzenduefte/

Text: Georg Effner, Petra Pelz, Angelika Traub (Einleitung)

Bilder:
Rasterelektronenmikroskop: Dr. Reinhard Hemmer
Shutterstock, via Petra Pelz