John Tradescant

Pflanzenjäger aus Leidenschaft und Namensgeber der Dreimasterblume

Der Mann, dem die hübsche Dreimasterblume (Tradescantia) ihren botanischen Namen verdankt, erblickte vor 450 Jahren im Jahr 1570 im englischen Suffolk das Licht der Welt. Der Gärtner John Tradescant zählt zu den einflussreichsten Botanikern des 17. Jahrhunderts.

Ab 1600 ist seine Tätigkeit als Gärtner für den englischen Hochadel belegt, der auch schon zu dieser Zeit gartenbegeistert an den Pflanzen anderer Länder interessiert war. Daher reiste Tradescant im Namen seines Arbeitgebers, des 1. Earl von Salisbury, in den Jahren 1610/1611 in die Niederlande, um für den Garten von Hatfield House in Hertfordshire Pflanzen zu erwerben, darunter natürlich Tulpenzwiebeln, aber auch Obstbäume und Weinstöcke. Sogar gestalterisch war Tradescant tätig – für den Schatzmeister König Jakobs I., Sir Edward Lord Wotton, plante er zwischen 1615 und 1623 dessen Gärten in der Nähe der Abtei St. Augustinus in Canterbury. In späteren Jahren entwarf er die Gartenanlage des neu entstandenen Schlosses Chilham Castle in Kent und für George Villiers, den 1. Herzog von Buckingham, dessen Gärten in Chelmsford.

 

Doch den wissbegierigen Gärtner und Gartengestalter Tradescant zog seine Pflanzenliebe auch weit in die Fremde. So begleitete er den russischen Botschafter 1618 auf eine Reise ins nördliche Russland und entdeckte und sammelte dort zahlreiche Pflanzen, die in England bis dahin noch unbekannt waren. Er fand in der Gegend von Archangelsk eine ihm noch fremde Geranium-Art, eine ungewöhnliche Rosensorte, eine Engelwurz (Angelica) sowie für die Region typische Lärchen und brachte sie mit zurück in seine englische Heimat. Nur zwei Jahre später reiste der Botaniker bis ans Mittelmeer, wo er die Flora der Levante erkundete. Als pflanzliche Ausbeute dieser Reise gelangten neben der Pistazie die Aprikose und der Granatapfel nach England. Bei einer Reise nach Paris tauschte Tradescant sich intensiv mit seinem Botaniker-Kollegen und Hofgärtner Jean Robin aus.

Stets war es dem für seine Zeit weit gereisten Tradescant wichtig, seine Kenntnisse und auf Reisen erworbenen Schätze anderen Menschen zugänglich zu machen. Aus diesem Grund erwarb er um 1626 in der Nähe der Residenz des Erzbischofs von Canterbury ein Anwesen in South Lambeth. In seinem Haus »The Ark« (»Die Arche«) sammelte er die auf seinen Streifzügen durch Europa zusammengetragenen Dinge in einer Art Kuriositätenkabinett – dem ersten seiner Art auf englischem Boden. Zu diesem »Musaeum Tradescantianum« hatte ab 1629 auch die Öffentlichkeit Zutritt, wodurch es das erste öffentlich zugängliche Museum auf der Insel war. Rund um dieses Museum entstand natürlich ein botanischer Garten, in dem all die Pflanzenschätze zu bestaunen waren, die Tradescant selbst oder im Austausch mit anderen Botanikern hatte erwerben können. In einem hierfür eigens geschriebenen Pflanzenkatalog (»Plantarum in horto Iohannes Tradescanti nascentium catalogus«) von 1634 finden sich sogar 40 nordamerikanische Pflanzenarten!

Dem umtriebigen Tradescant wird nachgesagt, als Erster in Europa die Selbstkletternde Jungfernrebe (Parthenocissus quinquefolia), die Kanadische Akelei (Aquilegia canadensis), den Schlitzblättrigen Sonnenhut (Rudbeckia laciniata) und wohl auch die Robinie (Robinia pseudoacacia) kultiviert zu haben. An ihn und seinen Sohn, der in seine botanischen Fußstapfen trat, erinnert noch heute neben der attraktiven, eingangs erwähnten Dreimasterblume die robuste Weiße Waldaster (Aster divaricatus 'Tradescant') – ein zarter Hingucker im Staudenbeet.

Antje Peters-Reimann
Antje Peters-Reimann ist Gartenhistorikerin und Journalistin in Essen. Sie hat sich der Geschichte der Gartenkunst verschrieben und berichtet berichtet über bekannte und unbekannte Gärten und ihre Schöpfer und erzählt spannende „grüne Geschichten“!...
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Text: Antje Peters-Reimann
Foto John Tradescant: Wikimedia Commons, Public Domain
Fotos: Staudengärtnerei Gaißmayer