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Eine Blüte, flüchtig wie der Windhauch

Die griechische Göttin Flora war einst voller Zorn auf eine Nebenbuhlerin, die ihr ihren Gatten Zephyr, den Gott des Windes, streitig machen wollte. In ihrer Wut verwandelte sie die Rivalin in eine Blume, die in der Mythologie den Namen Anemone erhielt. Im Griechischen trägt der Wind die Bezeichnung »anemos« und die Flüchtigkeit eines Windhauchs gab der Anemone (Anemone nemorosa) ihren botanischen Namen. Dieses Bild klingt auch in der englischen Bezeichnung »windflower« sowie in unserem deutschen Trivialnamen »Buschwindröschen« an.

Im Frühjahr schmückt es Wälder und Gärten mit seinen dichten, weiß blühenden Teppichen. Wenn Büsche und Bäume noch nahezu unbelaubt sind, ist das Leuchten der Anemonenblüten in den Wäldern weithin zu sehen. Gerade den im Frühjahr blühenden Blumen wohnt eine besonders starke Symbolkraft inne, gelten sie doch als Zeichen des Neubeginns - die Natur erwacht nun sichtbar zu neuem Leben. Und so spielte auch die Anemone im Volksglauben und Brauchtum eine wichtige Rolle. Wer früher während des ganzen Jahres gesund sein wollte, der aß die ersten drei Blüten von Buschwindröschen, die er sah. Doch mehr davon zu sich zu nehmen war wegen des Giftes, das in allen Pflanzenteilen enthalten ist, eine echte Gefahr. Die Volksnamen »Kopfschmerzblume« oder »Hexenblume« weisen darauf hin, dass mit dem zarten Blümchen nicht zu spaßen ist. Im Buschwindröschen ist nämlich das giftige Protoanemonin enthalten, das zu heftigen Hautreizungen führen kann. Wird es vom Körper aufgenommen, kann es zu Störungen des Nervensystems, zu Entzündungen der Niere und der Verdauungsorgane, zu Krämpfen, Durchfällen und Erbrechen kommen.

In manchen Alpenregionen war es tatsächlich üblich, die getrockneten Blätter oder Wurzeln der Anemone zu rauchen, denn das Konsumieren des Rauches konnte Rauschzustände und allerlei Wahnvorstellungen und Phantasien hervorrufen - die Hexen lassen grüßen!

In seinem »Kreütter Buch« von 1539 wies der Botaniker Hieronymus Bock auf den Extrakt des Buschwindröschens hin, der bei der Behandlung von Warzen hilfreich sein sollte. Doch wer die »weiß Aprillenblumen«, wie die Staude in seinem Buch genannt wird, falsch dosierte, musste mit schweren Hautschädigungen rechnen. Da war man doch besser beraten, sie zur Abwehr böser Geister anzuwenden! In der christlichen Symbolik ist die Anemone ein Sinnbild für das vergossene Blut der Heiligen sowie die sieben Schmerzen der Gottesmutter Maria. Auch in die Blumensprache des 17. bis 19. Jahrhunderts hat die zarte Anemone Eingang gefunden und steht dort als Zeichen für Unschuld, Vertrauen und Vergänglichkeit. Kein Wunder, schließlich ist ihre Blütezeit schnell vorüber: Genauso schnell, wie das weiße Leuchten ihrer Blüten auf dem Waldboden erscheint, ist es auch schon wieder vorbei - schnell und flüchtig wie ein Windhauch!


Text: Antje Peters-Reimann
Fotos: Staudengärtnerei Gaißmayer