Christian Seiffert

Christian SeiffertChristian Seiffert ist Landwirt, Pflanzenkenner und gelegentlich Gartenphilosoph. Vor allem aber ist er ein leidenschaftlicher Gartenliebhaber, der das Glück hatte, Beruf und Berufung vereinen zu können. Über 30 Jahre lang bearbeitete er das Gartenfach für Rundfunk und Fernsehen. Seine beiden Hausgärten befinden sich in Oberbayern und in Brandenburg.

Christian Seiffert wurde 1935 in Berlin geboren, doch seine Eltern zog es sehr bald aufs Land, einige Kilometer südöstlich von Berlin. Aus Liebe zur Natur und Freude am Garten strebte er nach dem Abitur 1954 ein Gartenbaustudium an. Schon vor Studienbeginn befasste er sich am Institut für Kulturpflanzenforschung in Gatersleben bei Quedlinburg mit der Zucht von Mais und Kürbissen. Spannende Kreuzungsversuche festigten seine beruflichen Ambitionen. In der DDR fand er jedoch nur einen Studienplatz für Landwirtschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Wegen politischer Differenzen verließ Christian Seiffert kurze Zeit später die DDR und absolvierte in Westfalen zum zweiten Mal eine Lehre in der Landwirtschaft. Er erwarb Kenntnisse in Rindermast und Ackerbau. Nach der zweiten Gehilfenprüfung schloss er 1962 sein Landwirtschaftsstudium in Göttingen ab. Bereits während seines Studiums verfasste er kleine Alltagsbeobachtungen für das „Göttinger Tagblatt“.

Nach seinem Hochschulabschluss arbeitete Christian Seiffert in verschiedenartigen Jobs, ehe er 1963 in der Pressestelle eines Landmaschinenproduzenten landete. Vier Jahre hielt er es dort aus. Als ihm ein Kollege über das Programm des Bayerischen Rundfunks berichtet hatte, wagte er den Ortswechsel in den Süden.

Nach zwei Jahren als Freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks wurde Christian Seiffert Redakteur. Von Anfang an arbeitete er für Hörfunk und Fernsehen. Für den „Landfunk“ mit einer täglichen Sendezeit von 45 Minuten führte er Interviews und verfasste Texte zu allen Themen der Landwirtschaft. 1982 übernahm er die Betreuung der Rundfunksendung „Blick über den Zaun“, jeden Sonntagmorgen eine Viertelstunde lang in Bayern 2. „Mit leichter Hand geschrieben“ – so wird Praktisches und Kulturelles angesprochen, werden Gärten beschrieben und Gartenliebhaber fundiert informiert. Die Sendung wurde im Rahmen einer Programmreform ab dem 1. Juli 2003 nach 55 Jahren eingestellt.

Prägend wurde für Christian Seiffert 1970 die Begegnung mit Richard Hansen, dem Begründer des Staudensichtungsgartens in Weihenstephan. „Alles Wesentliche über Gartenbau hat er mir beigebracht“, gesteht Seiffert. Exkursionen mit Hansen und dem Pflanzenzeichner Richard Keller in die Bergwelt rund um den Gardasee zählten für Christian Seiffert zu den prägenden Erfahrungen in den 80er Jahre.

Über den Kontakt mit Dieter Gaissmayer vertiefte sich Christian Seifferts Beziehung zu den Stauden. „Da habe ich noch einmal dazugelernt“, berichtet er.

Christian Seifferts wichtiges Gartenbuch ist der „Garten für Anfänger“ von Johannes Bottner. Das sei zwar schon über 100 Jahre alt, aber es stehe alles drin, was man wissen müsse. „Was danach kam, ist entweder abgeschrieben oder unnötig“, erklärt er bündig.

Nach der Wende fiel ihm das großelterliche Grundstück in Brandenburg zu, 3600 Quadratmeter – eine übliche Größe in dieser Gegend. „Frei von bedrängender Nachbarschaft, dafür Nachtigallengesang während der Fliederblüte“. Sieben Stunde Fahrt muss er in Kauf nehmen, nach Möglichkeit bleibt Christian Seiffert zehn Tage am Stück.

Einen Wohnsitzwechsel nach Brandenburg mag Christian Seiffert nicht ausschließen, aber noch halten ihn enge Bindungen im oberbayerischen Eresing. Unterschiedliche Böden sowie die andere Vegetation und Witterung machen für Seiffert das Leben in zwei Gärten spannend. In Bayern steht sein Haus auf einem 750 Quadratmeter großen Grundstück. Hier ist der Garten vergleichsweise klein, für den Betrachter wirkt er durch die Gestaltung dennoch groß: Gemüsegarten, Kräuterecke und Gartenteich – Räume eben. Im Westen der Frühlingsgarten mit den Obstbäumen, im Süden die Buchshecke und der stilisierte Staudengarten. In einem Senkgarten gedeihen sogar südalpine Pflanzen.

Gartentag war für den Medienmann der Samstag, während der Woche war allenfalls Zeit zum Gießen. „Arbeit im Garten ist keine ‚Arbeit‘ im landläufigen Sinn. Gartenarbeit ist Erbauung und Vergnügen“, meint Christian Seiffert.

Während das Bewusstsein für Gartenkultur wächst und erste Früchte trägt, sieht er gleichzeitig ein bedenkliches Abwirtschaften der Gartenkultur. „Auch der Garten bleibt von der Wegwerfmentalität nicht verschont. Die Pflanzen sind oft nur noch dekoratives Beiwerk, auf Langlebigkeit wird nicht mehr geachtet“, bedauert Seiffert. Die Qualität der Pflanzen sinke, weil bei der Produktion nur noch der niedrige Verkaufspreis zähle. Vielfalt, wie sie in einer guten Staudengärtnerei anzutreffen sei, werde mehr und mehr zur Seltenheit. „Gerade das Nebeneinander von Zucht- und Wildstauden, von Rittersporn, Phlox und Mohn macht die Vitalität und Originalität eines Gartens aus“, sagt Christian Seiffert. Vielseitigkeit bei den Pflanzen sei auch Garant für eine mannigfaltige Tierwelt.

Für seine Verdienste zur Förderung der Gartenkultur ist Christian Seiffert anlässlich der Illertisser Gartenlust 2002 von der „Interessengemeinschaft zur Förderung der Gartenkultur e.V.“ mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet worden.

Gartenarbeit kann weit mehr als Freizeitbeschäftigung sein. Christian Seiffert weiß aus unzähligen Gesprächen, dass für viele der Garten ein Stück Lebensinhalt ist, vielseitige und sinnvolle Beschäftigungen bietet. Von der gröbsten Arbeit bis zum feinsten Genuss sei alles vorhanden. „Wenn die ersten Winterlinge erscheinen, muss ich mich einfach hinknien und einen Nase voll Frühlingsduft einatmen.“