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Insektenfreundlicher Garten

Bienen-, Insekten- und Schmetterlingsweiden, das sind Stauden, deren Blüten die fleißigen Pollensammler magisch anziehen. Im Naturgarten sind sie einer der wichtigsten Bausteine, fehlen sollten sie aber eigentlich in keinem Garten. Wenn die geschäftigen, pummeligen Hummeln und die zarten, schön gezeichneten Schmetterlinge die Blüten besuchen, finden sie dort nicht nur Nahrung im Überfluss, sie sind auch für uns Naturfreunde ein Quell der Freude. Ob Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und all die anderen fleißigen kleinen Helfer, alle sind sie auch als Blütenbestäuber unersetzlich – über 70 % aller Pflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen. Beispielsweise könnten wir ohne die Bestäubung der Apfelblüten durch Insekten im Herbst nur wenige und minderwertige Äpfel ernten.

Der Anblick blühender Wildblumenwiesen wird immer seltener, landwirtschaftliche Monokulturen wie Mais und Raps hingegen nehmen stetig zu. Die fatale Folge ist, dass das Nahrungsangebot für Pollensammler immer kleiner und einseitiger wird. Der Einsatz von Pestiziden tut ein Übriges. Die Folge ist, dass mittlerweile viele Wildbienen- und Hummelarten, Schmetterlinge und andere blütenbestäubende Insekten auf der roten Liste der bedrohten Arten stehen.

Deshalb sollten wir in unseren Gärten Oasen für diese ökologisch so bedeutsamen kleinen Helfer schaffen. Sehr sinnvoll sind Nisthilfen an sonnigen und geschützten Plätzen. Auch Totholz, Steinhaufen, Trockenmauern und Hecken bieten Wildbienen, Hummeln und vielen anderen Insekten ideale Brutplätze. Die Auswahl und Pflanzung möglichst vieler verschiedener insektenfreundlicher Pflanzen ist eine weitere wichtige Maßnahme, denn ein vielfältiges Nahrungsangebot kann das Überleben vieler Arten unterstützen.

Zwischen Blüten und Insekten gibt es eine biologische Vernetzung, die Christian Konrad Sprengel (1750-1816), der Begründer der Blütenbiologie bereits vor langer Zeit entdeckte. Beide Seiten haben einen Nutzen: Da die Blüten bestäubt werden müssen, machen sie Insekten ein attraktives Angebot: Sie werden beim Besuch der Blüten mit Nektar und Pollen „belohnt“.

Aber wie gelingt es Insekten eigentlich, Blüten – und damit ihren Nektar und Pollen zu finden? Dafür legt sich die Natur mächtig ins Zeug, es gilt das Motto „Werbung zahlt sich aus“. Viele Blüten machen durch auffällige Farben, Düfte oder Blütenformen auf ihr Nahrungsangebot aufmerksam. Da viele Insekten einen ausgesprochen feinen Geruchssinn haben, erkennen sie etliche Blumenarten bereits an ihrem Geruch. So können unterschiedliche Blüten mit gleicher Farbe aufgrund ihres spezifischen Dufts identifiziert werden. Das Spektrum der Gerüche ist sogar wesentlich größer als die Anzahl der Farben. Für die sogenannte Blütenstetigkeit der Honigbienen spielen Gerüche übrigens eine weit wichtigere Rolle als die Farbe der Blüten. Darüber hinaus verfügen Bienen sogar über ein Duftgedächtnis und wissen deshalb genau, zu welcher Tageszeit sie die verschiedenen Blüten mit optimalem Erfolg anfliegen können. Das ist sehr wichtig, denn viele Blumen bieten ihren Nektar tatsächlich nur zu bestimmten Tageszeiten an, oft ist die Zeitspanne sogar nur kurz. Für eine erfolgreiche und energiesparende Sammeltätigkeit ist das Duftgedächtnis also von elementarer Bedeutung.

Auffallen heißt überleben – so könnte die Devise bei der Ausbildung der Blütenfarben lauten. Die riesige Palette an Farbnuancen erklärt sich durch die unterschiedliche Farbwahrnehmung der verschiedenen Bestäuber. Die meisten Bienen erkennen gelbe und blaue Töne sowie das für uns Menschen unsichtbare Ultraviolett. Dafür fehlt ihnen fast immer der Rezeptor für Rot, das sie also nicht wahrnehmen können. Schmetterlinge hingegen können es sehen und besuchen deshalb fleißig auch rote Blüten. Bei vielen Blüten sind Pollen und Nektar übrigens alles andere als leicht zugänglich. Damit die Bestäubung dennoch gelingt, nutzen viele Blüten eine Art optisches Leitsystem, das den Weg weist. Diese sogenannten Blüten- oder Saftmale können aus einem oder mehreren Flecken, Linien, oder Tupfen bestehen. Viele von Bienen oder Hummeln bestäubte Blüten weisen Muster auf, deren Blüten einen starken Kontrast bieten, wie die gelb geäugten Blüten des Vergissmeinnichts. Für das menschliche Auge sind die Saftmale nicht immer erkennbar. Ein Beispiel: Die für uns Menschen reinweißen Kirschblüten weisen ultraviolette Saftmale auf, die von den bestäubenden Insekten wahrgenommen werden können.

Hinzu kommt, dass die Pollenreifung und –darbietung bei jeder Pflanze anders ist: Einige geben ihren gesamten Pollenvorrat innerhalb weniger Stunden frei, manchmal sind es sogar nur 10-30 Minuten, bei anderen vollzieht sich der Prozess allmählich. Raps und Löwenzahn gehören zum „Morgentypus“, hier werden 60 – 90 % des Pollens sofort frei, bei Blüten der Obstbäume geschieht dies hingegen gleichmäßig über den Tag verteilt, während bei weiteren Pflanzen der Pollen erst nach 12 Uhr reifen kann.

Honigbienen sind blütenstetige, äußerst rationelle Pollensammler, sie achten bei ihrem Flugradius streng auf Effizienz, indem sie immer Ziele anfliegen, die die größte Anzahl von Blüten mit einem möglichst kurzen Weg verbindet.