Zugegeben, der deutsche Name Knollen-Brandkraut wirkt nicht gerade
verlockend, und vielen Gartenfreunden ist die Pflanze gänzlich unbekannt.
Gleichwohl verdient die Staude, die
in Mittel- und Südosteuropa wild vorkommt, einen Platz in unseren
Gärten. Mit ihren kräftigen, aufrechten, kaum verzweigten Stängeln
und den in Etagen übereinander aufgereihten Blütenquirlen bildet
sie ein dauerhaftes vertikales Element in sonnigen Staudenpflanzungen.
Vor allem neuere farbintensive Züchtungen wie die Sorte ’Amazone’,
die wir Ernst Pagels zu verdanken haben, verdienen besondere Aufmerksamkeit.
Die Stängel sind purpurfarben getönt und tragen raue, herzförmige
Blätter, die nach oben kleiner werden. Die lilarosa Lippenblüten
mit weißem Bart, von denen bis zu 40 Stück in
einem Quirl stehen, erscheinen im Frühsommer und halten sich über
Wochen. Indes, damit hat sich der Lebenszweck der attraktiven Staude noch
nicht erfüllt.
Denn werden nach der Blüte die welken Blätter entfernt, bleiben
runde, knubbelige, braune Samenkapseln an steif aufrechten Stielen zurück.
In ihrer strengen, graphischen Wirkung ergänzen sie nicht nur weich
fließende oder horizontale Formen, sondern
stellen ein schmückendes Element bis weit in den Winter hinein dar.
Glitzernd mit Raureif überzogen erwachen sie zu neuem Leben und vermitteln
uns eine überraschend neue Interpretation einer „Eisblume“.
Phlomis tuberosa mag durchlässige, nährstoffreiche,
trockene Böden in der Sonne. Sie setzt in mediterranen Pflanzengesellschaften
mit filigranen und eher rundlich-buschig wachsenden Partnern wie Lavendel,
Purpursalbei und Santolina vertikale Akzente.
Beeindruckend ist die sehr aparte und dauerhafte Kombination mit den
Dolden von Sedum 'Matrona', den bogig überhängenden
Blütenhalmen von trockenheitsverträglichen Gräsern wie
Stipa calamagrostis ’Algäu’ oder dem stahlblauen
Helictotrichon sempervirens und Bergenia ’Eroica’,
die den winterlichen Garten durch ihre Rotfärbung bereichert.
Ach ja, da wäre noch der merkwürdige Name. Er rührt wohl
daher, dass die Knollenwurzeln von Phlomis tuberosa gekocht essbar
sind. Ob wir es bislang in der Vielfalt seiner Qualitäten ein wenig
unterschätzt haben, das Knollen-Brandkraut?
Gut möglich.
|