Für den begnadeten Staudenexperten und poetisch begabten Gartenphilosophen
Karl Foerster war die Iris „die feierlichste Frühlingsblume“.
Für die Griechen der Antike eine Botin zwischen Himmel und Erde und
für die Florentiner der Renaissance Ausgangspflanze für ihre
berühmten „Veilchenpastillen“.
Für uns ist sie das alles und noch viel mehr: Eine unwiderstehliche,
facettenreiche Gartenerscheinung.
Das
Prinzip der Blüte ist bei allen mannigfaltigen Arten und Sorten gleich.
Drei Blütenblätter weisen nach unten (man nennt sie profan „Hängeblätter“)
und drei himmelwärts, die den so genannten „Dom“ bilden.
Anders als die meisten anderen Blüten bilden die Blütenblätter
keine Schalen, in die man hineingucken kann, sondern sozusagen Brücken,
die zwischen Himmel und Erde schweben. Kein Wunder, dass sie mit der schönen,
in Tau gewandeten Götterbotin in Zusammenhang gebracht werden. Der
raffinierte Bau der Blüte inspirierte seit jeher Pflanzenästheten
und besonders in der Belle Epoche waren Irisblüten bei den Künstlern
des Jugendstils sehr en vogue.
Neben
der Blütenform ist es auch der unerhörte Farbenreichtum,
der die Iris-Pflanzen mit der Iris-Göttin verbindet. Letztere wandelte
auf dem Regenbogen
zwischen den Welten, während die Blüten, besonders die der
Bart-Iris,
in allen Regenbogenfarben schillern (abgesehen vom Signalrot,
das wir getrost dem Mohn überlassen können…). Doch es
sind nicht nur die gesamten Blüten, die alle Farbregister ziehen.
Einfarbige Iris wirken besonders nobel; erinnert sei an die rosafarbene
'Flourish'.
So
genannte Plicatas haben Strichelmuster, die selbst talentierteste
Grafiker vor Neid erblassen ließen. In einer einzigen Blüte
finden sich mitunter drei, vier Farben in sanften Verläufen. Selbst
„unmögliche“ Farbzusammenstellungen kommen vor, die etwa
Rosabraun und Orangegelb in sich vereinen.
Zugegeben, jede Blüte bekommt einen überirdischen Reiz, wenn
Regentropfen und Sonnenlicht sich auf ihr begegnen. Irisblüten sind
aber eindeutig eine Steigerung dieser etwas theatralischen Gartendramatik.
Durch ihren raffinierten Blütenbau strahlen sie wie Edelsteine im
Gegenlicht. Besonders die saphirblauen Schattierungen – vom schwebend
leichten Lila bis zum mysteriösen Violett – stellen selbst
noch so kapriziöse Orchideenblüten in den Schatten.
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