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Sedum im Vergleich
Die Gattung Sedum scheint wie geschaffen für den trockenen
sandigen Boden im Raum Jamlitz. Zwei Arten kommen in der freien Natur
vor: auf
Brachflächen häufig Sedum maximum und an Wegrändern
der Mauerpfeffer Sedum acre. Dieser, winzig klein, ist allgemein
bekannt. Ob Sedum maximum eine Subspezies von Sedum telephium ist,
oder eine eigenständige
Art, darüber streiten sich die Taxonomen, und das wird ihnen wohl
noch eine Zeit lang Vergnügen bereiten.
Sedum maximum wird zwischen 30 bis 80 cm hoch, blüht gelb, manchmal
grüngelb. Hin und wieder haben Exemplare besonders dunkelrote Stiele.
Das sehr variationsreiche Wildvorkommen bietet Staudengärtnern reiche
Möglichkeiten für die Züchtung. Am erfolgreichsten scheint
bis jetzt die Sorte 'Matrona' zu sein, die nach ein paar Wuchsjahren
einen stattlichen Horst bildet, mit dunklen Blättern und großen
rosa Blütentellern.
Sedum, die in die Breite wachsen
Siedelt man einige von den Polster bildenden niedrigen Sedum-Arten in
Jamlitz an, so brauchen sie nicht lange, um sich mächtig auszubreiten.
Sedum reflexum, Tripmadam, erobert den Bereich unter einer Weinrebe.
Die dicht mit nadelartigen hellblaugrünen Blättern besetzten
Triebe liegen dem Boden mehr oder weniger dicht auf. Im Hochsommer blüht
dieses schöne bodendeckende Sedum leuchtend gelb. Vor 65 Jahren
wurde Sedum spurium im Garten angesiedelt. Es dauerte nicht lange, bis
man diese Art überall im Garten finden konnte. Auf den trockensten
Stellen vermag sie breite Polster zu bilden, selbst im Halbschatten.
An einer Mauer fand ich einige Pflänzchen von Sedum floriferum.
Auf offenen Boden gesetzt, - kann man bei dem Sand überhaupt von
Boden sprechen? – entwickelte es sich bemerkenswert schnell zu geschlossenen Polstern. Berühmt
ist ja die Auslese 'Weihenstephaner Gold'. Im Sichtungsgarten Weihenstephan gab es zu Professor Hansens Zeit
eine ca. 5 x 10 m große Pflanzung davon. An einigen Stellen durchsetzt
mit Asphodeline lutea. Beide blühten zur gleichen Zeit im Frühsommer
und waren ein Fest für das Auge: Gelb in Gelb. Später im Jahr
verfärbten sich die Fruchtstände rötlich-braun, und die
Samenkapseln der Asphodelinen, zunächst grün, wurden dunkel,
fast schwarz. Leider musste später diese Pflanzung aufgelöst
werden, weil man der Gräser, die dazwischen das Terrain eroberten,
nicht mehr Herr wurde.
Sedum, egal, welcher Art, erfreuen zu jeder Jahreszeit. So ist im noch
schneefreien Winter das Laub des 'Weihenstephaner Gold' dunkelbraunrot.
Die hohen Sedumarten, dann längst verblüht, geben zauberhafte
Gestalten im Winter ab, bis sie durch Schneelast und Feuchtigkeit zusammenbrechen.
Bald im Frühling entwickeln sich die neuen fleischigen Triebe, so
dass die hohen Sedumarten und -sorten auf Staudenrabatten bis zu ihrer
Blüte für Ordnung und Ruhe sorgen, so wie auch die herbstblühenden
Chrysanthemen.
Selbst das winzige Sedum hispanicum, von mir nach Jamlitz eingeschleppt,
verwandelt sich in den zwei Jahren seines Lebens mehrfach und sieht nie
hässlich aus. Anfangs, als Sämling, überspinnt es den
Boden in lichtem Blaugrün, im zweiten Jahr blüht es in einem
nicht ganz reinen Weiß. Danach bilden sich rote Fruchtstände,
die eine großartige Flächenwirkung haben. Räumt man diesem
Sedum bewusst einen Platz ein, hat man seine Freude daran. Wo
es sich frei versamt, wird es zum lästigen, allerdings leicht zu
jätenden
Unkraut.
Hohe herbstblühende Sedum
Auch ein hohes Sedum vermehrt sich in Jamlitz reichlich durch Samen.
Die Pflanzen sehen recht gleichförmig aus. Hoch, stattlich in der
Gestalt, mit rötlichen, leicht bräunlichen Blütentellern.
Ob es sich dabei um 'Herbstfreude' handelt? Vermehrt sich 'Herbstfreude'
generativ? Und wenn, fällt sie dann samenecht?
Zur Gesellschaft und zum Vergleichen haben inzwischen einige interessante
Sorten von Dieter Gaissmayer im Garten Aufnahme gefunden. Und obwohl
sie alle zu den sukkulenten Stauden gehören, ist der heiße
Hochsommer in diesem Jahr nicht spurlos an ihnen vorüber gegangen.
Offenbar ist die Wurzelentwicklung noch nicht so weit fortgeschritten
gewesen, dass sie sich ihren Wasserbedarf aus der Tiefe holen konnten.
Ein paar Sorten aber verdienen es schon heute, als besonders wüchsig
und schön herausgestellt zu werden. 'Indian
Chief' z.B. und 'Joyce
Henderson'. Vor allem aber die Sorten 'Carl' und 'Carmen'. Bei den dunkellaubigen
Sorten bestätigt sich wieder einmal, dass Abweichungen vom „normalen“ Blattgrün
häufig zu Verzögerungen in der Entwicklung führen. Dunkelrotlaubige
Sorten, wie 'Karfunkelstein' und 'Purple
Emperor' brauchen noch 1-2 Jahre
um ihre Schönheit auch in der Gestalt zu beweisen. Oder müsste
man da mit etwas Dünger nachhelfen?
Eine von der üblichen Gestalt völlig abweichende Sorte ist
'Hap
Gray'. Sie blüht zunächst endständig. Später
entwickeln sich in den Blattwinkeln unterhalb der alten Hauptblüte
eine Menge neuer, etwas kleinerer Blütendolden, was einen etwas
wilden Eindruck macht.
Kurz und gut: Bei längerem Betrachten der Sedumstauden und der
Gräser im jamlitzer Garten, komme ich zu dem Schluss, dass der Herbstgarten
ohne beide zwar vorstellbar ist, aber doch trauriger aussähe.
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