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Noch mehr Salvien
Es
bestand die Aufgabe, Sorten von Fingersträuchern, Potentilla
fruticosa zu vergleichen und zu bewerten. Das kann man durch eine
reihenweise und damit automatisch langweilige Aufpflanzung machen. Man
kann bei solch einer Sichtung aber auch eine Pflanzengesellschaft aufbauen
und damit zeigen, dass die Fingersträucher nicht immer eine öde
Straßenrandbepflanzung sein müssen, sondern ansprechende Sträucher,
wenn man die richtigen Partner für sie findet.
Professor Richard Hansen hat sich in Weihenstephan um diese Partnerschaft
bemüht und dabei einen zauberhaften Südhang im Sichtungsgarten
geschaffen. Was gab es da zu sehen? Natürlich gelbe Fingersträucher.
Dazwischen aber verschiedene
Steppen-Salbei, Salvia nemorosa, Muskateller-Salbei, Salvia
sclarea, Katzenminzen,
Nepeta x faassenii, die dunkelroten Witwenblumen, Knautia
macedonica und es durften die Gräser nicht fehlen: es standen
dazwischen die stattlichen Horste des Atlasschwingels,
Festuca mairei.
Der
Muskateller-Salbei
So lernte ich den Muskateller-Salbei
kennen, diesen runzligen, stattlichen Salbei mit seinen perlmuttenen Blütenkerzen!
Welch ein Duft zur Blütezeit! Herb, harzig und würzig. Das duftet
wie Italien oder Griechenland, nichts süßliches, sondern herb
wie die steinige Küste am Mittelmeer. Und dieser Duft kommt nicht
nur von der Blüte, sondern von der ganzen Pflanze. Vor ihrer Blütezeit
ist Salvia sclarea übrigens völlig geruchlos.
Der Muskateller-Salbei wird nur 2 Jahre alt. Er stirbt nach der Blüte
ab. Verkehrt wäre es, ihn nun zu schneiden. Erstens sehen die graubraunen
Blütenkerzen auch im Herbst und Winter sehr ansprechend aus. Zweitens
soll der Salbei ja Samen für die nächsten Jahre liefern.
Nun
gibt es bei Dieter Gaissmayer und anderen Staudengärtnern drei verschiedene
Muskateller-Salbei: den gewöhnlichen, dann die turkestanische
Varietät, mit großen, auffallenden Hochblättern und
intensiverer Färbung und schließlich die reinweiße Sorte
'Vatican
White'. Um sie reinerbig zu erhalten, müsste man die Sorten schon
sehr weit voneinander entfernt pflanzen. Sie sind begehrte Hummelpflanzen,
und die Insekten nehmen auf Sortenunterschiede keine besondere Rücksicht.
Nach ein paar Jahren dürften sich die Sorten kaum noch unterscheiden.
Bei zusagendem nicht zu kaltem Klima und steinig-sandigem Boden versamen
sich die Muskateller-Salbei ohne unser Zutun. Sind die Bedingungen ungünstig,
muss man sie aussäen und vorkultivieren.
Der
Steppen-Salbei
Man macht sich eine falsche Vorstellung, wenn man glaubt, Salvia
nemorosa bilde auch in den ostischen Steppen dichte Horste, wie in
unseren Gärten. Die Wildart ist sehr zurückhaltend, eher unbedeutend.
Alles, was der Steppen-Salbei heute bietet, haben ihm die Staudenzüchter
wie Foerster, Pagels und viele andere beigebracht. Aus der Steppe aber
kommt ihre Anspruchslosigkeit. Selbst auf kalkarmem Sand, bei Niederschlägen
um 500 mm gedeihen diese Salbei prächtig.
Mit
drei Sorten begann es im jamlitzer Garten: Mit 'Amethyst'
in entsprechender Farbe, mit 'Steppentraum' in Dunkelblau-Violett und
mit 'Ostfriesland' in kräftigem, ins Violett spielende Blau. Alle
drei bereiten Freude, auch ein zweites Mal im Herbst, wenn sie beizeiten
zurückgeschnitten wurden. Duften sie? Man würde sie beleidigen,
stritte man dies ab. Beim Schnuppern kommt vor allem ein herzhaft-herber
Blattduft an, der allerdings zur Blütenähre hin etwas blumiger
wird. Mit dem Duft des Muskateller-Salbei darf man den Steppen-Salbei-Duft
freilich nicht vergleichen.
Salvia nemorosa mit seinen vielen Sorten und Farben passt in
die Wildstauden-Freifläche, z.B. in eine Steppenheide. Da die Sorten
aber alle sehr horstig wachsen und sich nicht hemmungslos ausbreiten,
eignen sie sich auch hervorragend als Beetstauden, z.B. mit Achilleaen-Hybriden,
mit hohen Sedum-Sorten, oder, besonders schön, wie die eingangs geschilderte
Pflanzung in Weihenstephan. |