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Salvien
Es sind nicht immer die schönsten Erinnerungen einer frühen
Begegnung. In den 60er und 70er Jahren war es Mode, auf Gartenschauen
und in Stadtanlagen Farbflächen zu pflanzen. Das war einfach zu realisieren:
Es wurden keine höheren künstlerischen Ansprüche gestellt,
und die Anzucht war simpel. Ein „Farbmaterial“ war dabei immer
Salvia splendens, die aus dem tropischen Regenwald Brasiliens
stammt. Dort hätte man diese Salbeiart auch stehen lassen sollen:
Im Unterwuchs des Urwaldes, zwischen Farnen und vielen verschiedenen Kräutern
ist sie garantiert ein angenehmer Anblick.
Einige andere bei uns kurzlebige Salbeiarten lassen sich nicht so ohne
weiteres missbrauchen: z.B. der mehlige blaue Salbei, Salvia farinacea,
der Scharlachsalbei Salvia coccinea, oder der intensiv himmelblaue
Salbei Salvia patens. Alle drei sind eigentlich Stauden. Man
könnte sie im Kalthaus überwintern und danach wieder auspflanzen.
Ihr noch ursprünglicher, staudiger Charakter macht sie geeignet,
mit Beetstauden kombiniert zu werden.
Echte Stauden und Kleingehölze
Soviel
zu den etwas vergänglichen Salbeitypen. Wirklich begeistern kann
ich mich aber für die winterharten Stauden und Kleingehölze
unter den Salbei-Arten. Die Leidenschaft begann bei der Rückkehr
von einem botanischen Italienausflug. Zwischen Mittenwald und Garmisch,
auf
einer nach Süden geneigten Weidefläche steht jener Salbei,
den wir allgemein für Tees benutzen, Salvia officinalis.
Nichts ist leichter, als davon Stecklinge zu machen. Sie wachsen garantiert.
So geschah es mit diesem „Wildsalbei“, dem Dieter Gaissmayer
und ich den Namen 'Mittenwald' gegeben haben.
Ein zweiter Anstoß zur Beschäftigung mit Salbei waren das
Klima und der Boden im brandenburgischen Garten Jamlitz. Knapp über
500 mm Niederschlag und ein leicht humoser Sandboden versprachen Erfolge
mit Salbei. Salvia officinalis-Sorten wurden darum in den letzten
Jahren getestet. Hier einige Ergebnisse, die freilich nach so kurzer Zeit
keinen dauerhafte Aussage sein können.
Salbei im Test
'Mittenwald'
wuchs sehr gut, wurde aber in zwei Jahren kurz vor der Blüte massenhaft
von Blattläusen befallen. Die Blattläuse verderben einem die
Freude an der sonst wundervollen Salbeiblüte. Die gleiche Sorte steht
in Oberbayern und ist dort noch nie ein Opfer von Blattläusen geworden.
Opfer winterlicher Kälte und von Spätfrösten wurden Sorten
mit farbigen Blättern, 'Purpurascens'
und 'Icterina'.
Diese beiden aparten Sorten wachsen erfolgreich im wintermilden Nordwesten
Deutschlands und in Regionen mit sicherer Schneedecke.
Nach
zwei Wintern machten dagegen die Sorten 'Grete
Stölzle',
'Berggarten' und 'Würzburg' einen sehr guter Eindruck. Übertroffen
werden sie aber alle - was die Gesundheit und die Schönheit der Gestalt
und der Blütenrispen anbelangt - von der Sorte 'Extracta'.
Sind die Salbeiarten eigentlich Duftpflanzen? Nun, wer die Pflanze von
unten nach oben mit der Nase „abtastet“, wird feststellen
können, dass der sehr herbe, harzige und würzige Geruch der
Blätter und Stängel in den Blütenähren etwas süßlicher,
blumiger wird.
Eine Augen- und Nasenfreude auf Mauern
Wenn
man mehr den zierenden Wert von Salbei wünscht, etwa im Bereich einer
Mauer oder eines Steingartens, dann ist die mit Salvia officinalis
nah verwandte Art Salvia
lavandulifolia sehr zu empfehlen. An sonnigem Platz breitet sie
sich willig aus, blüht üppig und ist eine ansprechende Nachbarin
für Thymiane und Nelken. Als Tee eignet sich diese Art weniger gut.
Ihr fehlen einige Aromastoffe, die den typischen Salbeigeschmack ausmachen.
Ein Salbeigruß aus Spanien
Noch ein Wort zu einer weiteren nah verwandten Arten. Aus der Sierra
Nevada in Spanien kommt Salvia nevadense. Den Namen findet man
in keinem Katalog und auch in keinem Stauden- oder Gehölzverzeichnis.
Und dennoch scheint es diese Art zu geben. Oder handelt es sich nur um
eine Subspecies von Salvia officinalis? Ihre Blätter sind
feinsamtiger, nicht so runzelig, ihr Graugrün ist heller als das
der normalen Salbeiarten. Die Blütenstiele sind weich und biegen
sich herab, die Zahl der Blüten pro Ähre ist geringer. Auch
diese Art oder Unterart fühlt sich im märkischen Sand wie zu
Hause.
Von weiteren Salvien-Arten, vor allem den echten Stauden unter ihnen
handelt der nächste Beitrag. Lesen Sie
weiter...
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