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Steppenversuche
Das Ziel ist eine an das kontinentale Klima und den Sand angepasste,
sich selbst erhaltende Pflanzengesellschaft, die an osteuropäische
Weiten erinnern mag.
Richtig zu Haus fühlt sich auf diesem Boden Artemisia pontica.
Ähnliches kann man von Sedum hispanicum sagen, das alle
Lücken zwischen den Stauden ausfüllt. In Jamlitz erweist sich
dieses zweijährige Sedum als Volltreffer. Warum? Es verträgt
den Sand und die Trockenheit genauso wie der verwandte Mauerpfeffer, der
dort heimisch ist. Es brilliert flächig in drei Phasen mit drei Farben:
Das Blaugrün seiner Blättchen ist das ganze Jahr über wahrnehmbar.
Zur Blütezeit im Juni wird diese Farbe durch das etwas schmutzige
Weiß der Blüten überdeckt.
Gewissermaßen eine zweite Blüte stellen die reifenden Fruchtstände
dar. Sie sind von angenehmem rötlichen Braun. Die „Steppe“
wandelt ihr Gesicht ganz stark mit diesen Grundfarben durch Sedum
hispanicum. Im September sind zwei Entwicklungsphasen zu beobachten:
Erstens größere Pflanzen (1-2 cm hoch), die im kommenden Jahr
blühen und zweitens millimeter-große Pflänzchen, die gerade
aufgegangen sind und im übernächsten Jahr blühen werden.
Und noch eine Zweijährige macht in der Steppe von sich reden: Lychnis
coronaria! Die Kronlichtnelke, allerdings nicht die rote Form. Sie
würde bei Massenauftritten die Steppe stören. Die weiße
Kronlichtnelke passt wunderbar dazu. Sie blüht, wenn Sedum hispanicum
seine rötlichen Fruchtflächen präsentiert. Außerdem
hat diese Nelke silbrighelles Laub, das den Grundcharakter der Steppe
unterstreicht.
Nun stirbt Lychnis coronaria allerdings nach der Blüte ab,
nicht ohne sich zuvor ausgesamt zu haben. Es entstehen also „Löcher“
im Steppenteppich. Diese Löcher aber werden durch das Sedum hispanicum
schnell wieder besetzt. Es sei denn, und das habe ich immer wieder praktiziert,
man nutzt diese Stellen zum Pflanzen wilder Tulpen- oder Laucharten.
Als wahre Juwelen tun sich im April Sorten von Tulipa humilis
hervor, dicht am Boden aufsitzende dunkelrot mit gelber Mitte blühende
Tulpen. Drei Wochen früher blühen die gelben und sehr viel höheren
Tulipa turkestanica. Unter den Lauch-Arten haben sich das frühe
Allium nigrum, das hochsommerliche Allium sphaerocephalum
und, erstaunlicher Weise Schnittlauch, Allium schoenoprasum,
hervorgetan.
Schöne aber nicht ungefährliche Platzhalter
Auf Königskerzen kann man in der Steppe eigentlich nicht verzichten.
Und da klingt schon ein dunkler Unterton mit! Wenn
man sie nämlich gewähren lässt, muss man in Kauf nehmen,
dass einige Pflanzen im Umfeld, soweit, wie die Rosette reicht, abgedeckt
werden und eingehen. Solange es sich dabei nur um kurzlebige Arten handelt,
ist das zu verschmerzen. Werden dagegen Stauden durch die Rosetten abgedeckt,
sind die Verluste gravierender. Nach dem Entfernen der abgeblühten
Königskerzen, die in der Steppe als graubraune Großgestalten
noch durch den Winter hindurch imposant sind, nach dem Entfernen also
im Nachwinter ergeben sich Freiflächen mit einem Durchmesser bis
zu einem halben Meter.
Das ist nun eine passende Gelegenheit, die kurzlebigen Steppenbewohner
allmählich durch ausdauernde zu ersetzen. Oder gar durch Kleingehölze:
Prunus tenella z. B. oder Perovskia abrotanoides. Passend
wäre auch die zierliche Rosa pimpinellifolia, oder weißblühender
Ysop!
Allmählich nehmen die Stauden zu
Als Stauden sollten vor allem Gräser eingesetzt werden. Es soll
im kommenden Frühjahr versucht werden, dort im Umfeld wild vorkommende
verschiedene Festuca-Arten anzusiedeln.
Im Garten vorhanden und offenbar eine heimische Wildpflanze ist das blaublühende
Pseudolysimachion spicatum. Dieser Ehrenpreis hat sich von allein
in die „Steppe“ eingeschlichen und passt da natürlich
wunderbar hinein.
Auch das gelbblühende Sedum maximum ist in Jamlitz zu Haus,
kommt in größeren Stückzahlen auf alten Brachen vor. Diese
gelbe “Fette Henne“ wird etwa 30 bis 40 cm hoch, hat dicke
sukkulente Blätter und einen rötlichen Stiel. Die Sedum-Sorte
„Matrona“ erinnert trotz ihrer Riesengestalt etwas an diese
Art.
Erfreulich verlief auch das Experiment mit Iris variegata. Nachdem
sich diese Iris auf dem schweren eresinger Boden gequält hatte und
von anderen Pflanzen bedrängt
worden war, nahm ich sie nach Jamlitz mit. Im Sand breitete sie sich willig
aus und blühte üppig. Im Vergleich zu den verschiedenen Iris
barbata-Sorten ist sie keine Schönheit. Aber wenn man bedenkt,
dass ihr „Blut“ in all den Sorten steckt, dann hat sie einen
Ehrenpreis verdient, wenigstens in der Steppe!
Leicht begibt man sich in Gefahr, eine solche „Steppe“ mit
zu vielen Arten zu überladen. Um noch mehr unterzubringen, müsste
man sie einfach vergrößern. So fänd' ich es wunderbar,
die echten Iris pumila dort anzusiedeln. Bedenken: Sie wollen
wohl etwas Kalk. Oder wie wäre es mit Iris reichenbachii? |