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Die
Osterluzei,
Aristolochia clematitis, ist in vieler Hinsicht eine geheimnisvolle
Pflanze. Schon der Name, Osterluzei! Er bildete sich im deutschen Sprachraum
aus dem lateinischer Aristolochia, ähnlich wie Liebstöckel
aus Levisticum oder Odermennig aus Agrimonia. Zu Haus
war sie ursprünglich in den mediterranen Ländern. Nördlich
der Alpen wurde die Osterluzei
als Heilpflanze angebaut, ist dann aber in den Weinbaugebieten verwildert.
Spannend auch, wie sie kleine Insekten einfängt, sie am Boden ihrer
zunächst weiblichen Blüte durch Reusenhaare festhält und
sie erst wieder freilässt, wenn Pollen gebildet werden, also der
männliche Teil der Blüte aktiv wird. Mit Pollen überschüttet
beginnen die Insekten dann das Spiel von neuem.
In
Jamlitz hat die Osterluzei nun endlich einen Platz, an dem sie gedeiht.
Im oberbayerischen Garten litt sie unter der Kälte, vor allem aber
unter den Schnecken. Jetzt steht sie im Jamlitzer „Weingarten“.
Sandiger, trockener, mit Bauschutt durchsetzter Boden, eine Mauer im Rücken
und die Sonne von vorn, da scheint sie sich richtig wohl zu fühlen.
Der Weingarten
Die Bezeichnung hat einen Bezug zur Vorgeschichte des Grundstücks.
Bis zur Reblaus-Invasion in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts ist dort
auf dem Südhang vermutlich Wein gebaut worden. Reste des märkischen
Weinbaues findet man noch in Werder bei Potsdam und in Westpolen, der
ehemaligen Neumark.
Auf dem Jamlitzer Grundstück nennen wir die zwei Terrassen an der
Südseite des Hauses „Weingarten“, und es wachsen dort
natürlich auch zwei Reben! Was den besonderen Reiz dieses kleinen
Geländes ausmacht, sind die z.T. alten Mauern und das sich daraus
ergebende Kleinklima. Endlich ein Platz für ein paar typische Begleitpflanzen
des Weinbaues.
Stauden,
die die Wärme lieben
Neben der Osterluzei hat ein Origanum rotundifolium, hopfenblütiges
Origanum,
zum zweiten Mal gut überwintert und an Volumen mächtig zugenommen.
Der wilde Centranthus
ruber, die Spornblume, als Samen vor Jahren vom Wildstandort
aus Italien mitgebracht, scheint sich auch wohl zu fühlen, obwohl
sie sich in Jamlitz nicht so üppig aussamt wie in Bayern. Prachtvoll
haben im April die Traubenhyazinthen (Muscari armeniacum) geblüht
und sie sind im Begriff, sich durch Samen auszubreiten. Die Weinbergstulpe,
Tulipa sylvestris, fehlt noch, muss noch gepflanzt werden.
Für verschiedene Iris
barbata sind diese Südmauern einfach ideal. Gekrönt
wird die Anlage durch eine bea/seiten/gestalten_mit_stauden/chtliche Staude der Iris florentina,
die unter den hohen Irissen
den Anfang macht. Daneben Iris pallida in Hellblau, 10 Tage später.
Eine merkwürdige, leider nicht duftende Iris fand ich vor 35 Jahren
auf einer bayerischen Waldlichtung. An der Stelle muss einmal ein Garten
gewesen sein. Bekommt diese Iris Sonne, dann blüht sie überreich
und breitet sich mächtig aus. In der Literatur fand ich später
die Bezeichnung Iris squalens. Wie bei Iris florentina, Iris
pallida, Iris germanica oder der schönen, einfachen Iris
flavescens, gelb und reich blühend, handelt es sich um alte,
in sich stabile Bastard-Formen
unbekannten Ursprungs. Südliche Mauern, wie bei Burgen sind der ideale
Standort für solch alte Kulturpflanzen.
Zwischen den Irissen haben sich mächtige Horste Ysop entwickelt,
Hyssopus officinalis 'Albus', 'Roseus' und die etwas niedrigere
tiefblaue Subspecies aristatus. Ysop
ist zwar ein wichtiges Gewürz und Küchenkraut, man sollte es
aber viel mehr zu gestalterischen Zwecken heranziehen, so wie Lavendel.
Das Gleiche lässt sich vom gewöhnlichen Salbei
sagen, von Salvia officinalis, z.B. vom Findling 'Mittenwald',
der stattliche Horste bildet und wunderbar blüht.
Zuletzt
sei ein Lippenblütler erwähnt, dem es an der Südmauer offenbar
sehr gut gefällt: Sideritis syriaca. In Albanien bekommt
man ihn in Bündeln getrocknet auf den Märkten zu kaufen. Es
ist dort ein wichtiger Tee, der auf trockenen, steinigen Bergwiesen gesammelt
und zu Haus getrocknet wird. Dieser Griechische
Bergtee hat helle, filzige Blätter, und wo er gut gedeiht, sollte
man auch bei uns den schmackhaften Tee versuchen.
Was sich von alleine eingefunden hat
Wenn der Boden etwas verfestigt ist, stellt sich Mauerpfeffer ein, dieses
angenehme, in Grenzen trittfeste Sedum acre. Wo es unbehelligt
wachsen darf, bildet es bald Quadratmeter große Flächen, die
besonders zur Blütezeit sehr gelb und sehr hübsch anzuschauen
sind. Als Wildpflanze gefährlicher gebärdet sich die Ackerglockenblume,
Campanula rapunculoides. Sie verbreitet sich mit unterirdischen
Ausläufern und wird zu einer
manchmal bedrängenden Konkurrenz. Andererseits überzeugt sie
den Betrachter durch ihre schönen, nach einer Seite ausgerichteten
hellviolettblauen Blütenrispen. Man muss hin und wieder eingreifen!
Zu einer ausgesprochenen „Wild“-Pflanze hat sich eine Löwenmaul-Art
entwickelt, von der ein Freund Samen von der Insel Malta mitbrachte. Die
Staude ist in milden Wintern hart, bei unter minus 20 Grad gefährdet.
Das macht aber nichts, weil sie im Herbst eine Menge Samen ausstreut.
Man muss sich dann im Frühjahr löwenmaulfreie Partien schaffen,
um überhaupt noch gehen zu können.
Im Aussehen ähnelt sie Antirrhinum majus, auch im Spiel
der Farben. Die Blütenkerzen sind aber nicht so dicht besetzt, wie
beim gewöhnlichen Löwenmaul. Der überwintert, wenn er günstig
an der Mauer zu stehen kommt, auch ohne Probleme, genauso wie hoffentlich
der Goldlack, den ich in diesem Frühjahr dort angesiedelt habe. |