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Gartennotizen aus Eresing

von Christian Seiffert , 28. Mai 2010

Thalictrum aquilegifolium

 

Wandergesellen in Eresing

Dass der Garten jetzt 25 Jahre alt ist, sieht man an seinen Bäumen: einem Boskoop, ein paar Kiefern, einer Eibe und einem inzwischen gigantischen Haselnussbaum. Selbst ein paar Buchsbäume, Felsenbirnen und eine Kornelkirsche sind Schatten werfende Großsträucher geworden. Damit hat sich der Garten zum Lebensbereich Gehölz und Gehölzrand entwickelt.
Kein Wunder, dass sich die dazu passenden Stauden wohl fühlen und einen enormen Ausbreitungsdrang an den Tag legen.

AkeleiJetzt Ende Mai stehen die Maiglöckchen in Vollblüte. Sie kommen an verschiedenen Stellen vor, aber am Eingangsbereich haben sie eine große Fläche erobert, ohne unter Lenzrosen und Taglilien Schaden anzurichten. Zur Zeit blühen sie üppig und wetteifern mit anderen Wanderern, den Akeleien.
Den Anfang machte Samen von Aquilegia atrata von einer trentiner Bergwiese. Bald aber kreuzten sich die "Atrata-Gene" mit "Vulgaris-Blut" und inzwischen sind wohl alle Akelei-Töne zwischen Weiß und tiefem Schwarzviolett vertreten. Selbst wenn wir die Samenbildung durch rechtzeitigen Schnitt vereitelten, es wären noch immer genügend Samen aber auch Pflänzchen für Jahrzehnte im Boden.

Hemerocallis asphodelusNicht weit von hier in einem Auwald ist die Wiesenraute, Thalictrum aquilegifolium zu Haus. Ein paar Samen, in unseren Garten eingebracht, haben eine Frühsommerpracht in den Halbschattenpartien ausgelöst. Die Blütenfarben dieser Wildart reichen von Weiß über Rosa bis Hell-Lila. An der Westseite des Hauses, unter dem Apfelbaum teilen sie sich den Platz mit der hellgelben Wiesentaglilie Hemerocallis lilioasphodelus. Beide sind Wanderer, die Taglilie meist mit Ausläufern, die Wiesenraute durch Samen. Als Konstante, nicht wandernd, steht dazwischen eine Silberkerze, Cimicifuga racemosa.

Gerade beginnt auch die Blüte des Blutstorchschnabels. Es ist merkwürdig, überall, wo er plötzlich erscheint, sieht er wie absichtlich hingepflanzt aus. Da, wo er steht, kommt auch immer ein Strahl Sonne hin. Der Blutsstorchschnabel Geranium sanguineum versamt sich gerne und sorgt am sonnigen Gehölzrand für freudenvolle Anblicke.
Dass unsere Walderdbeeren noch nicht einmal grüne Früchte zeigen, bemängeln unsere Enkel. Sie warten sehnsüchtig auf die herrlich schmeckenden kleinen Erdbeeren. An Pflanzen mangelt es nicht. Die Walderdbeeren, es war einmal eine Pflanze, befinden sich jetzt überall im Garten, ein Beweis dafür, dass sie sich durch Ausläufer aber auch durch Samen vermehren, und dies reichlich.

Aruncus dioicusEine weitere, zum "Bodendecker" sich berufen fühlende Kleinstaude ist der Günsel Ajuga reptans. Ob in voller Sonne oder im Halbschatten, der Günsel mag den sandig-lehmigen z.Zt. meist sehr feuchten eresinger Boden. Er verdrängt keine Nachbarn, füllt aber alle Lücken.

Eine Wald-Großstaude gibt mir Rätsel auf. Seit über 20 Jahren haben wir im Schatten einer Nachbargerage und einer Eibe einen Waldgeisbart stehen. Im vorigen Jahr, nach 18 Jahren, tauchten zum ersten Mal Sämlinge auf. Aruncus dioicus ist, der Name sagt es, zweihäusig, unsere Staude aber männlich. Wo kommen auf einmal die Kinder her? Trotz des Nachwuchses darf man den Waldgeisbart nicht zu den Wanderern zählen. Eher im Gegenteil, er ist eine Konstanze von sehr langer Lebensdauer und optischer Bedeutung, so wie eine Silberkerze. Er blüht gleichzeitig mit dem Holunder und den Wiesenrauten: zauberhafte Anblicke!

 

  Vermehrung Bewertung Maßnahmen
Acanthus hungaricus Samen harmlos und schön am falschen Ort jäten
Ajuga reptans Ausläufer/Samen harmlos und schön am falschen Ort jäten
Alchemilla mollis Samen Vorsicht, verdrängend nach Blüte schneiden
Anemone tomentosa 'Robustissima' Ausläufer schön / verdrängend Spielraum begrenzen
Aquilegia Atrata-Hybriden Samen harmlos und schön am falschen Ort jäten
Arum maculatum Samen schöne Waldpflanze notfalls Sämlinge jäten
Aruncus dioicus Samen schöne Großstaude Sämlinge u.U. verpflanzen
Brunnera macrophylla Samen schön / manchmal lästig nach Blüte schneiden
Campanula persicifolia Ausläufer / Samen harmlos und schön wachsen lassen
Centranthus ruber Samen harmlos und schön am falschen Ort jäten
Centaurea montana Samen harmlos und schön am falschen Ort jäten
Convallaria majalis Ausläufer selten lästig wachsen lassen
Cymbalaria muralis Samen / Ausläufer schön / oft lästig am falschen Ort jäten
Erodium x hybridum Samen harmlos und schön wachsen lassen bzw. jäten
Euphorbia polychroma Samen harmlos und schön wachsen lassen bzw. jäten
Fragaria vesca Ausläufer / Samen Lückenfüller am Gehölz wachsen lassen bzw. notfalls jäten
Geranium sanguineum Samen harmlos und schön wachsen lassen bzw. notfalls umsetzen
Helleborus foetidus Samen harmlos und schön Sämlinge verpflanzen oder jäten
Helleborus Orientalis Hybr. Samen harmlos und schön notfalls jäten
Hemerocallis lilioasphodelus Ausläufer / Samen harmlos und schön notfalls verpflanzen
Linaria purpurea Samen schön, aber Unkraut nach Blüte schneiden
Luzula nivea Samen / Ausläufer nie lästig wachsen lassen
Lysimachia tyrsiflora Ausläufer in Wasser expansiv Triebe oft reduzieren
Myrrhis odorata Samen harmlos und schön am falschen Ort jäten
Origanum vulgare Samen harmlos und schön am falschen Ort jäten
Paeonia officinalis Samen harmlos und schön am falschen Ort jäten
Saponaria officinalis Ausläufer / Samen gefährlich jäten und schneiden / schwächen
Talictrum aquilegifolium Samen harmlos und schön am falschen Ort jäten
 
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