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Geschichten aus dem Forsthausgarten

von Angelika Traub, 07. August 2015

Vom Wetter - und einer Diva, die keine sein will

Dieses Gartenjahr hat bisher mit Wetterextremen wahrlich nicht gespart. Zähe Kälte und extreme Trockenheit kennzeichneten das Frühjahr hier bei uns in der Mitte bis in den Norden des Landes. Im Süden kamen zur Kälte nicht enden wollende Regenfälle, über die sich - so wichtig Niederschläge im Frühjahr auch sind - irgendwann niemand mehr freuen konnte. Auf Nässe folgten lange heiße Wochen ohne einen Tropfen Regen. Der bis dahin mit Wasser überverwöhnten, üppigen Vegetation macht das schwer zu schaffen. Oberhalb des "Weißwurstäquators" beutelt seit Wochen ein Zickzackkurs von glühender Hitze, ungewöhnlich schweren Unwettern und Kälteeinbrüchen die Natur, aber es fiel immerhin ein wenig Regen. Der gespenstische Wachstumsstopp, den sich viele Gehölze und Stauden selbst verordneten, hatte so ein Ende, und einiges konnte aufgeholt werden.

Unwetter im Forsthausgarten

Wir werden lernen müssen, mit dem sich ändernden Klima zurecht zu kommen, auch wenn trotz diverser wissenschaftlicher Theorien und Rechenmodelle nicht wirklich vorhersagbar ist, wohin diese längst nicht mehr aufzuhaltende "Reise" geht.

Was bedeutet das für unsere Gärten? Nicht alle Pflanzen sind in der Lage, sich dem immer unzuverlässiger werdenden Wettergeschehen anzupassen. Wie soll das auch gehen? Genetische Langzeitgedächtnisse lassen sich nun mal nicht in der Geschwindigkeit eines erdgeschichtlichen Wimpernschlages verändern. Das heißt für uns Gartenleute, umso aufmerksamer Verhalten und Gartentauglichkeit der Pflanzen zu beobachten.

neue Vielfalt

Eine nie da gewesene Vielfalt gärtnerischer Möglichkeiten macht das - sehen wir die Entwicklung hier doch auch ein wenig positiv - zur spannenden Feldforschung. Ohne "trial and error" ging es aber auch bisher nicht. Das liest man übrigens selten in den vielen Gartenbüchern, die ständig auf den Markt drängen und stets mit atemberaubenden Fotos den Zenit der Schönheit präsentieren. Aber, besonders Gartenneulinge sollten sich ob dieser unerreichbar erscheinenden Perfektion nicht einschüchtern lassen! Auch im schönsten, noch so fachkundig angelegten Garten sind das mehr oder weniger kurze Glücksmomente im Rhythmus des Wachsens, Werdens und Vergehens. Ein Garten ist kein Bild, sondern Dialog, Prozess, Leben - und immer wieder Überraschung. Auch bei richtiger Standortwahl geschieht es schon mal, dass etwas einfach nicht gedeihen will, oder man erlebt umgekehrt die schöne Überraschung, Pflanzen im Beet zu haben, die auch in Sommern wie diesem ohne jede Unterstützung makellos und kerngesund dastehen - das ist dann die erfreuliche Seite der Geheimnisse, die unsere Gärten manchmal für sich behalten.

Kalimeris incisa 'Madiva' mit Echinacea 'Magnus'So einen unerschütterlichen Gartenschatz möchte ich Ihnen heute ans Herz legen. Die Feuerprobe nicht nur dieses Sommers hat meine "Diva", die das Divenhafte wirklich nur im Namen trägt, bravourös bestanden - trotz vieler knochentrockener Wochen steht sie auch dieses Jahr gesund und ohne das kleinste Anzeichen von Mangel im Beet: Kalimeris incisa "Madiva", die zur kleinen Gattung der Schönastern gehört. Beheimatet in Ostasien, findet man sie interessanterweise aber auch auf Hawaii am Naturstandort. Erstmals beschrieben wurde Kalimeris im Jahr 1825 von Alexandre de Cassini, einem französischen Botaniker. Umso erstaunlicher finde ich es, dass man ihren Gartenwert erst spät erkannte. Besonders "Madiva" ist aufgrund ihrer Ausstrahlung und vieler guter Eigenschaften mittlerweile häufig auf großen Gartenschauen zu sehen.

Kalimeris mongolica 'Antonia' - Blaue SchönasterEs kamen inzwischen weitere Sorten hinzu. Das Farbspektrum reicht von Weiß über strahlend Hellblau bis hin zur apart rötlich-violetten "Antonia", die in der Staudengärtnerei Gaißmayer ausgelesen wurde. Die lange Blütezeit aller Sorten und Höhen von 50-150 cm lassen keine Wünsche offen. Sie können den "schönen Astern" einen sonnigen oder halbschattigen Platz anbieten. Sowohl Lehm - als auch Sandböden sind ihnen recht. Gute Erde und nicht zu trockene Standorte sollte man bevorzugen. Aber auch mit ärmeren Verhältnissen kommen sie zurecht, bleiben dann jedoch etwas zierlicher. Mein Liebling "Madiva" bildet einen kräftigen, nicht wuchernden Horst von 80 cm Höhe, beschenkt uns von Juli bis in den Oktober hinein mit einem weithin leuchtenden Blütenmeer von zartlila überhauchten Blüten, die allmählich ganz zu weiß verblassen. Sie fügt sich trotz ihrer Stattlichkeit in die verschiedensten Pflanzungen harmonisch ein, ist langlebig, kerngesund, von legendärer Standfestigkeit - und verabschiedet sich im Herbst zu allem Überfluss auch noch mit einer leuchtend gelb-orangen Laubfärbung.

Ach, fast hätte ich's vergessen - unsere braunschleimigen Feinde mögen sie rein gar nicht - ich tu es dafür umso mehr!

Für heute macht die Gärtnerin Feierabend - bis zum nächsten Mal!

Angelika Traub macht Feierabend

 
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