Home gaissmayer eshop

Gartennotizen aus Jamlitz

von Christian Seiffert

 

Agastache Hybride 'Blue Fortune' - DuftnesselAbenteuer Agastachen

Begegnet bin ich den Agastachen im jamlitzer Garten, den ich einen Monat nicht gesehen hatte. Ein Gärtner darf nicht reisen, heißt es. Woher aber soll er dann seine Anregungen holen? Andererseits merkt er bei ständiger Anwesenheit gar nicht, wie rasant sich die Pflanzenwelt in kürzester Zeit verändert.

Als ich Anfang Juli Jamlitz verließ, ahnte ich, dass es ein Agastachenjahr geben könnte. Aber was sich dann Anfang August an agastachoidem Wahnsinn dem Auge bot, das geht auf keine Kuhhaut. Also: Agastachen gedeihen besonders gut in trockenem Sand.

Ayala, eine vielversprechende Staude

Agastache Hybride 'Ayala (Mexikanerin)'Die im Frühjahr gepflanzte neue Hybride 'Ayala' ist noch zahm, wird erst im 2. Jahr so richtig zur Entfaltung kommen. Sie hat den Vorteil und den Nachteil, keine Samen zu bilden. Entstanden ist sie aus einer Kreuzung von Agastache mexicana mit Agastache foeniculum. Der Farbton ihrer Blütenähren geht ins Rötlich-Violette. 'Ayala' ist mit der Sorte 'Mexikanerin', die ebenfalls gehandelt wird, identisch.

Blaue Kerzen zwischen Gaura und Cosmos

Die Überraschungen aber gab es mit anderen Arten und Sorten. Handelt es sich um Agastache rugosa, handelt es sich um Agastache foeniculum? Handelt es sich um Hybriden? Von sterilen Hybriden kann allerdings nicht die Rede sein, denn sie samen sich reichlich aus, und die Sämlinge blühen bereits im Folgejahr. Sie sind eine Pracht, von intensiv blau-violetter Farbe und einem verhaltenen minzhaften Duft, den die ganze Pflanze hergibt, und der zur Blüte hin wie bei den Salbeiarten etwas ins Süßliche geht.

Eine Monster-AgastacheEine Monster-Agastache

Um zum Höhepunkt der Agastachen-Überraschungen zu gelangen: Vor 2 Jahren erstand ich eine Agastache nepetoides. Auch sie, so steht in „Die Freiland-Schmuckstauden“ wird 80 bis 120 cm hoch und entspricht damit dem Normalmaß von Agastachen.

Der jamlitzer Sandboden scheint aber ein besonderes Wuchshormon zu enthalten, denn bei mir wird diese Art 190 cm groß! Sie überragt damit alle anderen Stauden im Garten. Eine ausgesprochene Schönheit ist sie nicht, aber eine imposante, dekorative Gestalt. Ihre Ähren sind weißlich, ihre Stiele stark vierkantig. Die Mutterpflanze bildete in diesem Jahr ca. 15 Triebe. Mutterpflanze? Ja, denn inzwischen hat sich diese „Agastache nepetoides“ durch Samen vermehrt.

Die Kinder, noch ein- oder zweistielig, unterscheiden sich von der Mutter in der Größe kaum, wohl aber in der Blütenfarbe, die ganz leicht ins Rosa tendiert. Nehmen wir mal an, dass es sich nicht um Kreuzungen mit anderen Agastachen aus dem Garten handelt, sondern um die normale farbliche Streuung, die bei Sämlingen immer vorkommen. Übrigens die Blätter dieser Großstaude sind eiförmig, stark gezackt, in einer Spitze auslaufend. Im Unterschied zu den Blättern der violett blühenden Arten, ein leichter Anisgeruch ist bei ihnen unverkennbar, sind diese fast geruchlos, dafür aber 12 cm lang!

Von Insekten umlagert...Von Insekten umlagert

Bei warmem, sonnigen Wetter werden alle Agastachen nicht nur von Hummeln angeflogen. Der Besuch verschiedener Tagfalter ist überwältigend schön: Tagpfauenaugen, Große und Kleine Füchse, Kaisermäntel und Admirale etwas später am Tag suchen Nahrung in den verschiedenen Agastachen. Der Schmetterlingsbesuch lässt sich mit dem auf den Buddlejen durchaus messen. Und an solchen warmen Hochsommertagen ahnt man auch, warum so viele Schmetterlinge diese Stauden aufsuchen: Unsere Menschennasen sind zwar sehr viel unzulänglicher als die Geruchsorgane der Schmetterlinge, dennoch kann man einen leicht würzigen Duft schwebend über den Pflanze wahrnehmen.

Agastachen sind Neuland!

Agastachen sind für die Gärten erst sehr spät entdeckt worden, zumindest in Europa. So werden sie z.B. in Hansens „Die Stauden und ihre Lebensbereiche“, Agastachen mit Schmetterlingenerschienen Anfang der 80er Jahre, nicht einmal am Rande erwähnt. Die 20 Arten kommen in Nordamerika und Mexiko wild vor, nur eine Art, Agastache rugosa kommt aus dem chinesisch-japanischen Raum. Die deutsche Bezeichnung „Bergminze“ ist leer und nichtssagend. Sie zeugt von zu schneller Namensgebung. Auch Duftnessel ist nicht sehr einfallsreich. Noch schlimmer ist die botanische Bezeichnung Agastache. Im täglichen Umgang betonen wir ja das 3. A, also Agastache. Offiziell müsste man aber Agastache betonen, was die Sache noch schlimmer macht, ein Halsbrecher erster Güte!

Agastachen sind ein junges und unausgegorenes Potential für Staudengärtner und Staudenzüchter. Vieles geht noch durcheinander und bedarf der sorgfältigen Klärung. Die Hybride 'Ayala' ist ein erster Anfang. Und dann bitte schön braucht es gute Namen! Leser dieses Beitrages und Kenner der Agastachen sollten sich Gedanken darüber machen!

 
zurück zur Hauptseite

nach oben | Home | Staudengärtnerei Gaißmayer GmbH & Co. KG |