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Abenteuer
Agastachen
Begegnet bin ich den Agastachen
im jamlitzer Garten, den ich einen Monat nicht gesehen hatte. Ein Gärtner
darf nicht reisen, heißt es. Woher aber soll er dann seine Anregungen
holen? Andererseits merkt er bei ständiger Anwesenheit gar nicht,
wie rasant sich die Pflanzenwelt in kürzester Zeit verändert.
Als ich Anfang Juli Jamlitz verließ, ahnte ich, dass es ein Agastachenjahr
geben könnte. Aber was sich dann Anfang August an agastachoidem Wahnsinn
dem Auge bot, das geht auf keine Kuhhaut. Also: Agastachen gedeihen
besonders gut in trockenem Sand.
Ayala, eine vielversprechende Staude
Die
im Frühjahr gepflanzte neue Hybride
'Ayala' ist noch zahm, wird erst im 2. Jahr so richtig zur Entfaltung
kommen. Sie hat den Vorteil und den Nachteil, keine Samen zu bilden. Entstanden
ist sie aus einer Kreuzung von Agastache mexicana mit Agastache
foeniculum. Der Farbton ihrer Blütenähren geht ins Rötlich-Violette.
'Ayala' ist mit der Sorte 'Mexikanerin', die ebenfalls gehandelt wird,
identisch.
Blaue Kerzen zwischen Gaura und Cosmos
Die Überraschungen aber gab es mit anderen Arten und Sorten. Handelt
es sich um Agastache rugosa, handelt es sich um Agastache
foeniculum? Handelt es sich um Hybriden? Von sterilen Hybriden kann
allerdings nicht die Rede sein, denn sie samen sich reichlich aus, und
die Sämlinge blühen bereits im Folgejahr. Sie sind eine Pracht,
von intensiv blau-violetter Farbe und einem verhaltenen minzhaften Duft,
den die ganze Pflanze hergibt, und der zur Blüte hin wie bei den
Salbeiarten etwas ins Süßliche geht.
Eine
Monster-Agastache
Um zum Höhepunkt der Agastachen-Überraschungen zu
gelangen: Vor 2 Jahren erstand ich eine Agastache nepetoides.
Auch sie, so steht in „Die Freiland-Schmuckstauden“ wird 80
bis 120 cm hoch und entspricht damit dem Normalmaß von Agastachen.
Der jamlitzer Sandboden scheint aber ein besonderes Wuchshormon zu enthalten,
denn bei mir wird diese Art 190 cm groß! Sie überragt damit
alle anderen Stauden im Garten. Eine ausgesprochene Schönheit ist
sie nicht, aber eine imposante, dekorative Gestalt. Ihre Ähren sind
weißlich, ihre Stiele stark vierkantig. Die Mutterpflanze bildete
in diesem Jahr ca. 15 Triebe. Mutterpflanze? Ja, denn inzwischen hat sich
diese „Agastache nepetoides“ durch Samen vermehrt.
Die Kinder, noch ein- oder zweistielig, unterscheiden sich von der Mutter
in der Größe kaum, wohl aber in der Blütenfarbe, die ganz
leicht ins Rosa tendiert. Nehmen wir mal an, dass es sich nicht um Kreuzungen
mit anderen Agastachen aus dem Garten handelt, sondern um die
normale farbliche Streuung, die bei Sämlingen immer vorkommen. Übrigens
die Blätter dieser Großstaude sind eiförmig, stark gezackt,
in einer Spitze auslaufend. Im Unterschied zu den Blättern der violett
blühenden Arten, ein leichter Anisgeruch ist bei ihnen unverkennbar,
sind diese fast geruchlos, dafür aber 12 cm lang!
Von
Insekten umlagert
Bei warmem, sonnigen Wetter werden alle Agastachen nicht nur
von Hummeln angeflogen. Der Besuch verschiedener Tagfalter ist überwältigend
schön: Tagpfauenaugen, Große und Kleine Füchse, Kaisermäntel
und Admirale etwas später am Tag suchen Nahrung in den verschiedenen
Agastachen. Der Schmetterlingsbesuch lässt sich mit dem
auf den Buddlejen durchaus messen. Und an solchen warmen Hochsommertagen
ahnt man auch, warum so viele Schmetterlinge diese Stauden aufsuchen:
Unsere Menschennasen sind zwar sehr viel unzulänglicher als die Geruchsorgane
der Schmetterlinge, dennoch kann man einen leicht würzigen Duft schwebend
über den Pflanze wahrnehmen.
Agastachen sind Neuland!
Agastachen sind für die Gärten erst sehr spät entdeckt
worden, zumindest in Europa. So werden sie z.B. in Hansens „Die
Stauden und ihre Lebensbereiche“, erschienen
Anfang der 80er Jahre, nicht einmal am Rande erwähnt. Die 20 Arten
kommen in Nordamerika und Mexiko wild vor, nur eine Art, Agastache
rugosa kommt aus dem chinesisch-japanischen Raum. Die deutsche Bezeichnung
„Bergminze“ ist leer und nichtssagend. Sie zeugt von zu schneller
Namensgebung. Auch Duftnessel ist nicht sehr einfallsreich. Noch schlimmer
ist die botanische Bezeichnung Agastache. Im täglichen Umgang
betonen wir ja das 3. A, also Agastache. Offiziell
müsste man aber Agastache betonen, was
die Sache noch schlimmer macht, ein Halsbrecher erster Güte!
Agastachen
sind ein junges und unausgegorenes Potential für Staudengärtner
und Staudenzüchter. Vieles geht noch durcheinander und bedarf der
sorgfältigen Klärung. Die Hybride 'Ayala' ist ein erster Anfang.
Und dann bitte schön braucht es gute Namen! Leser dieses Beitrages
und Kenner der Agastachen sollten sich Gedanken darüber machen!
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