Wer
kennt das nicht: Der Winter will kein Ende nehmen. Ungeduldige Gärtnerinnen
und tatendurstige Gärtner verkürzen sich die lange Wartezeit
mit Stöbern in Gartenbüchern und Katalogen der Staudenversender.
Vor ihrem geistigen Auge entsteht ein prachtvoller Frühlingsgarten,
gerade so wie ihn die gestylten Fotos der edlen Gartenbände zeigen.
Die begehrten Lieblingspflanzen werden bestellt, und wieder heißt
es warten.
Nicht selten ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Kommen die bestellten
Pflanzen endlich an, ist der Frühling oft schon da. Der Traum von
der frühlingshaften Blütenpracht sieht sich mit der Realität
der spärlich blühenden Jungpflanzen konfrontiert. Der einzige
Blütentrieb des Tränenden Herzens ist zudem beim Einpflanzen
abgebrochen. Ausgeträumt? Falsch geträumt!
Menschen
und Stauden haben Gemeinsamkeiten, sie sind Lebewesen, brauchen Geduld
und dürfen nicht überfordert werden. Für Frühlingsblüher
kann das bedeuten, dass sie, im Frühling gepflanzt, ihre Potenziale
im Jahr der Pflanzung noch gar nicht entwickeln können. Dafür
ist die Zeit viel zu kurz. Was liegt also näher, als den Stauden
hinreichend viel Zeit zu geben, sich mit ihrem neuen Standort vertraut
zu machen?
Im Herbst gepflanzt, bleibt den Frühjahrsblühern vor dem Frosteinbruch
genügend Zeit, an ihrem neuen Standort Wurzeln zu schlagen, sich
zu etablieren und sich zu entwickeln. So kann es also durchaus zu den
angenehmen Seiten des Gärtnerlebens gehören, mit Phantasie und
Kreativität im Vergehen des Herbstes den Neubeginn des Frühlings
anzulegen.
Was
in der Zeit der kürzer werdenden Tage gepflanzt wird, wird den Winter
gut überstehen und schon im nächsten Frühling an seinem
neuen Standort prachtvoll austreiben. Und so heißt die Devise: „Im
Herbst den Frühling pflanzen!“ Auf diese Art umgesetzt, können
wir davon ausgehen, dass aus unserer Phantasie erfahrbare Gartenwirklichkeit
wird.
Natürlich haben wir einige Tipps für Ihren Frühlingsgarten:
Einen berauschend frühlingshaften Farbdreiklang bilden die blauen
Blüten des Kaukasus-Vergissmeinnichts (Brunnera macrophylla)
mit dem reizend-altmodisch wirkenden Tränenden Herzen ( Dicentra
spectabilis) und den weithin leuchtenden grün-gelben Blüten
der Gold-Wolfsmilch (Euphorbia polychroma).
Wer
es eher klassisch-zurückhaltend liebt, kombiniert vielleicht die
weiße Form des Tränenden
Herzens mit Brunnera macrophylla ’Hadspen Cream’,
einer aparten Sorte des Kaukasus-Vergissmeinnichts
mit panaschiertem Laub. Oder der entscheidet sich für die wunderhübschen
Zwerg-Herzblumen
(Dicentra formosa und Dicentra exima), die nicht nur
unterschiedliche Blüten- und Laubfärbung, sondern auch durch
eine sehr lange Blütezeit bezaubern.
Sehr empfehlenswert und immer noch etwas Besonderes ist die Walzen-Wolfsmilch
(Euphorbia myrsinites), die bereits im Winter mit ihrem perfekt
schuppenförmigen blaugrünen Laub erfreut. Oder Euphorbia
cyparissias ’Fens Ruby’ mit dem schönen Kontrast
der roten Blätter beim Austrieb zu den zitronengelben Blüten.
Auch für die beliebten Frühlingspolsterblüher wie die
Blaukissen
(Aubrieta), Steinbrech (Alyssum) und die betörend
duftenden Wald-Phloxe
(Phlox divaricata) ist der Herbst die richtige Pflanzzeit. Keinesfalls
sollten Stauden fehlen, die durch ihr immergrünes Laub mit schöner
Färbung bereits dem winterlichen Garten Leben und Struktur verleihen.
Hier möchten wir Ihnen besonders die zierlichen Elfenblumen
(Epimedium), deren Blüten dem Namen alle Ehre machen, und
die immer noch unterschätzten Bergenien ans Herz legen. Gerade Bergenien
können durch ihre winterliche Laubfärbung und ihre Blütenpracht
im Frühling eine große Bereicherung sein.
Auch frühlingsblühende schattenverträgliche Bodendecker wie das Frühlingsgedenkemein
mit seinen Vergissmeinnicht-Blüten in einem unwahrscheinlich klaren,
leuchtenden Blau (Omphalodes verna), die gelb blühende Waldsteinie
(Waldsteinia ternata und W. geoides) und das Immergrün
(Vinca) mit Blüten in allen Farben danken es Ihnen, wenn
sie im Herbst gepflanzt werden.
Und sicher findet sich in Ihrem Garten auch noch ein Plätzchen für
die liebenswerten traditionellen Frühlingsboten: Veilchen, Primeln
und Maiglöckchen. Wer kann sich denn einen Frühling ohne Veilchen,
Primeln
und Maiglöckchen
vorstellen?
Sie möchten dennoch Stauden lieber kaufen, wenn sie in ihren Töpfen
blühen? Es stört Sie, wenn die gelieferten Stauden im Herbst
bereits eingezogen sind? Sie glauben nicht, dass man die Qualität
einer Staude an dem gut durchwurzelten Ballen erkennen kann? Dann pflanzen
Sie eben die Frühjahrsblüher im Frühling. Aber auf eine
üppige Blüte im darauf folgenden Jahr müssen Sie leider
warten...
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