| Beete in nur einer Farbe zu gestalten, gehört eher zu den ungewöhnlichen
Aufgaben. Es hat nichts mehr mit einer natürlichen Gestaltung zu tun,
da man die Lebensbereiche der Pflanzen dabei meist ziemlich durcheinander
würfelt. Trotzdem ist es sinnvoll, sich über die Wirkung der Farben
bewusst zu sein. Das geht am besten, wenn man sich jede Farbe einzeln vornimmt.
Inwieweit ein Farbbeet formal gefasst oder eher frei in eine Rabatte integriert
wird, steht jedem frei. Diverse Varianten sind denkbar. Wichtig ist aber,
dass es als eigenes Thema innerhalb der Gestaltung eines Gartens gesehen
wird. Der
berühmteste monochrome Garten ist der „Weiße Garten“
in Sissinghurst Castle, nahe Cranbrook, rund 50 Kilometer südöstlich
von London. „Mein grauer, grüner und weißer Garten wird
hinten eine hohe Eibenhecke haben, eine Mauer an einer Seite und einen
Weg mit alten Ziegeln an der vierten Seite“, schrieb Vita Sackville-West,
die Schöpferin dieser Anlage 1950 im Observer. Und weiter: „So
hoffe ich, dass im nächsten Sommer die große gruselige Schleiereule
in der Dämmerung leise über einen bleichen Garten streichen
wird – den bleichen Garten, den ich gerade anpflanze“.
Weiß birgt Strahlkraft. Das hat die Engländerin
wohl auch zu ihrem weißen Garten inspiriert. Denn sie musste dort
jeden Abend hindurch gehen, wenn sie vom Speisezimmer zu ihrem Schlafgemach
wollte. Weiß bepflanzte Räume machen einen Garten weit und
erzeugen Tiefe. Schattenpartien werden aufgehellt. Vor üppigem Blattgrün
wirken sie wie kleine Lichtquellen und verbreiten eine vornehme Atmosphäre.
Darüber hinaus hat die Farbe eine ausgleichende Wirkung. Matt-weiße,
silberfarbene und graue Töne harmonisieren grelle Farbkombinationen.
Zarte Farben wie Rosa und blasses Blau fangen in Gegenwart weißer
Blüten dagegen an zu leuchten.
Rot
ist ein Spiel mit dem Feuer. Wo diese Farbe auftaucht, provoziert sie,
fordert begeisterte Zustimmung oder heftige Ablehnung. Im Garten waren
rot blühende Pflanzen lange Zeit verpönt. Sie übernehmen
sofort die Führung und dominieren alles. Ihre Explosivität wird
jedoch gemildert, wenn grelles Rot von Bronzetönen umgeben ist. Besonders
eignen sich Gewächse mit dunkelrotem Laub dafür. Auch Violett-
und Grautöne sowie die Komplementärfarbe Grün wirken in
solchen Kompositionen harmonisierend. Möchte man einen Teil des Gartens
lebhaft gestalten oder den Blick unverzüglich in eine bestimmte Richtung
lenken, sind leuchtend rote Pflanzen genau richtig.
Blau
gibt Weite. Ohne Rotanteil erscheint Blau
kühl und distanziert. „Ein reizendes Nichts“, nannte
Goethe das in seiner Farbenlehre. Wolkenloser Himmel erstrahlt blau. Das
ist die Farbe der Ferne. Sie spiegelt Tiefe und Unendlichkeit wieder.
In Blau getauchte Räume erscheinen uns weiter. Deshalb wirkt ein
Garten größer, wenn er mindestens an einer Seite ausschließlich
mit blau blühenden Gewächsen bepflanzt wurde. Schwermütig
wirken Blautöne dagegen, wenn Violett dominiert. Dann sollte man
Weiß-, Grün- und Grautöne einmischen.
Gelb beflügelt. Die Gegenwart dieser Farbe stimmt
freundlich und macht manchmal sogar etwas leichtsinnig. An wolkenverhangenen
Tagen strahlen intensiv mit gelben Blumen bepflanzte Rabatten wie die
Sonne. Auch Gelb erweckt sofort Aufmerksamkeit. Das hat jedoch nichts
provozierendes wie bei Rot. Vielmehr kommt die Farbe auf den Betrachter
zu. Andere Pflanzen rücken dann in den Hintergrund. Dadurch kann
ein Farbgefüge schnell aus dem Gleichgewicht geraten, und Blickachsen
können sich verschieben. Während
Blau Weite suggeriert, verkürzen gelbe Pflanzungen die Perspektive.
Sie lassen Gärten kleiner erscheinen. Dunkle Ecken hingegen gewinnen
durch ein gelbes Blütenmeer: Sie leuchten und werden wieder wahrgenommen.
Gegen die Eintönigkeit gelber Rabatten sollte man die ganze Breite
der Farbpalette von Cremetönen über Grüngelb, Schwefelgelb
bis zu warmen Orangetönen setzen. Nur so lässt sich diese leuchtende
Farbe differenziert wahrnehmen.
Text: Michael Breckwoldt
Aus: Gärten gestalten, Gärten genießen
Verlag Ellert & Richter
|