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Symphonie der Farben

von Michael Breckwoldt
 
Beete in nur einer Farbe zu gestalten, gehört eher zu den ungewöhnlichen Aufgaben. Es hat nichts mehr mit einer natürlichen Gestaltung zu tun, da man die Lebensbereiche der Pflanzen dabei meist ziemlich durcheinander würfelt. Trotzdem ist es sinnvoll, sich über die Wirkung der Farben bewusst zu sein. Das geht am besten, wenn man sich jede Farbe einzeln vornimmt. Inwieweit ein Farbbeet formal gefasst oder eher frei in eine Rabatte integriert wird, steht jedem frei. Diverse Varianten sind denkbar. Wichtig ist aber, dass es als eigenes Thema innerhalb der Gestaltung eines Gartens gesehen wird.

Aquilegia Vulgaris-Hybride 'White Barlow'Der berühmteste monochrome Garten ist der „Weiße Garten“ in Sissinghurst Castle, nahe Cranbrook, rund 50 Kilometer südöstlich von London. „Mein grauer, grüner und weißer Garten wird hinten eine hohe Eibenhecke haben, eine Mauer an einer Seite und einen Weg mit alten Ziegeln an der vierten Seite“, schrieb Vita Sackville-West, die Schöpferin dieser Anlage 1950 im Observer. Und weiter: „So hoffe ich, dass im nächsten Sommer die große gruselige Schleiereule in der Dämmerung leise über einen bleichen Garten streichen wird – den bleichen Garten, den ich gerade anpflanze“.

Weiß birgt Strahlkraft. Das hat die Engländerin wohl auch zu ihrem weißen Garten inspiriert. Denn sie musste dort jeden Abend hindurch gehen, wenn sie vom Speisezimmer zu ihrem Schlafgemach wollte. Weiß bepflanzte Räume machen einen Garten weit und erzeugen Tiefe. Schattenpartien werden aufgehellt. Vor üppigem Blattgrün wirken sie wie kleine Lichtquellen und verbreiten eine vornehme Atmosphäre. Darüber hinaus hat die Farbe eine ausgleichende Wirkung. Matt-weiße, silberfarbene und graue Töne harmonisieren grelle Farbkombinationen. Zarte Farben wie Rosa und blasses Blau fangen in Gegenwart weißer Blüten dagegen an zu leuchten.

Leuchtend rot: Potentilla atrosanguinea 'Gibson scarlet'Rot ist ein Spiel mit dem Feuer. Wo diese Farbe auftaucht, provoziert sie, fordert begeisterte Zustimmung oder heftige Ablehnung. Im Garten waren rot blühende Pflanzen lange Zeit verpönt. Sie übernehmen sofort die Führung und dominieren alles. Ihre Explosivität wird jedoch gemildert, wenn grelles Rot von Bronzetönen umgeben ist. Besonders eignen sich Gewächse mit dunkelrotem Laub dafür. Auch Violett- und Grautöne sowie die Komplementärfarbe Grün wirken in solchen Kompositionen harmonisierend. Möchte man einen Teil des Gartens lebhaft gestalten oder den Blick unverzüglich in eine bestimmte Richtung lenken, sind leuchtend rote Pflanzen genau richtig.

Blau gibt WeiteBlau gibt Weite. Ohne Rotanteil erscheint Blau kühl und distanziert. „Ein reizendes Nichts“, nannte Goethe das in seiner Farbenlehre. Wolkenloser Himmel erstrahlt blau. Das ist die Farbe der Ferne. Sie spiegelt Tiefe und Unendlichkeit wieder. In Blau getauchte Räume erscheinen uns weiter. Deshalb wirkt ein Garten größer, wenn er mindestens an einer Seite ausschließlich mit blau blühenden Gewächsen bepflanzt wurde. Schwermütig wirken Blautöne dagegen, wenn Violett dominiert. Dann sollte man Weiß-, Grün- und Grautöne einmischen.

Gelb beflügelt. Die Gegenwart dieser Farbe stimmt freundlich und macht manchmal sogar etwas leichtsinnig. An wolkenverhangenen Tagen strahlen intensiv mit gelben Blumen bepflanzte Rabatten wie die Sonne. Auch Gelb erweckt sofort Aufmerksamkeit. Das hat jedoch nichts provozierendes wie bei Rot. Vielmehr kommt die Farbe auf den Betrachter zu. Andere Pflanzen rücken dann in den Hintergrund. Dadurch kann ein Farbgefüge schnell aus dem Gleichgewicht geraten, und Blickachsen können sich verschieben. Während Blau Weite suggeriert, verkürzen gelbe Pflanzungen die Perspektive. Sie lassen Gärten kleiner erscheinen. Dunkle Ecken hingegen gewinnen durch ein gelbes Blütenmeer: Sie leuchten und werden wieder wahrgenommen. Gegen die Eintönigkeit gelber Rabatten sollte man die ganze Breite der Farbpalette von Cremetönen über Grüngelb, Schwefelgelb bis zu warmen Orangetönen setzen. Nur so lässt sich diese leuchtende Farbe differenziert wahrnehmen.

Text: Michael Breckwoldt
Aus: Gärten gestalten, Gärten genießen
Verlag Ellert & Richter

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