
…man kann und sollte auch in den Garten gehen und die nächtlichen
Düfte genießen. Denn so manche Pflanze, leider vor allem die
tropischen und subtropischen, sind auf Nachtfalter und anderes nächtliches
Getier eingestellt. Aber auf ein paar ganz besondere Nachtduft-Stauden
des Frühsommers sollte man achten, z.B. auf einige Taglilien.
Eigentlich müssten sie Nachtlilien heißen: Die Arten Hemerocallis
citrina und H. lilioasphodelus blühen und duften
von abends über die
Nacht und dann noch am nächsten Tag. Ihr Duftschwerpunkt liegt in
der Nacht.
Einen besonderen Reiz hat auch der nächtliche Duft einiger
Nachtkerzen.
Hinzu kommt bei den Nachtkerzen, dass man ihr Erblühen im Zeitraffertempo
erleben kann. Wir haben es erlebt: Eine Abendgesellschaft, die das Reden
und Trinken
vergaß, als einige Pflanzen von Oenothera glazioviana aufzublühen
begannen. Auf Stühlen saß man davor und schaute gebannt zu.
Nicht
zu vergessen sind einige Kreuzblütler: Lunaria rediviva, die
Mondviole, und
etwas früher ihre kurzlebige „Schwester“ Lunaria
annua.
Ferner
Hesperis matronalis, die Nachtviole. Bei all diesen Nachtduftern fällt
auf, dass sie ihre Bestäuber nachts auch optisch anzulocken verstehen:
Ihr helles Gelb, helles Violett und Weiß durchdringt die Dunkelheit,
während
rote und andere dunkle Farbtöne von der Dunkelheit verschluckt werden.
Nach der Sommersonnenwende verkürzen sich ganz langsam wieder
die Tage. Dafür erreicht nun die Sommerwärme ihren Höhepunkt.
Auch in den Nächten. Jetzt darf man in den späten Abendstunden
nicht versäumen, bei den Madonnen-Lilien vorbeizuschauen und eine
Nase voll ihres köstlichen Duftes aufzunehmen. Der Duft unterscheidet
sich nun durch würzige Aspekte merklich vom Tagesduft der Madonnen-Lilien.
Im Anschluss empfehlen wir noch die Aufrechte Clematis, Clematis recta,
zu besuchen. Auch sie duftet vor allem nachts ausgesprochen angenehm.
Was
aber wäre ein nächtlicher Duftgarten ohne jene Stauden aus
den Tropen und den Subtropen, die bei uns leider nicht winterhart sind?
Die Rede ist von der zauberhaften Wunderblume, Mirabilis jalapa, die
kurz vor Sonnenuntergang erblüht. Die Blüten unterscheiden
sich oft bei ein und derselben Pflanze in der Farbe, daher Wunderblume.
Wunderbar
aber ist vor allem der kräftige nächtliche Duft: Stark blumig,
fruchtig und frisch. Übrigens, kurz nach dem Erblühen duftet
die Wunderblume noch nicht. Der Duft meldet sich erst ein oder zwei
Stunden später. Mirabilis jalapa bildet dicke Rüben, die
man nach dem ersten Frost ausgräbt und wie Dahlienknollen überwintert.
Nicht
vergessen darf man zwei Nicotiana-Arten, auch Stauden aus den Subtropen,
die bei uns nicht winterhart sind: Der bis 1.20 m hohe Ziertabak Nicotiana
sylvestris und der niedrigere Nicotiana alata. Welch ein nächtliches
Vergnügen, diese Tabake im Dämmerlicht zu besuchen, die Nachtschwärmer
bei ihrem Tun zu beobachten und dabei den wunderbaren Duft aufzunehmen.
Ein
Nachtdufter, der wirklich zu den Einjährigen gehört, ist
der Stechapfel, Datura stramonium. Eine imposante Gestalt, die auf
nahrhaftem Boden bis zu einem Meter hoch wird und weiße, manchmal
bläuliche
Trompetenblüten trägt. Er samt sich so reichlich aus, dass
man sich um die Nachkommenschaft im nächsten Jahr nicht bemühen
muss.
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