Begegnungen
Kindheitserinnerungen an die Kaiserkrone habe ich nicht. Der Sand in
der Mark war diesem Zwiebel-Großgewächs nicht zuträglich.
Versuche mit Fritillaria imperialis im oberbayerischen Garten
gingen immer ein paar Jahre gut, bis die Kraft zu Ende war, die Blühfähigkeit
nachließ und schließlich auch des vegetative Wachstum.
Die erste Begegnung mit imposanten Kaiserkronen hatte ich endlich bei
Dieter Gaissmayer in Illertissen! Dort steht im Zentrum des „Bauerngarten“
ein Riesenhorst, blüht jedes Jahr und setzt sogar Frucht an.
Gerüche
der besonderen Art
Der mit viel Buchs umgebene Garten und dann blühende Kaiserkronen
dazu, das ist nicht jedermanns Nasensache. Andere können sich hemmungslos
dafür begeistern. Und zu denen gehöre ich. Kaiserkronen stinken,
heißt es. Sie haben einen Geruch, der an das Löwengehege im
Zoo erinnert.
Als Erstfrühlingsblüher aber werden die Kaiserkronen von einer
Fülle sehr wohlriechender Zwiebelpflanzen begleitet: Tulpen, Narzissen,
Crocus, Hyazinthen, Traubenhyazinthen. Da empfindet man es geradezu als
Wohltat, wenn dazwischen mal eine Pflanze etwas kräftiger vor sich
hin „stinkt“.
Gerüchte und Vorurteile
Kaiserkronen sind gut gegen Wühlmäuse, das hört man allenthalben.
Ich glaube kaum, dass man sie mit Kaiserkronen vertreiben kann. Eventuell
lässt sich einer Wühlmausinvasion damit vorbeugen. Doch dann
sollte man sich nicht auf Kaiserkronen allein verlassen, sondern auch
Narzissen (Frau Kreuter rät zur Sorte La Riante), die kreuzblättrige
Wolfsmilch, Euphorbia lathyris und Knoblauch ansiedeln.
Das
Vorurteil, Kaiserkronen seien nicht sehr langlebig, pflegte ich selber
bis zum Erlebnis Illertissen. Ein Blick in einschlägige Literatur
hätte mir aber sagen können, wie es auch anders geht. Kaiserkronen
bilden jedes Jahr einen mächtigen Stiel mit großen Blüten.
Das bedarf natürlich einer ganzen Menge Dünger! Und das zur
Vegetationszeit. Während dieser relativ kurzen Phase von April und
Mai werden die Kräfte für das kommende Jahr eingelagert.
Außerdem wird empfohlen, die Kaiserkronen alle 4 bis 5 Jahre aufzunehmen
und an einen anderen Platz neu zu pflanzen (im August, denn da hat die
Kaiserkrone ihre absolute Ruhezeit). Dass in Bauerngärten und bei
Dieter Gaissmayer die Kaiserkronen viel länger am selben Platz stehen
und gedeihen, nun das liegt an einer guten Nährstoffversorgung.
Wenn man schon im August Zwiebeln bekommt, so ist das optimal. Denn bereits
im September beginnt das Wurzelwachstum. Und je mehr Wurzeln, desto kräftiger
blüht die Kaiserkrone im kommenden Jahr. Gesetzt werden die Zwiebeln
20 bis 25 cm tief. Der Boden soll frisch, tiefgründig und nahrhaft
sein, der Platz sonnig bis allenfalls leicht schattig.
Und wie sieht’s mit der Vermehrung aus?
Wenn man sie im August ausgräbt, um die Kaiserkrone zu verpflanzen,
merkt man, dass sich die Zwiebel öfter geteilt hat. Das ist die einfache
und schnelle Methode, zu mehr Kaiserkronen zu kommen. Mit Samen dauert
es etwas länger.
Kaiserkronen sind ziemlich selbststeril. Eine gute Befruchtung findet
statt, wenn 2 verschiedene Sorten beieinander stehen. Befruchter sind
übrigens vor allem Kohl- und Blaumeisen sowie Mönchsgrasmücken!
Die halten sich am Stiel unterhalb der Blütenkrone fest und holen
sich den Nektar mit der Zunge aus den Blüten. Gut, dass Vögel
keinen Geruchssinn haben!
Sind die Samen im Spätsommer reif, sät man sie sofort im Freien
aus. Hat die winterliche Kälte auf die Samen eingewirkt, keimen sie
im Frühjahr.
Und
noch zwei andere Fritillarien
Einen humusreichen, kühlen, leicht sauren Boden verlangt die Schachbrettblume,
Fritillaria meleagris. Ihre Ansiedlung scheitert leider all zu
oft an schon vertrockneten Zwiebeln. Die vertragen keinen langen Aufenthalt
an der frischen Luft. In Europa auf Feuchtwiesen heimisch, hat die Schachbrettblume
keine gute Zeit. Viele ihrer natürlichen Standorte sind trockengelegt
oder durch Kalkdüngung für diese Art unbrauchbar gemacht worden.
Eigentlich ist es höchste Zeit, der Schachbrettblume erhöhte
Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Übrigens war sie Namengeberin für die Gattung. Fritillus war
bei den Römern der Würfelbecher. Und meleagris kommt aus dem
Griechischen
und heißt Perlhuhn!
Extrem andere Ansprüche an den Standort stellt Fritillaria persica.
Diese wunderschöne, auch im April blühende „Kaiserkrone“
trägt auberginenfarbene Blüten, die, man staune, einen angenehmen,
süßlichen Duft verbreiten.
Die Persische Kaiserkrone mag einen Sommer, wie wir ihn im letzten Jahr
hatten, trocken und heiß. In unseren normalen, regenreichen Sommern
ist es besser, die Zwiebeln auszugraben und in trockenem Sand bis zum
September zu lagern. Der Boden soll durchlässig, aber nährstoffreich
sein. |