Christian Seifferts Begegnungen
mit Duftpflanzen
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Wolfsmilch am Schulweg
Dass bestimmte Pflanzen intensiv duften, manchmal muss man erst alt werden,
um dahinter zu kommen. Dabei begleitete mich die Art, um die es
hier speziell
gehen soll, schon mein Leben lang. Sie war das „Maiengelb“
der Straßengräben in Brandenburg... |
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Weine duften nicht nur beim Trinken
Der Laubengang trug die Reben des Duftweines. Weit in das Haus und in
den Garten hinein drang der herb-liebliche Duft. Ich glaube, er berauschte
uns. Aus heutiger Erfahrung würde ich sagen, er hatte etwas Champagnerhaftes
an sich.... |
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Tulpenfreude von März bis Juni
Mit ihrem Duft stehen die Tulpen in einem ungerechten Wettbewerb
mit Veilchen, Hyazinthen, Narzissen und Flieder. Aber der Duftcharakter
ist interessant und hat seine besondere Note. Der Duft ist herb,
manchmal
schwer, erinnert gelegentlich an Mandeln... |
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Ysander und die duftende Verwandtschaft
Pachysandra ist eine immergrüne Pflanze aus China und Japan,
die sich durch unterirdische Ausläufer auszubreiten vermag. Diese
Japanerin, die deutsch Ysander genannt wird, ist wie dafür gemacht,
eine ruhige Schattenpartie zu schaffen... |
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Calamintha
- Steinquendel
Was für eine anspruchslose und dankbare Staude! Den ganzen Spätsommer
und Herbst hindurch blüht sie mit unzähligen weißlich-blauen
Blüten an 50 cm hohen Stielen. Die Insekten können gar nicht
genug von ihr bekommen... |
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Hemerocallis
- Taglilien
In fast allen Vorgärten des Heimatdorfes Jamlitz in Brandenburg stand
eine braunorange blühende Taglilie. Trotz großer Trockenheit,
trotz sandigem Boden existierte sie da nicht nur, sondern wucherte. |
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Iris:
Von den klassischen Schwertlilien
Im Garten der Eltern gab es eigentlich nur eine Schwertliliensorte: eine
einfache, hellgelb blühende. Die allerdings breitete sich im märkischen
Sand kräftig aus, während eine blaue sich nur notdürftig
erhielt. Es war keine Liebe auf den ersten Blick... |
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Maiglöckchen und ihre liebenswerte
Verwandtschaft
Es sind ja, wenn es hochkommt nur 14 Tage, an denen die Maiglöckchen
blühen. Aber wenn es in der zweiten Maihälfte so weit war, roch
ich es auf dem Weg zur Schule. Am Haus entlang, im humusreichen Sand,
standen sie in Massen... |
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Lerchensporn und Verwandtschaft
Wir gingen durch einen Pappelwald und plötzlich wurden unsere Sinnesorgane
in einem heftigen Dreiklang auf Frühling eingestellt. Die Ohren bekamen
Nachtigallen-Gesänge zu hören, die Augen hellviolette-rosa und
weiße Lerchensporne zu sehen... |
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Winterling: Der erste Duft des Jahres
Die früheste Begegnungen mit Winterlingen waren bescheidener Natur.
Ein paar Pflänzchen, die mein Vater in den Brandenburger Sand setzte,
ohne großen Erfolg. Erst viel später, in Oberbayern, begriff
ich, was man mit Winterlingen alles machen kann... |
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Chrysanthemen, Winterastern
Es ist ein großer Dreiklang, der uns im Oktober und November beglückt,
auch wenn er mit Abschiedsweh verbunden sein mag: Die feucht herben Gerüche
des gefallenen Laubes, das bitter-harzige Aroma der Chrysanthemen und
ihre wunderbare Farbpalette. |
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Nachtkerzen:
Nächtliche Freuden
Im heimatliche Garten der Kindheit durften drei Wildpflanzenarten fast
nach Belieben wachsen. Zwischen Spargelbeeten, Gemüse und Obst standen
immer ein paar Eselsdisteln, verschiedene Königskerzen und die Nachtkerzen. |
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Vom
Geheimnis der weißen Lilien
Es war ein Foto, später Jugendstil. Eine junge Frau in weißem
langen Kleid lustwandelt in einem Garten. Im Hintergrund eine Klinkermauer
und ein rechteckiger Teich. Die junge Frau, umgeben von weißen Lilien,
ist meine Großmutter. |
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Dianthus:
Nelkenfreuden
Ein heißer Junitag in den 50er Jahren, noch sind die Wiesen nicht
geschnitten, das Gefleckte Knabenkraut blüht und eine Duftkostbarkeit:
Die Prachtnelke, Dianthus superbus... |
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Von
Mönchspfeffer, Zitronenverbene und Verwandtschaft
Die ersten Verbenen-Bekanntschaften vollzogen sich in Weihenstephan: Verbena
bonariensis, zwischen Stauden, hoch hinausragend. Und sie hat wirklich
ganz besondere Reize: ihre violetten, gedrungenen Blütenährenan
fast blattlosen Stielen... |
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Paeonien
- Pfingstrosen
Mein Vater liebte die Paeonien mit den Malernamen. Aber die Namen dieser
Schönheiten werden nicht der alleinige Grund gewesen sein, warum
sie im „Lustgarten“ standen. Es war vor allem ihre einfache,
offene Blüte, die Leichtigkeit ihrer Erscheinung. |
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Kaiserkronen
- Stinker
und Dufter
Die erste Begegnung mit imposanten Kaiserkronen hatte ich bei Dieter
Gaissmayer in Illertissen. Dort steht im Zentrum des Bauerngartens ein
Riesenhorst Fritillaria imperialis, blüht jedes Jahr und
setzt sogar Frucht an. |
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Ziertabake
aus der Gattung Nicotiana
Es ist komisch: an manche Pflanzen muss man sich erst gewöhnen, muss
sie kennen lernen, um sie lieben zu können. Auch in der Botanik ist
die Liebe auf den ersten Blick eine Rarität... |
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Goldlack
Als ich 1981 Anfang Mai Gärten im Süden Englands besuchte, hatte
ich den englischen Pflanzennamen „Wallflower“ im Kopf: Mauerblume!
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Kalmus
Süß und aromatisch-herb rochen die unteren Enden, wenn wir
als Kinder Kalmusstängel am Teichrand aus dem Boden zogen. Welch
ein Duft im Vollfrühling und Frühsommer!
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Unser
Lieben Frauen Bettstroh
Goldgelb im Chausseegraben, goldgelb an trockenen Wiesenhängen: Sommertage
in der Jugendzeit. Noch mehr als das goldene Sommergewebe zieht der Duft
dieser Wildstaude in seinen Bann.
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Ruta
- Weinraute
Genau weiß ich es nicht mehr. Bin ich der Ruta das erste
Mal am Naturstandort begegnet oder war es eine in der Grappaflasche? Die
Begegnung war jedenfalls von nachhaltiger Wirkung. |
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Duftende
Gräser
Zu den großen landschaftsübergreifenden Düften gehört
der Heuduft. Gehört oder gehörte? Wenn es heute nicht mehr ganz
so intensiv zugeht auf den Wiesen, so hat das mehrere Gründe... |
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Silberkerzen
Die weißen Kerzen im Schummerlicht der Gehölze oder am Rande
von Gehölzen, in der Nachbarschaft von Eisenhut. Erstaunen darüber,
dass es vom Hochsommer bis weit in den Oktober hinein Silberkerzen gibt.
Eine Welt galt es zu entdecken! |
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Hosta
- Funkien
Es hat viele Jahrzehnte gedauert, bis ich mit den Funkien einigermaßen
ins Lot gekommen bin. Sie wirkten auf mich immer altmodisch, gutbürgerlich,
Villen- und Stadthaus-Vorgarten-mäßig... |
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Cyclamen
- Alpenveilchen
Es ist kaum verwunderlich, wenn die meisten Menschen ihre erste Cyclamenbegegnung
mit einem Topfalpenveilchen haben. So ging es auch mir. Ich musste 40
Jahre alt werden, bis ich endlich „Alpenveilchen“ am Naturstandort
betrachten konnte. |
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Wunderblumen
Man geht an ihnen vorüber, würdigt sie keines Blickes: schlappblättrige
Stauden mit welken Blüten. Man muss etwas warten, bis aus dem welken
und blütenlosen Etwas eine „Dame der Nacht“ oder eine
„Schöne der Nacht“ wird. |
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